Hürben / Dieter Reichl Großen Raum beim Bürgerabend „Henle hautnah“ in Hürben nahm der geplante Giengener Industriepark ein. Es ging aber auch um Bauplätze, Straßensanierung oder den Lärm-Aktionsplan.

Es musste nachgestuhlt werden in der Hürbetal-Halle: rund 140 Hürbener wollten am Montag die Möglichkeit zum Austausch mit dem Rathauschef in dessen Reihe „Henle hautnah“ nutzen. Wie bei den vorangegangenen Bürgerabenden reichte die Bandbreite der Themen von speziell privaten Befindlichkeiten bis zu umfassenderen Angelegenheiten. Großen Raum nahm erwartungsgemäß die Diskussion um den geplanten Giengener Industriepark an der A 7 ein, der nahe an Hürben heranrückt.

OB Henle wiederholte seine Intentionen: Giengen sei strukturell schwach auf der Brust, die Gewerbesteuereinnahmen seien vergleichsweise mager. „Hier müssen wir nachlegen“, sagte er, vor allem angesichts teurer Zukunftsaufgaben. Allein im Bildungsbereich bestehe ein 50 Millionen Euro teurer Investitionsstau. Aktuell gebe es großes Interesse am Gewerbegebiet, die Lage an der A 7 und der B 492 sei für das Vorhaben prädestiniert. „Wir wollen es gut machen“, sagte Henle. Die außerkamerale Zwischenfinanzierung im Umfang von bis zu 37,5  Millionen Euro sei mit dem Regierungspräsidium abgesprochen. Nach der jetzt beschlossenen Änderung des Regionalplans sollen bis Ende 2020 der Flächennutzungsplan und der Bebauungsplan stehen.

Ökologie großes Thema

Bis Jahresende 2019 stehe die Sicherung der Grundstücke und die Aufhebung des Umlegungsverfahrens an. Im kommenden Jahr gehe es im Gemeinderat darum, was konkret angesiedelt werden soll. In den Fortgang des Verfahrens soll auch die Landwirtschaft eng eingebunden sein. Laut Henle soll im Gebiet die Ökologie eine große Rolle spielen, etwa mit verpflichtender Dachbegrünung im Bebauungsplan oder der Anlage von platzsparenden Parkpaletten. Ein Großteil der Ausgleichsmaßnahmen soll im Gebiet selbst erfolgen, ebenso die Entwässerung. Die Höhe der Bauwerke wolle man beschränken, es werde „keine Skyline“ entstehen. Man wolle das Gebiet „je nach Bedarf“ entwickeln, die Belegung der Fläche werde aber „definitiv keine 20 Jahre“ dauern. Und mit den jetzt genehmigten 40 Hektar sei erst mal Schluss, darüber hinaus denke man nicht. Henle glaubt, das Giengener Vorhaben und seine Umsetzung könne sogar als Vorbild für andere Kommunen dienen.

Tempo 30 schwierig

Es gab aber auch weitere Themen: Henle berichtete über die Straßensanierungsarbeiten in der Seestraße, die für 2020 auf dem Programm steht. Aspenweg, Holderweg und Eselsburger Straße stehen gemäß dem Sanierungsprogramm ab 2023 auf der Tagesordnung. Zu Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt sagte Henle, dies sei bei einer Kreisstraße nicht einfach zu erreichen. Die Verkehrszahlen würden hierfür in jedem Fall nicht genügen. Denkbar sei es über das Thema Lärmlast. Nach einer nochmals notwendig gewordenen Lärmkartierung werde man den städtischen Maßnahmenkatalog kommendes Frühjahr beim Land einreichen.

Großes Bauinteresse

Henle freute sich, dass in Hürben großes privates Bauinteresse besteht. Für die elf neuen Plätze an der Bühlfeldstraße habe es 15 Interessenten gegeben, über die Vergabe habe man jetzt entschieden. Darüber hinaus soll sich der neue Flächenmanager mit der Innenentwicklung im Dorf befassen.

„Die Stadt steht zu ihren Teilortschulen“, betonte Henle mit Blick auf die Grundschule. Die Zahlen seien stabil. Im zweigruppigen Kindergarten seien derzeit alle Plätze belegt. In näherer Zukunft steht dort die Sanierung des Daches an, auch soll die Schule frisch verputzt und gestrichen werden.

Höhlenkiosk auf Eis

Weitere Themen im rund zweistündigen Austausch waren die vorgesehenen Verbesserungen im Breitbandangebot, die abgeschlossene Umstellung auf LED, die gleichfalls abgeschlossene Friedhofssanierung mit der künftigen Möglichkeit der Anlage von Rasenerdgräbern. Die Bürger konnten auch kleinere Befindlichkeiten und Ärgernisse loswerden wie Hundehaufen oder Pferdeäpfel auf öffentlichen Wegen. Und auch die Enttäuschung aus Kreisen des Höhlenvereins war zu vernehmen, dass es mit der Erneuerung des Kiosks am Höhleneingang zeitnah und in der gewünschten Größe erst mal nichts wird. Nach jetzigem Stand sei dies nicht zu vertreten, sagte Henle. Kurzfristig werde das Notwendige getan, darüber hinaus wolle man die Zeit nutzen, um die Planung zu überarbeiten.