Giengen / Von Patrick Vetter Elias Holocher aus Heidenheim ist Pilot, Handwerker und studierter Musiker, war schon Busfahrer und Rettungssanitäter – und baut jetzt sprachgesteuerte Küchen.

Ursprünglich wollte Elias Holocher ja als Pilot arbeiten. Heute baut der Heidenheimer Küchen der besonderen Art. Wie kam es dazu? Aufgewachsen ist er im Allgäu und hat dort auf einer Waldorfschule seinen Realschulabschluss gemacht. Frisch aus der Schule machte er erstmal einen Lkw-Führerschein. Er arbeitete eine Zeit lang in einer Zimmerei und sammelte handwerkliche Erfahrungen, bevor er seinen Zivildienst anfing.

Dafür zog es ihn nach Köln. „Dort war ich dann Rettungssanitäter. In dieser Zeit wollte ich Feuerwehrmann werden, aber das war mir dann doch zu hart“, sagt der heute 30-Jährige.

Der übergeordnete Plan war immer, irgendwann zu fliegen. Nur der nächste Schritt im Leben war oft nicht klar. Ein Freund schlug ihm vor, Musik zu studieren: „Der meinte, ich solle es nutzen, dass ich Bratsche spielen konnte. Also habe ich eine Aufnahmeprüfung für die Hochschule abgelegt, und das hat funktioniert“, erklärt Holocher. Weiter ging es also mit dem Studium der klassischen Musik in Dinkelsbühl.

Zwei Dutzend Karrieren

In seinem Studium hat Holocher viel selbst komponiert und macht auch heute noch seine eigene Musik, am Computer mit verschiedenen Programmen. Im ersten Jahr in Dinkelsbühl machte er außerdem einen Busführerschein und arbeitete seitdem als Busfahrer, um sein Studium mitzufinanzieren.

„Ich habe Touristengruppen nach Lloret de Mar gefahren und wieder zurück. Das war perfekt. Ich habe sogar noch mehr bekommen, als die Leute dort in den Bars“, erinnert sich Holocher. In dieser Zeit lernte er in Dinkelsbühl auch seine jetzige Frau kennen. Noch bevor das Studium beendet war, kam ein Jobangebot von der Waldorfschule in Heidenheim.

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„Zuerst hatte ich darauf keine Lust. Ich habe es trotzdem probiert, und das war genau das Richtige“, erzählt der rastlose Arbeiter, wie es ihn vor sieben Jahren nach Heidenheim verschlug. Er unterrichtete zunächst nur an einem Tag in der Woche Musik in der Oberstufe, mit der Zeit wurden es aber immer mehr Lehraufträge. Er mietet sich also in einer kleinen Wohnung in Heidenheim ein.

Nebenher die Pilotenlizenz

Das war der Startschuss für den Küchenbau. In der Wohnung war eine kleine Küche eingebaut, die Holocher nicht gefiel, also verkleidete er sie neu. Freunde lobten ihn für seine Arbeit und er baute eine erste eigene Küche im Allgäu bei seinen Eltern. Einige Zeit bastelte er so an verschiedenen Projekten, aber weil ihm das neben seiner Lehrertätigkeit alleine zu wenig war, machte er seine Privatpilotenlizenz in Nürnberg. „Dass das irgendwann kommt, war mir schon immer klar. Irgendwann stocke ich meine Lizenz auch noch auf“, verkündet Holocher schon neue Pläne. Die Lizenz gibt ihm heute die Möglichkeit, bequem zu Geschäftskunden zu fliegen.

Als die Ideen mehr wurden, konzentrierte er sich ganz auf seine Küchen. „Nachts kam mir das erste Mal die Idee für eine drehbare Küche“, sagt er. In seiner Werkstatt im Elternhaus im Allgäu entwarf und tüftelte er weiter. „Vor zwei Jahren habe ich dann bei der Waldorfschule aufgehört und die Firma Holzkunst Holocher gegründet“, erzählt der junge Unternehmer von dem Grundstein für seine größte Arbeit, die bald zum Verkauf steht. Er entwarf eine Küche, die zugleich Arbeitsplatte und Esstisch ist. Die Platte ist höhenverstellbar und drehbar. Will man also essen, wird die Arbeitsplatte herausgeschwenkt und Bänke kommen aus dem Innern des Küchenblocks.

Eine Küche hört aufs Wort

Das Design ist bereits geschützt und die Konstruktion europaweit patentiert. Nur das Sahnehäubchen auf dem ganzen Projekt muss noch zur Marktreife gebracht werden: Im November letzten Jahres begann Holocher eine Sprachsteuerung für die Multifunktionsküche zu entwickeln. Jetzt lässt sich die Küche ohne einen Handgriff transformieren. Es gilt nur, dem Spracherkennungsmodul „Alexa“ von Amazon den Befehl zuzurufen: „Alexa, kochen!“, und die Bänke fahren ein und das Kochfeld schwenkt zurück. Alles auch in behindertengerechten Höhen, das war dem Entwickler selbst wichtig.

Bevor er sein Küchenstudio in der Haydnstraße in Heidenheim für seine neueste Hightech-Kochstation eröffnet, gibt es noch letzte Kleinigkeiten zu erledigen. Holocher hat alles selber konstruiert – damit die Küche aber auch allen Sicherheitsvorschriften für den Handel gerecht wird, hilft ihm ein Freund aus Passau, den er schnell erreichen kann. Schnell nach Passau? Mit dem Flieger, natürlich.