Giengen / Joelle Reimer Der Giengener Markus Thumm war nach dem Erdbeben im italienischen Amatrice vor Ort. Nun will er die Betroffenen mit Sachspenden unterstützen.

Fast genau zwei Wochen ist es her, dass die kleine Gemeinde Amatrice und viele Nachbarorte in Mittelitalien durch schwere Erdbeben verwüstet wurden. Eingestürzte Häuser, viele Todesopfer, zahlreiche Menschen, die von einem Tag auf den anderen alles verloren haben. Zur gleichen Zeit weilte auch der Giengener Markus Thumm in Italien. Er jedoch hatte bereits einige schöne Tage seines Sommerurlaubs hinter sich und war auf dem Heimweg, als er am Mittwoch vor zwei Wochen von dem Erdbeben erfuhr.

„Ich war schon fast an der schweizerischen Grenze. Da stellte sich für mich die Frage: Nach Hause fahren oder umkehren, um irgendwie zu helfen?“, erzählt der 39-Jährige. Er entschied sich für letzteres – trotz seiner Zweifel, was ihn dort erwarten würde und inwiefern er überhaupt würde helfen können. Doch seine Entscheidung stand fest, und da der als Interims-Manager tätige Giengener erst kurz vorher seine bisherige Arbeitsstelle gekündigt hatte und nicht unter Termindruck stand, nahm er Kurs gen Süden.

Nach stundenlanger Fahrt kam Thumm schließlich am Mittwochabend in Amatrice an. „Es war alles abgesperrt. Erst über einige Vororte und Umwege bin ich überhaupt rein gekommen.“ Jede einzelne Szene, die er dort sah, setzte sich schließlich zu einem einzigen Bild der Verwüstung zusammen: Eingestürzte Häuser, unpassierbare Straßen, weinende Menschen, Sirenengeheul, Rettungskräfte. Ein Bild, das so gar nicht zu seinem Lieblingsurlaubsland Italien passen wollte.

„In Amatrice war ein Headquarter eingerichtet, von dem aus alles gesteuert wurde. Vor Ort war die italienische Armee, Hilfswerke, der Rettungsdienst und Kommunalpolitiker. Die Organisation war wirklich top“, erzählt Thumm. Dennoch machte sich bei ihm schnell Ernüchterung breit: „Ich hatte gedacht, ich könnte vielleicht helfen, da ich sowohl eine Ausbildung zum Altenpfleger als auch zum Maurer habe. Aber vor Ort konnte ich nicht wirklich viel tun“, sagt der 39-Jährige. Schließlich betreute er in den eingerichteten Notquartieren vor allem die älteren Leute, verteilte Essen und versuchte, Trost zu spenden.

„Die Nacht auf Donnerstag bin ich dort geblieben, habe auch ein Nachbeben miterlebt. Letztlich musste ich aber einsehen, dass ich direkt vor Ort nicht viel bewirken kann“, so Thumm. Deshalb setzte er sich wieder ins Auto und fuhr zunächst ins rund 80 Kilometer entfernte Colonnella, um sich über seine weiteren Schritte klar zu werden. „Hier kam dann eins zum anderen. Ich habe mich mit dem Manager des Hotels Villa Susanna unterhalten, in dem ich untergekommen bin. Der hat den Kontakt zu Bürgermeister Leandro Pollastrelli von Colonnella hergestellt“, erzählt Thumm, dem zu diesem Zeitpunkt schon die Idee eines Charity-Projektes vorschwebte. Mit Pollastrelli vereinbarte er also, eine Spendenaktion auf die Beine zu stellen. „Ich habe die Kontakte dort ausgebaut, das Projekt über Facebook bekannt gemacht und den Rest habe ich von Deutschland aus erledigt“, erzählt Thumm, der Ende letzter Woche nach Giengen zurückkam.

Seine Idee: Sinnvolle Sachspenden zu sammeln und diese dann Mitte September eigenhändig nach Colonnella zu fahren. „Ich denke, die direkten Spenden kommen viel schneller bei den hilfsbedürftigen Menschen an“, sagt er. Bis zum 15. September will Thumm sammeln, fragt dazu im Freundes- und Bekanntenkreis herum und hat auch schon erste Spenden erhalten.

„Am besten sind Haushaltsgegenstände, Kleidung und Spielsachen – sinnvolle Dinge eben, die die Menschen dort jetzt brauchen. Ich hole die Sachen bei Bedarf auch ab und lagere alles. Am 16. oder 17. September fahre ich die Spenden nach Colonnella“, so Thumm. Derzeit befindet er sich noch in Planungen, ob er eventuell Sponsoren für den Transporter und das Benzin findet. In Colonnella will er die Sachspenden Bürgermeister Pollastrelli übergeben, der dann für die weitere Verteilung an die Bürgermeister der betroffenen Orte verantwortlich ist. „Es sind darüber hinaus auch Pakete direkt an die Villa Susanna möglich, der Hotelmanager gibt sie dann an Bürgermeister Pollastrelli weiter“, sagt Thumm.

Dass bei seinem kurzfristig organisierten, privaten Charity-Projekt wohl keine Unmengen an Sachspenden zusammen kommen werden – das ist dem 39-Jährigen durchaus bewusst. „Es geht hier nicht um ganze Lkw-Ladungen. Das Ganze soll eher einen unterstützenden Charakter, einen Symbolwert haben. Dass die Italiener sehen: Wir Deutschen machen dort nicht nur Urlaub, sondern zeigen uns auch in solchen Notlagen solidarisch“, so Thumm.