Giengen / Thomas Grüninger Im Vergleich zu 2018 können Giengens Landwirte mit den Erträgen zufrieden sein. Auf den Grünflächen setzen viele Bauern inzwischen auf die tiefwurzelnde Kleesorte Luzerne.

Weitgehend abgeerntet sind die Getreidefelder, lediglich die Maisernte steht noch aus. Jörg Bayer, Ortsobmann der Giengener Landwirte, bilanziert ein „durchschnittliches Jahr“, gemessen an den Ernteergebnissen von 2018 könne man sogar von einer „erfreulichen Entwicklung“ sprechen.

Zwar hätten Winterweizen und Dinkel etwas unter der Trockenheit im Juni und Juli gelitten, die Einbußen waren aber längst nicht so groß wie im extrem niederschlagsarmen Vorjahr. „Im Frühjahr hielt sich die Regenmenge diesmal noch im passenden Rahmen“, zeigte sich Bayer erleichtert.

Bei Sommer- und Wintergerste seien die Erträge sogar sehr gut gewesen, auch beim Winterraps könne man zufrieden sein. Die erzielten Preise bezeichnete der Giengener Obmann als auskömmlich.

Speziell beim Raps ist der Markt allerdings nur schwer zu durchschauen. „Raps ist gesucht“, sagte Bayer, „aber die Preise sind im unteren Bereich angesiedelt.“ Der Weltmarkt wirke sich vor allem negativ aus, wenn es Ausfälle gebe: „Auch die Ölmühlen stehen unter Druck und beziehen den Raps dann schnell mal aus Ländern wie Kanada oder Australien.“

Modegetreide Dinkel

In Giengen werde nach wie vor Dinkel stark angebaut, ein „Modegetreide“, wie Bayer erläutert. Dinkel werde gerne genommen, der Bedarf sei steigend. Auch der klassische Winterweizen sei nach wie vor gefragt. In der Felderwirtschaft achte man allerdings auf eine „gesunde Fruchtfolge“. Gemeint ist damit ein regelmäßiger Fruchtwechsel, durch den die Fruchtbarkeit des Bodens nachhaltig erneuert und erhalten werden soll (im Gegensatz zu Monokulturen).

Erfreulich stehe im Moment der Mais da. Silo- und Biogasmais ist im September erntereif, Körnermais Mitte Oktober bis Anfang November. Der Mais kann sich gut an die veränderten Klimaverhältnisse anpassen. „Der erträgt das Wetter. Außerdem braucht er den geringsten Pflanzenschutz“, berichtet Bayer.

Schnelle und zum Teil drastische Wachstumsschübe waren in den vergangenen Wochen zu verzeichnen. Die Faustregel, wonach der Mais am 7.7. eine Länge von 77 Zentimetern aufweisen sollte, wurde in diesem Jahr weit übertroffen. „Da hatten wir teilweise schon 1,50 Meter Höhe“, erzählt Bayer.

Speziell im vergangenen Jahr, das auch im Spätsommer noch von anhaltenden Trockenperioden geprägt war, erwies sich der Maisanbau für Landwirte mit Viehhaltung als sehr praktikabel. Da das Grünland ausgedorrt war, hatte man im Herbst eine „ganz wichtige Futtergrundlage“, wie Bayer berichtet. Mais habe in diesem Zusammenhang auch den Vorteil, dass er leicht zu konservieren sei.

Wurzeln reichen sehr tief

Erfreulich ist es, dass in diesem Jahr dank der ergiebigen Regenfälle in den vergangenen Tagen jetzt noch auskömmlich Grünfutter eingeholt werden kann. Um sich zunehmend auf die Folgen des Klimawandels mit trockenen Sommern einzustellen, gilt es allerdings auch in diesem Bereich, die Augen offen zu halten. Bayer berichtet von einer Kleesorte namens Luzerne, die zunehmend angebaut wird. Der Vorteil dieser Nutzpflanze sei es, dass sie über ein tiefreichendes Wurzelsystem mit sogenannten Rhizomen von über 4,5 Metern Ausdehnung verfügt, was sie ungünstige Niederschlagsperioden gut überstehen lasse. Bis zu acht Metern in die Tiefe könne die Luzerne noch Wasser ziehen, berichtet Bayer. Das sei auch unter dem Aspekt sehr wichtig, dass die Landeswasserversorgung viel vom Grundwasser abziehe. Die Kollegen im benachbarten Bayern etwa hätten noch einen ganz anderen Wasserstand, sagt der Giengener Obmann.

Lohndreschen im Trend

Längst nicht mehr alle Landwirte holen die Getreideernte mit eigenem Mähdrescher ein. Meist erfolgt diese Dienstleistung über ein beauftragtes Unternehmen. „Der Trend geht in Richtung Lohndreschen“, sagt Bayer. Auch bei der Gülleausbringung setzen viele inzwischen auf diese Variante.

Das Giengener Getreide wird über eine Sammelstelle in der Stadt zur Frießinger-Mühle nach Bad Wimpfen im Kreis Heilbronn transportiert. Dort befindet sich eine der modernsten Mühlenanlagen Europas, in der täglich 1200 Tonnen Getreide vermahlen werden.

Nur noch sieben Landwirte im Giengener Stadtgebiet

Seit 15 Jahren ist Jörg Bayer Obmann der Giengener Landwirte. Nur noch sieben Bauern gibt’s im Stadtgebiet, von denen nicht alle als Vollerwerbs-Landwirte tätig sind.

Obwohl die Zahl seit einigen Jahren konstant ist, muss damit gerechnet werden, dass das vielerorts zu beobachtende Höfesterben weitergeht. Derzeit stehe überwiegend noch die „Generation 60 plus“ in Verantwortung, sagt Bayer.

Vielfach fehle es aber an Nachwuchs bzw. an der Bereitschaft der potenziellen Nachfolger, die immer schwieriger werdenden Berufsbedingungen auf sich zu nehmen. Der Klimawandel, sich häufig ändernde Vorschriften oder die EU-Preispolitik machen den Landwirten zusätzlich zu schaffen.

Auch Jörg Bayer hat seinen Betrieb im Giengener Grubenfeld inzwischen deutlich eingeschränkt. Vor zwei Jahren gab er seine Schweinehaltung auf. Es war ohnehin die letzte im Stadtgebiet, die noch bestand. tog