Giengen / Klaus-Dieter Kirschner Eine der größten Übungen der vergangenen zehn Jahre wurde am Samstag bei klirrender Kälte am ehemaligen Schwestern-Wohnheim an der Jahnstraße abgehalten. 200 Rettungskräfte mussten 40 Menschen aus einem künstlich verrauchten Gebäude in Sicherheit bringen.
Die Kräfte der Gesamtfeuerwehr Giengen, verstärkt um die Feuerwehr Herbrechtingen, alle verfügbaren Rotkreuz-Angehörige aus Giengen und Umgebung, ein Team der Notfallseelsorger sowie mehrere Notärzte aus dem Bundeswehrkrankenhaus Ulm unter der Leitung von Notarzt Dr. Marc Frammelsberger wurden zusammengezogen. Stadtbrandmeister Hans-Frieder Eberhardt leitete den schwierigen Einsatz, dem ein angenommener Kellerbrand mit Verpuffungen zugrunde lag.



Kurzerhand wurde das leerstehende Schwestern-Wohnheim in „Seniorenresidenz Riedblick“ umgetauft. In dem viergeschossigen Gebäude hielten sich mehr Personen auf, als Mieter auf der Liste standen. Auf Schnee und Eis taten sich die Retter aber schwer. Eberhardt sprach später bei der Manöverkritik vom bei solchen Ernstfällen üblichen „Anfangschaos“.

Widrige Witterungsumstände

Vor großer Zuschauerkulisse wurden unter widrigen Umständen Bettlägrige und Rollstuhlfahrer gerettet wurden. In einer nahen Turnhalle wurden die Verletzten nach der ersten Sichtung weiter versorgt. Das Rote Kreuz richtete eine Auskunftsstelle für besorgte Angehörige ein. Um diese und die Einsatzkräfte kümmerten sich Notfallseelsorger.

Auf dem Papier wurden zusätzlich die Wehren aus Nattheim, Hermaringen und Sontheim alarmiert, da Atemschutzgeräteträger nur eine begrenzte Zeit eingesetzt werden können. Auch ein Rettungshubschrauber war eingeplant.

"Massenanfall von Verletzten wird zu wenig geübt"

Vizekommandant „Matze“ Kröner hatte die nah am Ernstfall ausgewiesene Übung ausgearbeitet. Der stellvertretende Kreisbrandmeister Uli Steeger erklärte, dass der Massenanfall von Verletzten zu wenig geübt werde, um im Ernstfall besser helfen zu können. Es seien nur kleine Fehler gemacht worden.

Diesen Befund bestätigte auch Notarzt Marc Frammelsberger: „Das Improvisieren hat prima geklappt.“ DRK-Kreisbereitschaftsleiter Frieder Fucker gab seitens der Sanitätskräfte den Rat, die Opfer schneller in Decken zu wickeln, denn oft seien nicht sofort DRKler mit Tragen zum Abtransport zur Stelle. Nach 65 Minuten wurden auch die letzten Vermissten gefunden.

Giengens Ordnungsamtsleiter Uwe Wannenwetsch zeigte sich von der Großübung beeindruckt.“ Stadtbrandmeister Eberhardt unterstrich, dass man sehr schnell an seine Grenzen gestoßen sei und erkannt habe, dass bei einem solchen Schadensereignis weitaus mehr Hände zum Helfen gebraucht würden.