Kürzlich habe ich meine neue Ladekarte vom Stromanbieter erhalten. Natürlich muss ich die erst einmal testen, man weiß ja nie. Also hin zur Ladestation in der Kirchgasse in Giengen. Funktioniert alles prima. Ich gehe nach Hause und will etwas später mein Fahrzeug wieder abholen. Der Ladevorgang läuft noch, macht aber nichts, ich will ja nur meine Ladekarte testen.

Doch was muss ich sehen: ein Zettel an der Scheibe. Werbung? Nein, ein Strafzettel. Wie jetzt? Tatvorwurf: Belegen des Ladestellplatzes ohne Parkscheibe. Aber ich lade doch und parke nicht. Sieht doch jeder. Und der Strafzettel wurde bereits 25 Minuten nach Ladebeginn angebracht.

Ein Anruf beim Leiter des Ordnungsamtes klärt mich auf. Da man dort auch bis zu drei Stunden ohne die Absicht zum Laden parken darf (aber nur E-Autos), muss eine Parkscheibe angebracht sein.

Theoretisch könnten also mehrere E-Autos über den Tag verteilt die beiden Ladestellplätze blockieren, ohne zu laden. Wer aber sein E-Auto ohne Parkscheibe zum Laden hinstellt, wird zum Täter.

Wirklich, natürlich kann man das sehen, an der Ladestation steht „wird geladen“, und eine grüne Lampe blinkt. Ebenso blinkt eine grüne Lampe am Fahrzeug. Nachdem Ladestationen ohnehin Mangelware sind, macht diese Regelung für mich keinen Sinn. Wie wäre es mit einem Schild „Akku-Ladezone für E-Fahrzeuge – Parken nur während des Ladevorgangs gestattet“?Hier stellt sich einem die Frage, ob ein E-Auto momentan eine gute Lösung ist.

Der Strom wird immer teurer, die Energiedichte der Akkus ist miserabel, die Umweltbilanz ebenso, nur fällt der Dreck nicht bei uns an. Die Reichweite ist ein Witz. Und was mache ich bei den drastisch steigenden Herstellungskosten, wenn der Akku einmal kaputt ist?

Vielleicht sollte ich doch lieber wieder auf einen Benziner oder Diesel umsteigen. Da brauche ich nicht erst schauen, ob eine Zapfsäule frei ist. Einen Strafzettel bekomme ich beim Tanken auch nicht, und ich kann mal wieder meine Tochter besuchen, ohne dass ich nach zehn Stunden Ladezeit auf der Rückfahrt die Heizung abschalten muss.

Willkommen in der Servicewüste Deutschland, dem einstigen Land der Dichter und Denker, der Tüftler und Ingenieure.
Hartmut Stechert, Giengen