Über 220 Jahre alt ist eine Ausgabe der Heiligen Schrift, die nach abenteuerlicher, interkontinentaler „Fernreise“ in bestem Zustand nun ihren Weg zurück in die alte Heimat fand.

Ihren Ursprung nimmt die Geschichte im Jahr 1803. Damals war die 1801 in Ulm gedruckte Bibel ein „Neues Jahrsgeschenk“ für Johannes Renner aus Hohenmemmingen. Der 1780 geborene Sohn des gleichnamigen Herrenhofbauern musste zehn Jahre später als württembergischer Soldat am Feldzug Napoleons 1812/13 teilnehmen und blieb in Russland verschollen.

Die Bibel ging dann wahrscheinlich an seinen jüngeren Bruder Johann Martin, Hofbauer in Hohenmemmingen. Dessen Enkel Karl Renner, Sohn des damaligen Schultheißen, wanderte 1883 nach Nordamerika aus, wo er in der Stadt Milwaukee am Michigansee eine neue Heimat fand. Dort heiratete er die ebenfalls ausgewanderte Elisabeth Dorothea Zimmermann aus Steinheim am Albuch.

Rätselhafter Weg

Welchen Weg die Familienbibel dabei nahm, lässt sich nur teilweise rekonstruieren. Zumindest erhielt sie einen neuen Einband, als man ein Gesangbuch von 1847 mit ihr vereinigte – eine große Rarität. Dieser „Doppelband“ kam am Ende des Zweiten Weltkrieges in den Besitz von Marlene Warschilka, die für einige Zeit in Hohenmemmingen gewohnt hatte und heute in Carlsbad in Kalifornien lebt.

Im Februar dieses Jahres nahm Frau Warschilka Kontakt mit Oberbürgermeister Dieter Henle auf und bat ihn, die Familienbibel an Nachfahren von Johannes Renner in Hohenmemmingen weiterzugeben.

Odyssee zu Ende

Ulrich Stark, Stadthistoriker und Genealoge, machte daraufhin die Schwestern Margret Pohling, geborene Dolmetsch, und Emma Dolmetsch ausfindig. Am Dienstag, 26. April erfolgte die Übergabe des Familienschatzes im Rathaus in Giengen. Eine lange Odyssee fand damit ihr glückliches Ende. „Wir freuen uns sehr, dass wir hier helfen konnten“, kommentierte OB Dieter Henle. „Was hat diese Bibel nicht alles erlebt... Nun kann ihre Geschichte weitergehen: als besonderes Mitglied der Familie, das ganz sicher in Ehren gehalten wird – und womöglich noch für neue Kontakte aus Hohenmemmingen nach Kalifornien sorgen wird.“

Das handgeschriebene Innenblatt, hat folgenden Text:

Anno: 1803

ist dieses schöne Biebelbuch

zum Neuen Jahrgeschenck

gekauft worden für

Johannes Renner

ledigen Stands

in Hohenmemmingen.

Habe deine Lust an dem Herrn der

wird dir geben, was dein Hertz w.

Zum kindlichen Danck sage ich mit

David, Mein Gott! Ich freue mich

Über deinem Wort, wie einer der

eine grosse Beute krieget. Psal. 119.V-162.