Mit meinen 92 Jahren gehöre ich eigentlich bereits zu jener, für manche längst überfälligen Personengruppe, die man zuweilen als „Grufties“ bezeichnet. Mit dem Begriff an sich habe ich kein Problem; doch wenn man uns Ur-Alten das Denken bzw. das Mit-Denken abnehmen oder gar ganz verbieten möchte, dann begehre ich laut und vernehmlich auf.

Und solch ein Fall ist nun offen-sichtlich eingetreten, und zwar mit dem vorgeschlagenen neuen Giengen-Logo. Mit dem „alten“ Logo bin ich als vor über einem Halbjahrhundert aus Aalen Zugezogener in Giengen heimisch geworden, sind meine Kinder und Enkelkinder groß geworden und wachsen nun die Ur-Enkel heran.

Völlig unverständliche Idee

Vielleicht könnte ich ja unter dem bewährten Fahnenlogo mit zentralem vollständigen Einhorn noch einen Ur-Ur-Enkel erleben, wenn nicht die völlig unverständliche Idee geboren worden wäre, dieses fast schon historische Logo ohne Not zu ersetzen. Offensichtlich lassen dies die städtischen Finanzen auch anstandslos zu.

Von Seiten der Kommune heißt es unter anderem: „Es geht um die Verpackung und um ein einheitliches modernes Erscheinungsbild.“ Wenn nun bei dem neuen Verpackungspapier der Bogen aber zu knapp wird und das angestammte Einhorn halbiert erscheint, dann stimmt irgendetwas nicht. Und die drei Wellenkringel und der gelbe Viertelkreis symbolisieren nur eine undefinierbare Moderne.

Auf das Einhorn ein Regenwurm?

In etlichen Jahren ist dann das heute Moderne wiederum nicht mehr modern, und dann gibt es vielleicht eine Bürgervertretung, der das Einhorn auch nicht mehr zeitgemäß erscheint. Unter Umständen entscheidet man sich nun für ein Eichhörnchen, für eine Wildsau oder gar für einen Regenwurm.

Geld sinnvoller einsetzen

Die beauftragte Firma heißt dann wohl auch nicht mehr Vierdimensional, denn alles Vierdimensionale ist längst in einem „Schwarzen Loch“ verschwunden. Als früherer jahrzehntelanger Giengener Gemeinderat rate ich den heutigen Räten und Rätinnen, das Ganze noch einmal zu überdenken. Im letzten Jahrhundert hätten wir eine zweidimensionale Sache auch zweidimensional betrachtet, Bewährtes erhalten und verfügbares Geld vielleicht auch sinnvoller eingesetzt. Dem alten Logo hätte das damalige Gremium jedenfalls eindeutig den Vorzug gegeben, auch im Blick auf Zukünftiges, bei dem „Modernes“ nicht ums Verrecken eben nur anders als Bewährtes sein muss.

Karl-Heinz Friedrich, Altstadtrat, Giengen