Giengen / Marc Hosinner Die Burgbergerin Melanie Reinle hat als Standesbeamtin schon einige Trauungen vollzogen. Jetzt macht sich die 35-Jährige nebenberuflich selbstständig: als freie Traurednerin.

Melanie Reinle will sich nicht länger treu ans Gesetz halten. Kriminell wird sie deswegen aber keineswegs. Klingt verwirrend? Ist es aber gar nicht.

„Ich habe schon immer gemerkt, dass mir der Kontakt zu Menschen sehr wichtig ist“, sagt Reinle, die 2001 eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten begann und abschloss. Seit 17 Jahren ist das Rathaus in Hermaringen ihr Arbeitsplatz, wo sie seit 2008 auch als Standesbeamtin wirkt. „Nicht im klassischen Sinn. Aber ich darf Trauungen und alles was dazu gehört vornehmen“, so Reinle.

Bei standesamtlichen Trauungen müsse man jedoch einen gesetzlichen Rahmen einhalten. „Mir ist das zu schlicht. Ich habe auch schon bei Trauungen im Rathaus zum Teil meine eigenen, zum Brautpaar passende Reden verfasst. Nicht während der Arbeit, sondern in der Freizeit“, sagt die Burgbergerin, die nach Abschluss der Elternzeit demnächst wieder im Rathaus in Hermaringen beginnt. Allerdings nicht mehr als Standesbeamtin.

Trauzeremonien will sie dennoch ausüben – im Nebenberuf. „Meine Kollegen haben mir immer dazu geraten, etwas Kreatives zu machen. Zunächst hatte ich mir überlegt, Weddingplanerin zu werden. Doch der Zug ist längst abgefahren. Das machen schon zu viele“, so Reinle, die nun in den Startlöchern steht, um als freie Hochzeitsrednerin zu wirken. „Das kommt beispielsweise für Paare in Frage, die nicht kirchlich heiraten wollen, aber trotzdem mehr wollen, als eine eher nüchterne standesamtliche Trauung“, sagt die 35-Jährige, die zuletzt ein Einzelcoaching absolviert hat, das speziell auf freie Trauredner abzielte. „Jetzt kann ich mich frei entfalten und alle Wünsche mit in die Trauung einfließen lassen, ohne das Gesetz im Nacken sitzen zu haben“, sagt Reinle. Anbieten will sie zudem Willkommensfeste für Babys sowie das Auffrischen von Eheversprechen.

Oberste Devise sei: „Die Chemie zwischen mir und den Menschen, die eine Zeremonie wollen, muss stimmen. Wir werden schließlich einige Zeit zusammenarbeiten. Die Paare müssen auch einiges von sich preisgeben“, so die Traurednerin. „Wenn alles passt, stehe ich für fast alles zur Verfügung. Nur bei Bungee-Jumping oder Ähnlichem müsste ich passen“, sagt Reinle, die sich lange überlegt hat, unter welchem Namen sie ihre Passion, anderen schöne Momente zu schenken, anbieten will.

„Mein Mann und ich hatten am Ende eine Liste mit etwa 100 Namen. Dann mussten wir schauen, welche Namen überhaupt noch möglich sind. Am Ende war es meine bessere Hälfte, dessen Idee den letztlichen Ausschlag gab“, so die Mutter eines Sohnes. Reinle firmiert unter dem Namen „Mrs. Glück“, zu deutsch also Frau Glück, wobei sich das MRS aus Melanie Reinle Service zusammensetzt. Der Service ins Glück sozusagen. Den will Reinle jetzt anbieten. Erste Anfragen liegen schon vor.

Kein Ersatz für das Standesamt

Eine freie Trauung kann beispielsweise eine Alternative zur kirchlichen Trauung sein. Sie ist dabei nicht an zeremonielle Riten und Vorgaben gebunden. Das heißt: Paare können den Ablauf ganz mit den eigenen Wünsche und Vorstellungen abstimmen. Rechtskräftig ist eine freie Trauung in Deutschland jedoch nicht. Der Gang zum Standesamt ist hierfür unumgänglich.