Giengen / Marc Hosinner Eigentlich wäre es an der Zeit, das fünfjährige Bestehen des Ladens an der Burgstraße zu feiern. Doch in Corona-Zeiten geht das natürlich nicht. Aber ab der kommenden Woche werden zumindest die Türen geöffnet, wenn auch unter anderen Bedingungen als vor der Schließung.

Relativ gemütlich ging es im Laden für Bedürftige am Postberg zu, als dieser am 6. Mai 2015 die Türen öffnete. Der Kreis derer, die zum Einkaufen kamen, war damals noch überschaubar. Bis zu 30 Menschen pro Woche, die nachweisen konnten, dass sie finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, kamen in den Laden, um Lebensmittel und andere Dinge für den täglichen Bedarf zu erstehen. Manche blieben auch noch zu einem Gespräch.

Zusam – so der Name des Ladens, der sich von Zucker, Salz und mehr ableitet. Die Idee dazu hat ihren Ursprung in der Vesperkirche der evangelischen Kirchengemeinde. „Es ging uns darum, die Menschen über die drei Wochen hinaus zu begleiten und nicht nur für drei Wochen“, so Pfarrer i. R. Friedrich Hartmann. Und dieses Konzept ging auch auf.

Der Zustrom an Flüchtlingen im Sommer 2015 änderte die Situation im Lädle schlagartig. Der Zustrom an Kunden war enorm. „Das war nicht nur logistisch eine große Herausforderung“, erinnert sich Hartmann. Vor dem Laden am Postberg bildeten sich Schlangen und jeder wollte der Erste sein, der die gespendeten Waren erstehen konnte.

„Es war schnell klar, dass wir uns vergrößern müssen. Bis wir einen neuen Laden gefunden haben, hat es aber dennoch ein Jahr gedauert. An der Burgstraße haben wir den idealen Platz gefunden“, so Hartmann.

Im fünften Jahr des Bestehens des Zusam-Lädles kommen bis zu 150 Menschen dorthin, um einzukaufen, aber auch, um sich bei Briefen und Dokumenten helfen zu lassen oder bei einem Kaffee ein Gespräch zu führen.

Weil jene, die im Laden einkaufen, oft Teil einer großen Familie seien, würden bis zu 600 Menschen versorgt – und bis März funktionierte alles reibungslos. Wegen der aufziehenden Corona-Krise stellten einige Mitarbeiter, die Risikogruppen angehören, ihre Mithilfe ein. Mitte des Monats war dann klar: Der Laden muss schließen.

Nur ein Kunde darf im Laden sein

„Jetzt können wir wieder öffnen. Am Dienstag, 5. Mai, soll es so weit sein“, so Hartmann. Innen wurde umgestellt, es wurden breite Tische aufgebaut, zudem darf nur jeweils ein Kunde im Laden sein. Die Mitarbeiter seien durch Glasscheibe, Handschuhe und Maske geschützt. Tüten mit Grundnahrungsmitteln seien vorgepackt, Gemüse und Obst werde von den Mitarbeitern zugeteilt. Außen werde ein Mitarbeiter danach schauen, dass die Wartenden den Abstand einhalten.

„Wir wollen den Menschen weiter beistehen. Sie brauchen uns“, so Hartmann.

Das Jubiläum sollte eigentlich mit einem Tag der offenen Tür begangen werden. Momentan ist das nicht möglich. „Das müssen wir verschieben“, sagt Hartmann, der Teil eines Teams von bis zu 30 Helfern ist.

Die Zusammensetzung habe sich durch die Corona-Krise für den Moment etwas verändert. „Wir konnten einige Jüngere zur Mitarbeit gewinnen. Andere müssen jetzt pausieren.“

Zurück zur Normalität: Nach und nach öffnet die Stadtverwaltung Einrichtungen. Das Bergbad muss aber wohl noch länger warten.

Öffnungszeiten haben sich geändert

Ab kommendem Dienstag, 5. Mai, hat das Lädle an der Burgstraße wieder geöffnet: dienstags von 10 bis 12 Uhr, mittwochs von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 15 bis 17 Uhr.

Zusam trägt sich durch Spenden. Einerseits wird mit Discountern zusammengearbeitet, andererseits spenden Bürger gekaufte Lebensmittel. Vor der Türe der Läden um Spenden zu bitten, wie das vor der Corona-Krise üblich war, fällt jetzt aber weg.