Giengen / Dieter Reichl Die Giengener Naturfreunde haben eine eigene Meinung zum geplanten Industriepark an der A7, die sich von anderen Naturschutzverbänden unterscheidet.

Mit einer eigenen Stellungnahme zum geplanten Industriepark an der A 7 treten jetzt die Giengener Naturfreunde an die Öffentlichkeit. Diese unterscheidet sich in einzelnen Punkten deutlich von der offiziellen Stellungnahme, die von den Naturschutzverbänden (Nabu-Kreisverband Heidenheim, Nabu Giengen, den Mitgliedsverbänden des Landesnaturschutzverbands-Arbeitskreises Heidenheim) im Zuge der Anhörung der Öffentlichkeit beim Regionalverband Ostwürttemberg eingereicht wurde.

Darin wurde die Notwendigkeit eines neuen Gewerbegebiets an der geplanten Stelle und in der geplanten Größe von 40 Hektar bezweifelt. Argumentiert wurde unter anderem mit wachsendem Lkw-Verkehr, unrealistischen Ansiedlungserwartungen, Nachteilen für Boden und Wasser oder dem Verlust ökologisch wertvoller Flächen.

Dies wollte man seitens der Giengener Naturfreunde in dieser Form nicht mittragen, sagte ein Vorstandsmitglied der Giengener Naturfreunde. Man habe vor allem in Hinblick auf die angeführten Naturschutzargumente eine andere Sicht und wolle sich als Naturschutzverband in etwas differenzierterer Weise äußern. Diese Stellungnahme wurde allerdings nicht beim Regionalverband eingereicht.

Wenig nachvollziehbar

Die Naturfreunde halten das Argument hochwertiger Biotope angesichts der dort vorhandenen Ackerflächen als wenig nachvollziehbar. Hecken gebe es vor allem entlang der Autobahn, und diese würden aus verkehrstechnischer Sicht von der Autobahnmeisterei und nicht unter Gesichtspunkten des Artenschutzes gemanagt. Das in jeder Stellungnahme geäußerte Argument der besten Böden, der Fledermäuse und Vögel ist für die Naturfreunde nicht stichhaltig: „Wir sind uns fast sicher, dass eine sicherlich sinnvolle Umweltprüfung dort keine besonders schützenswerten Arten finden wird“, heißt es.

Geeignetster Standort

Der Verweis auf eine Bahnanbindung bei Industriegebieten sei nicht verkehrt, allerdings sei eine Infrastruktur der Bahn an dieser Stelle schlicht nicht vorhanden. Man gehe davon aus, dass sich der Lkw-Verkehr angesichts der aktuell diskutierten Umweltvorgaben anpassen müsse und in den kommenden Jahren umweltfreundlicher werde. Somit sei der Standort an der Nord-Süd-Verbindung A 7 der geeignetste.

Es sei nicht verwerflich, dass die Stadt Giengen mehr Gewerbesteuereinnahmen anstrebe und dies nicht allein benachbarten Städten überlassen wolle. Die Naturfreunde nennen beispielhaft die Erweiterungen im Brenztal bei Herbrechtingen oder die Planungen am Rinderberg bei Nattheim.

Ried deutlich wertvoller

Das wichtigste Argument für die Naturfreunde ist, dass mit der aktuellen Planung die Giengener Bevölkerung durch eine Industrieansiedlung an der A 7, außerhalb des Stadtgebiets und des ökologisch sehr viel höher zu bewertenden Rieds deutlich entlastet werden kann. „Deren Umwelt wird so nicht verschlechtert und vielleicht sogar langfristig etwas attraktiver“, wird argumentiert. Dazu allerdings müssten weitere Maßnahmen folgen.

Die Naturschutzverbände im Kreis Heidenheim haben ihre Stellungnahme zum geplanten „Giengener Industriepark A 7“ abgegeben. Die für das Projekt notwendige Änderung des Regionalplans wird abgelehnt.