Ich kann mich noch sehr gut an eine Situation am Margarete-Steiff-Gymnasium erinnern, es muss in der siebten oder achten Klasse gewesen sein. Ich stand mit ein paar Mitschülern vor dem Klassenzimmer und habe darauf gewartet, dass ich hineingerufen werde. Der Reihe nach wurden wir von unserem Erdkundelehrer für unsere mündliche Note befragt. Worum es ging? Um Nachhaltigkeit.

Ein Wort, das mir damals nicht groß etwas gesagt hat. Ich beantwortete brav die Fragen, erklärte irgendetwas von nachhaltiger Forstwirtschaft, etwas über Holz, genau weiß ich es nicht mehr. Für einen Zweier hat es, so weit ich mich erinnern kann, gereicht.

Wir wissen all das schon längst

Dieser Tag ist eine ganze Weile her. Mittlerweile hören wir tagein, tagaus nichts anderes mehr. Plötzlich schießen Nachhaltigkeitsbeauftragte für sämtliche Firmen und Städte aus dem Boden, auf jedem Etikett steht irgendetwas von Recycling, Zeitungen erschaffen Nachhaltigkeitsressorts. Jeder scheint plötzlich zu wissen, um was es geht und worauf es ankommt.

Die traurige Wahrheit ist ja, dass wir das längst wussten. Schon lange vor meiner Erdkundestunde, auch lange vor meinem ersten Schultag, ja, lange vor meiner Geburt, haben Wissenschaftler davor gewarnt, dass der Planet endlich ist, dass wir uns nicht alles erlauben dürfen, was uns reizvoll erscheint, dass wir darauf achten sollten, nicht auf Kosten der Natur, sondern mit ihr im Einklang zu leben.

In der Phase zwischen meiner Abfrage und heute bin ich beinahe daran verzweifelt, zu erkennen, dass wir in vielen Bereichen unseres Lebens den falschen Weg eingeschlagen haben. Ich habe damit angefangen, mein Leben umzukrempeln. Kein Plastik mehr, keine Tiere mehr in meinem Essen, kein unnötiger Konsum.

Die Hoffnung schon aufgeben?

Aktuell bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich die Hoffnung offen gesagt schon verloren habe. Zum einen habe ich bei mir selbst gemerkt, dass ich nicht alle meine Vorsätze konsequent durchhalte. Zum anderen sehe und höre ich jeden Tag, wie ignorant die Politiker weiterhin sind. Kein Tempolimit auf deutschen Autobahnen? Ja – und warum nicht?

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich ärgere mich über so ziemlich alles. Ich versuche, meinen Mitmenschen damit nicht pausenlos auf die Nerven zu gehen, obwohl ich große Lust dazu hätte. Doch: Eventuell liege ich ja falsch. So viele Menschen erklären mir jeden Tag, dass jeder kleine Schritt zählt. Dass ein Ruck durch die Gesellschaft geht, dass es Hoffnung gibt. Meine drei jüngeren Brüder haben es mir gezeigt, auch sie essen alle kein Fleisch mehr, das hätte ich mir niemals vorstellen können.

Wir alle haben die Chance, etwas zu ändern

Deshalb werde ich mich zusammennehmen. Wir alle sollten das tun. Und wir alle haben die Chance dazu. Das neue Jahr ist doch ein guter Anlass, um damit anzufangen.

Es muss nicht gleich der große Wurf sein. Ein guter Vorsatz wäre es, sich selbst zu fragen, in welchem Bereich man etwas ändern kann, und einfach mal mit einer Sache anzufangen. Nachstehend ein paar Ideen, wie das aussehen könnte:

Einkaufen

Durch ein paar Änderungen beim Einkauf kann man viel bewirken. In der Giengener Marktstraße gibt es einen Unverpackt-Laden, in dem man das ein oder andere ohne Verpackung besorgen kann. Die Bäckerei Gnaier bietet seit einer Weile Ware vom Vortag im Vortagsladen am Memminger Torplatz an. Grundsätzlich kann man beim Bäckerbesuch auf die Papiertüten verzichten und stattdessen einen Stoffbeutel oder eine Papiertüte vom letzten Mal verwenden.

Der Vortagsladen von Gnaier am Memminger Torplatz hat ein einfaches, aber geniales Konzept: Was in den anderen Filialen nicht rausging, wird hier am nächsten Tag billiger angeboten. Gut für die Umwelt und den Geldbeutel.
Der Vortagsladen von Gnaier am Memminger Torplatz hat ein einfaches, aber geniales Konzept: Was in den anderen Filialen nicht rausging, wird hier am nächsten Tag billiger angeboten. Gut für die Umwelt und den Geldbeutel.
© Foto: Rudi Penk

Auch im Supermarkt muss es nicht immer die Plastiktüte sein. Gemüsenetze, Stoffbeutel oder Kartons tun es auch – und das im Idealfall mehr als nur einmal.

Seit kurzem gibt es mit dem Lieblingseck einen Unverpacktladen in der Giengener Marktstraße.
Seit kurzem gibt es mit dem Lieblingseck einen Unverpacktladen in der Giengener Marktstraße.
© Foto: Stadt Giengen

Regional und saisonal einkaufen, etwa auf dem Wochenmarkt, ist immer besser, als Gemüse zu wählen, das einmal um den halben Erdball eingeflogen wird. Worauf man auch achten kann: Nicht so viel auf einmal einkaufen, um zu vermeiden, Lebensmittel wegwerfen zu müssen. Dann lieber ein oder zwei Notfallgerichte weniger und noch mal losziehen, statt die Tonne mit wertvoller Nahrung zu füllen.

