Giengen / Marc Hosinner Jungen und Mädchen der Jakob-Herbrandt-Schule sammelten für den Umweltschutz Laub auf.

Mit Handschuhen an den Fingern und Gartenrechen bewaffnet leisteten Jungen und Mädchen der Jakob-Herbrandt-Schule aktiven Umweltschutz auf dem Rasen an der Grabenschule. „Ich habe einen schönen großen Haufen zusammenbekommen“, sagt ein Junge, nicht ohne Stolz.

Eine Klassenkameradin greift gleichzeitig beherzt ins nasse, dunkelbraun gefärbte Laub und verfrachtet es in Plastikkörbe. Die wiederum werden von Mitarbeitern der Stadtgärtnerei in einen Hänger geleert. Mit im Einsatz sind auch Oberbürgermeister Dieter Henle, Michael Fedchenheuer vom Tiefbauamt und die kommissarische Schulleiterin Nicole Arndt sowie Lehrer. Ihnen allen gemeinsam: Sie haben trotz Nieselregens sichtlich Spaß an der Arbeit an der frischen Luft. Vielleicht auch deshalb, weil sie wissen, dass sie einen wertvollen Beitrag für die Gesundheit der Kastanien an der Planie leisten. Schüler als Schädlingsbekämpfer sozusagen.

Motte aus Südeuropa

Der Schädling trägt den Namen Miniermotte. Die „Cameraria ohridella“ breitete sich seit Beginn der 1980er-Jahre aus Südeuropa kommend in Süddeutschland aus. Die Motten legen ihre Eier auf den Blättern der Kastanie ab. Die sich daraus entwickelnden Larven dringen ins Blattinnere ein. Im Bereich der Fraßgänge, Minen genannt, bilden sich die braunen Flecken.

Zunächst können das die Bäume ertragen. Durch den Befall werden sie jedoch geschwächt. Folge: Durch den Befall verlieren die Kastanien seit Jahren ihre Blätter schon im Spätsommer. Wird das Laub nicht aufgesammelt, kommt es im kommenden Jahr zum erneuten Befall (siehe separater Text).

Die Motte ist mit bloßem Auge schwer eigentlich nicht zu erkennen. Wer befallene Blätter genauer betrachtet, sehe allenfalls leichte Erhebungen, erklärt Fedchenheuer.

Die Aktion gestern Vormittag mit den Jungen und Mädchen der Förderschule wurde von der Schutzgemeinschaft deutscher wald ins Leben gerufen, die die Stadt Giengen mit ins Boot geholt hat. Kreisvorsitzender der Gemeinschaft ist derzeit Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle.

Pädagogischer Aspekt

„Das Ziel ist natürlich, die Kastanien durch das Sammeln von Laub vor dem Schädling zu schützen. Andererseits geht es auch um den pädagogischen Aspekt. Wir wollen Kinder früh an das Thema Naturschutz heranführen. Weitere Aktionen sollen im kommenden Jahr folgen“, so Henle.

Nicht nur im Unterricht, sondern auch vor Ort in der Praxis wurde den Schülern viel erklärt. „Das Blatt hier hat eine ganz andere Farbe, es ist viel dunkler“, so die Aussage eines Schülers, dem Fedchenheuer ein Foto eines gesunden Blatts in saftigem grün zeigte und danach ein von der Motte befallenes.

Fahrt ins Kompostwerk

Nach einigen Stunden des Sammelns war ein ganzer Hänger gefüllt. Die Kinder hatten ihr Tagewerk verrichtet und sich ein Vesper in der Schranne verdient.

Das gesammelte Laub – auf städtischen Flächen sind etwa 70 Kastanien vom Befall der Miniermotte betroffen – wird nicht nicht bei der Stadt gelagert, sondern ins Kompostwerk nach Mergelstetten transportiert.

Motte überlebt den Winter im Laub

– schnelles einsammeln hilft

Wer in seinem Garten oder auf seinem privaten Grundstück eine Kastanie stehen hat, deren Blätter von der Miniermotte befallen sind, sollte das herabfallende Laub im Herbst schnell und regelmäßig einsammeln.

Wenn das Laub der Kastanie nicht eingesammelt wird, kann der Schädling nach dem Winter erneut schlüpfen und sich wieder den Baum „vornehmen“.

Michael Fedchenheuer vom städtischen Tiefbauamt empfiehlt, das Laub über die Biotonne zu entsorgen. „Wenn es auf den hauseigenen Kompost kommt, sollte eine 30 Zentimeter dicke Schicht Erde darauf, damit das Kompostieren beschleunigt wird“, so Fedchenheuer.

Beim Einsammeln sei es ratsam, einen Rasenmäher einzusetzen. „Allein durch das Zerkleinern werden 80 Prozent der Schädlinge zerstört“, so Fedchenheuer. Die Stadt setzt beispielsweise am der Planie Maschinen ein.