Giengen / Dr. Veit Gruner In der Walter-Schmid-Halle organisierte Gitarrist Klaus-Dieter Klein das Konzert „Spuren“.

Der Giengener Gitarrist und Komponist Klaus-Dieter Klein steht in der Tradition, Texte weltanschaulichen Inhalts zum Ausgangspunkt des Komponierens zu machen. So auch im Konzert »Spuren« vom vergangenen Samstag im Blauen Saal der Walter-Schmid-Halle Giengen. „Unsere Spuren hier auf der Erde, die wir Menschen durch unser Dasein zwangsläufig hinterlassen“, wie Klein es formulierte, wurden mit den Mitteln von Poesie und Musik erlebbar gemacht wurden.

Das Spektrum der Texte reichte von Buddha und Lao Tse über Wilhelm Busch, Frances Densmore, Christian Morgenstern, Friedrich Nietzsche und Joachim Ringelnatz bis hin zu eigenen Texten des Komponisten Klein – darunter eine hochdramatische Fortspinnung des Doktor Faustus in „Der Vertrag“, die sich in einer strengen Viervierteltakt-Ordnung manifestierte, „Der Krieg“, in dem der Klang der Posaune die apokalyptischen Reiter erahnen ließ und „Neue Herrscher“, womit alles Lebendige erstickende Roboter gemeint sind.

Beruhigend für die Hörer waren die folgenden versöhnlichen Nachklänge in „Den Hass hinweg lächeln“, „Berührung“ und in dem irischen Segensspruch „Geh Deinen Weg“. Außerdem wurden die Roboterklänge von Musikern ausgeführt, die in den anderen Stücken die Hörer mit ungemein beseeltem, hochexpressivem Spiel in den Bann ziehen konnten: Berthold Guggenberger (Violine), Jonathan Thomas (Bratsche), Ina Krauss-Pfleghaar (Cello) und Kristin Geissler (Klavier, Gesang). Der Komponist selbst trat als Posaunist, Gitarrist und Sänger in Erscheinung. Waltraud Fink-Klein übernahm einfühlsam das Gros der gesprochenen Partien und die Perkussionsinstrumente.

Mit Wilhelm Buschs „Von einer alten Tante“, Christian Morgensterns „Der Schaukelstuhl“ und „Spielstück eins und Impro“ kam auch der Humor nicht zu kurz. Bei dem Posaunenstück handelte es sich zudem um ein Experiment mit neuartigen Spieltechniken und Echos, auf die der Komponist sonst verzichtete.

Im Mittelpunkt Kleins Kompositionsstils stehen Kontrastbildung, motivische Arbeit und die Entfaltung von Dialogen zwischen den Instrumentalstimmen. Aber auch Gestaltungsmittel wie Klangflächen, die gesprochenen Texten feinfühlig unterlegt werden, gehören zu Kleins Repertoire. Weit gespannt war der Ausdrucksbogen der insgesamt 27 Stücke; er erstreckte sich von bedrohlich-satanisch in „Die Mauer“ bis hin zu engelshaft-zärtlich in „Fallende Blätter“.

Als Zugabe bekamen die Hörer »Melancolie« mit auf den Weg, ein elegisches Charakterstück, das beim Rezensenten Assoziationen an portugiesischen Fado weckte.