Verkehr

Brauche ich für diese Strecke wirklich das Auto? Diese Frage sollte man sich immer stellen, ehe man sich hinters Lenkrad setzt. Von Giengen aus kommt man auch gut mit dem Zug nach Heidenheim, Aalen oder Ulm. Ausreden wie Verspätungen könnten ausnahmsweise mal außen vor gelassen werden: Auch mit dem Auto weiß man nie, wie gut man durchkommt. Wer trotzdem lieber das Auto nimmt, kann sich überlegen, ob eventuell eine Fahrgemeinschaft möglich ist.

Urlaub

Ja, es klingt fast schon langweilig, aber: Urlaub vor der eigenen Haustüre kann so schön und erholsam sein. Wenn man alleine bedenkt, dass die lange Heimreise wegfällt, nach der man meistens am liebsten gleich wieder wegfahren würde.

Es müssen nicht immer die Malediven sein, auch vor der eigenen Haustüre lässt es sich gut aushalten. Der Albschäferweg beispielsweise bietet tolle Anblicke und viel Erholung.
Es müssen nicht immer die Malediven sein, auch vor der eigenen Haustüre lässt es sich gut aushalten. Der Albschäferweg beispielsweise bietet tolle Anblicke und viel Erholung.
© Foto: Landratsamt/ Oliver Vogel

Also: Erst mal schauen, was man in der Region noch nicht kennt, ehe es bis auf die Malediven geht.

Ernährung

Weniger Fleisch und Wurst zu essen, könnte ein guter Vorsatz fürs neue Jahr sein. Lieber gibt es nur ein- oder zweimal in der Woche Fleisch, dafür aber gutes. Statt abgepacktem Hackfleisch aus der Supermarkttheke sollte es lieber qualitativ hochwertiges Fleisch sein, zum Beispiel vom neuen Metzger, der in die Giengener Innenstadt kommt.

Konsum

Wenn wir genau darüber nachdenken, haben wir sicher von allem zu viel. Zu viele Klamotten zum Beispiel, zu viel technischen Schnickschnack, zu viele Schuhe, zu viele Kosmetikartikel. Regelmäßig shoppen zu gehen gehört für manch einen einfach dazu, das geht aber auch etwas regulierter. Am Anfang des Jahres sollte man sich überlegen, was man wirklich neu braucht – Winterstiefel vielleicht, weil die alten bald auseinanderfallen?

Und dann muss man es von der positiven Seite sehen: Wenn man auf zehn neue T-Shirts im Jahr verzichtet, kann man sich stattdessen ein hochwertiges kaufen. Eines, das unter sozial- und umweltverträglichen Bedingungen hergestellt worden ist.

Beim Kleiderglück in der Marktstraße wird Second Hand großgeschrieben. Mode muss nicht immer neu gekauft werden, auch aus zweiter Hand gibt es so manches schöne Stück.
Beim Kleiderglück in der Marktstraße wird Second Hand großgeschrieben. Mode muss nicht immer neu gekauft werden, auch aus zweiter Hand gibt es so manches schöne Stück.
© Foto: Rudi Penk

Wer Neues kauft, kann seine alten Sachen, sofern sie noch gut sind, im DRK-Kleiderladen in der Fußgängerzone abgeben. Secondhand macht übrigens für jeden Sinn, denn Kleidung sollte so lange es geht auch getragen werden. Grundsätzlich gilt beim Einkaufen: Lieber den Einzelhandel vor Ort als die Internetriesen unterstützen.

Wasser

Nein, wir müssen nicht jeden Tag duschen, nur, weil wir uns das angewöhnt haben. Wir sollten wegen des vielen Wasserverbrauchs auch nicht allzu oft baden, obwohl es für viele verlockend ist. Wir müssen uns keinen eigenen Pool in den Garten bauen und wir müssen Trinkwasser nicht zum Gießen benutzen.

Denn es gibt Waschlappen, es gibt Schwimmbäder, die ohnehin schon mehr als genug Wasser und Energie verbrauchen, und wir können Wasser zum Gießen benutzen, das wir beispielsweise zum Salat waschen gebraucht haben. Es geht so einfach, wir müssen lediglich daran denken.

Radfahren

Für die ein oder andere Strecke das Rad zu nehmen, ist immer eine gute Idee. Frische Luft und Bewegung tun uns gut – und die Umwelt freut sich auch darüber, wenn die Autos stehen bleiben. Natürlich ist in Sachen Radwege nicht alles perfekt in und um Giengen. Dennoch kommt man gut beispielsweise nach Heidenheim zur Arbeit. Und für die Freizeit hat auch der Brenz-Radweg viel zu bieten.

An Giengener Radwegen wird derzeit intensiv gefeilt, doch auch schon jetzt ist das Radnetz in und um die Stadt nicht das Schlechteste.
An Giengener Radwegen wird derzeit intensiv gefeilt, doch auch schon jetzt ist das Radnetz in und um die Stadt nicht das Schlechteste.
© Foto: moh

Derzeit wird das Radwegenetz in Giengen umfassend unter die Lupe genommen, Radfahren soll attraktiver, sicherer und beliebter werden. Wer sein E-Bike aufladen will, kann das schon jetzt in Hürben bei der Höhlenerlebniswelt oder in der Giengener Innenstadt tun.

Dieser Artikel ist teil der HZ-Serie zum Thema Gute Vorsätze für 2023.

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