Giengen / Thomas Grüninger Auf Initiative der IG Metall schlossen sich jetzt zwölf Organisationen, Einrichtungen und Vereine zusammen, um sich gemeinsam für mehr Würde im Alter einzusetzen.

Seit Mittwochabend gibt es ein kreisweites „Bündnis gegen Altersarmut“. Auf Initiative der IG Metall Heidenheim schlossen sich in der Giengener Walter-Schmid-Halle insgesamt zwölf Organisationen, Einrichtungen und Vereine zusammen, die sich gemeinsam dafür stark machen wollen, Armut im Alter zu verhindern.

„Wir wollen die Themen Rente, Altersversorgung und Altersarmut wieder verstärkt in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion hier in der Region rücken und dadurch Einzelne über die Situation aufklären und diese verbessern“, nannte Maja Reusch, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Heidenheim eines der Ziele.

Daneben wolle man „lokal Druck machen, „um dadurch unser Möglichstes für einen Wechsel in der Sozial- und Rentenpolitik zu tun“. Als Stärke bezeichnete Reusch die Tatsache, dass jede der beteiligten Bündnisorganisationen andere Schwerpunkte setze.

Vertreter jedes Bündnispartners belegten in jeweils einem griffigen Satz, warum sie bei der Aktion mitmachen. Das Eintreten für soziale Gerechtigkeit gehöre zu ihrem Selbstverständnis, argumentierte die Arbeiterwohlfahrt. Aus Sicht des DGB-Kreisverbandes könne es nicht sein, „dass Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, in Armut geraten“.

Altersarmut täglich präsent

Die Diakonie Heidenheim teilte mit, dass „Altersarmut in unseren Beratungsstellen täglich präsent“ ist, und dies „oft unverschuldet“. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht die grundgesetzlich geregelte Würde des Menschen in Gefahr, die unantastbar sein sollte. „Teilhabe, Freiheit und Würde der Beschäftigten“ fordert auch die IG Metall ein, weshalb sie sich für „gute Arbeit und gute Rente“ einsetze.

Rente müsse vor Armut schützen und solidarisch sein, bekräftigte die Katholische Arbeiternehmerbewegung. Die Caritas wiederum ist mit an Bord, weil sie sich „besonders für benachteiligte Menschen stark machen“ möchte. Eine „intelligente und zukunftsorientierte Neuausrichtung“ fordert der Kreisseniorenrat angesichts zu geringer Einkünfte im Niedriglohnsektor sowie teilweise fehlender durchgängiger Beschäftigungen, vor allem bei Frauen. „Weil Altersarmut überwiegend weiblich ist“, sitzt auch die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Susanne Dandl, mit im Boot.

Entwicklung mit vielen Folgen

Altersarmut erzeuge soziale Unzufriedenheit und gefährde den Frieden, mahnten die Naturfreunde Heidenheim. Rente müsse zum Leben reichen, brachte der VdK Heidenheim sein Anliegen auf den Punkt. Es könne nicht sein, dass Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, in Armut geraten, betonte schließlich auch die Gewerkschaft Verdi Heidenheim.

Die Problematik der Altersarmut werde in Zukunft in Tiefe und Breite noch zunehmen, prophezeite Maja Reusch. „Altersarmut ist Alltag geworden“, so ihre Beobachtung. Auswirkungen davon seien in vielen Bereichen zu sehen. Sie schade unter anderem der Volkswirtschaft durch ausfallenden Konsum, verursache auch Folgekosten beispielsweise bei den Krankenkassen, weil ärmere Menschen auch häufiger krank seien. Armut verhindere zudem häufig, am sozialen Leben teilzunehmen.

Deshalb habe man sich bei der Projektgruppe „55 plus“ gefragt, was man tun könne. Alleine sei es schwierig, die Problematik anzugehen. Deshalb habe man sich auf die Suche nach Partnern gemacht.

Instabile Arbeitsverhältnisse – geringe Verdienste – niedrige Renten

Über zunehmende Probleme bei der Alterssicherung referierte in Giengen Jendrik Scholz vom DGB Stuttgart. Er berichtete über einen starken Anstieg sogenannter instabiler Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeittätigkeiten oder Leiharbeit. Dadurch seien die Verdienste gering, was in der Folge auch zu niedrigeren Rentenansprüchen führe.

Seit 2000 sei der Anteil der Betriebe mit Branchentarifverträgen von 60 auf 45 bis 50 Prozent gesunken. „Aber nur mit Tarifverträgen lassen sich vernünftige Verdienste und damit Renten erzielen, die den Lebensstandard sichern“, so Scholz.

Fast 20 Prozent aller Vollbeschäftigten würden heute in Deutschland dem Niedriglohnsektor angehören. Bei Frauen sei fast jede dritte Person davon betroffen. In Baden-Württemberg sei die Zahl derer, die eine Grundsicherung benötigen, von 27 000 im Jahre 2003 auf 510 00 gestiegen.

Das sinkende Rentenniveau gehe einher mit einer steigenden Mietbelastung. Einer monatlichen Durchschnittsmiete von 945 Euro stehe im Schnitt eine Rente von 1207 Euro gegenüber. Zur Stabilisierung der Rentenversicherung, so Scholz, sei es dringend notwendig, auch Selbstständige und Beamte in die Sozialversicherung einzubeziehen. tog