Giengen / Dieter Reichl Der Regionalverband Ostwürttemberg diskutierte die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange zum geplanten Giengener Industriepark A7. Eine Planänderung laut Antragsstellung erscheint wahrscheinlich.

Seit fast genau einem Jahr ist das Verfahren zur Entwicklung des Giengener Industrieparks an der A 7 im Gange. Wie mehrfach berichtet, will die Stadt Giengen an der Autobahn jetzt landwirtschaftlich genutzte Felder in ein 40 Hektar großes Gewerbegebiet umwandeln. Unabdingbar für die Realisierung ist eine Änderung des Regionalplans, die der Regionalverband Ostwürttemberg beschließen oder ablehnen kann. Die jüngste Sitzung des Verbands im Landratsamt in Aalen, bei der die Stellungnahme der Träger öffentlicher Belange diskutiert wurden, lässt den Schluss zu, dass die Planänderung in beantragter Größe im Herbst beschlossen wird. Jetzt war eine Beschlussfassung zur Satzungsänderung noch nicht möglich, da noch zwei weitere Stellungnahmen fehlen.

Planänderung denkbar

Eingangs stellte Verbandsvorsitzender Gerhard Kieninger fest, dass eine ganze Reihe von Stellungnahmen eingegangen seien. Vorgebrachte Bedenken und Einwendungen seien aus Sicht des Regionalverbands überwindbar und damit eine Planänderung denkbar. Die zentralen Punkte der Stellungnahmen, die seitens von Fachbehörden bis hin zu privaten Äußerungen abgegeben wurden, fasste Verbandsdirektor Thomas Eble zusammen. Vorgebrachte Bedenken waren vor allem der erhebliche Flächenverbrauch von bestem Ackerland, die Größe des Vorhabens, die Verkehrsbelastung, der unsichere Bedarf, der wahrscheinliche Überhang an Logistikfirmen, die Benachteiligung der Landwirtschaft.

Standort Autobahn sinnvoll

Eble sagte hierzu, dass die erhebliche Inanspruchnahme an Flächen „nicht nur für diesen Standort“ gelte, und dass der Standort an der Autobahn die sinnvollste Lösung sei. „Die Standortgunst der Autobahn kann nur nahe der Anschlussstellen genutzt werden.“ Dies sei am vorgesehenen Standort der Fall, der zudem an einer Landesentwicklungsachse liege. Angesiedelt werden sollen Betriebe, für die die Lage an der A 7 und der B 492 eine entscheidende Rolle spiele. Entlang von Schienenstrecken gebe es in der Region kaum Entwicklungpotenziale. Die Frage Logistik ja/nein sei schon verschiedentlich diskutiert worden. Logistik sei nicht grundsätzlich verwerflich, müsse aber genau betrachtet werden. Genau betrachtet werden müssten auch die Belange der Landwirtschaft, verbunden mit der grundsätzlichen Frage, wo diese künftig ihren Platz finde könne; laut Eble „ein Spannungsfeld“, das nicht richtig aufzulösen sei.

Nach Ebles Zusammenfassung äußerten sich die Sprecher der Fraktionen unterschiedlich. Margit Stumpp (Grüne) störte sich wegen des Konflikts Landwirtschaft/Bodenschutz in erster Linie an der geplanten Größe von 40 Hektar. „Es entsteht ein zu großer Schwerpunkt.“ Den 23 Hektar des kurzfristigen Bedarfs könne man zustimmen, wenngleich mit Bedenken. Der weitere Bedarf sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu klären. Dr. Günter Bühler (CDU) sagte, man habe sich ebenfalls „mit der Größe geplagt“, allerdings sei der Bedarf verifizierbar, auch die 17 Hektar des mittelfristigen Bedarfs. Die Lage an der Autobahn sei sehr attraktiv. Die CDU unterstütze das Vorhaben und werde zustimmen.

Frage nach dem Bedarf

Rainer Domberg (SPD) nannte als zentrales Problem die Frage nach dem tatsächlichen Bedarf. „Ist er Fiktion oder erkennbar?“ Man wolle der Entwicklung Giengens nicht im Wege stehen, aber man wolle keine Schutzgüter wie die guten landwirtschaftlichen Flächen aufgeben, ohne den tatsächlichen Bedarf zu kennen. Verbandsvorsitzender Kieninger sagte, der Verband habe den in der Antragstellung dargelegten Bedarf geprüft und als realistisch eingeschätzt.

Herbert Witzany (Freie Wähler) sagte, der Bedarf sei deutlich erkennbar und glaubwürdig. Von der beantragten Fläche sei ein riesiger Teil sofort weg und auch mittelfristig in absehbarer Zeit bebaut. Ja, die Landwirtschaft bedürfe in jeder Gemeinde einer Abwägung, dieser Sache müsse man sich stellen. „Wir geben unser Okay für 40 Hektar.“

Verbandsvorsitzender Kieninger griff abschließend nochmal das Thema Verkehr auf und sagte, dass das benachbarte Bayern ein starker Förderer der B 492 sei und auf einen Ausbau zwischen Brenz und Hermaringen dränge. Bayern wolle die A 7 für seine gewerbliche Entwicklung nutzen, und das könne Ostwürttemberg auch für seine Entwicklung tun.

Die Giengener Naturfreunde haben eine eigene Meinung zum geplanten Industriepark an der A7, die sich von anderen Naturschutzverbänden unterscheidet.

Die Naturschutzverbände im Kreis Heidenheim haben ihre Stellungnahme zum geplanten „Giengener Industriepark A 7“ abgegeben. Die für das Projekt notwendige Änderung des Regionalplans wird abgelehnt.

Kritisch äußert sich jetzt auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zum geplanten Giengener Industriepark A7.