Dieter Reichl Für die Firma Frießinger Mühle steht in Giengen in wenigen Wochen die dritte Ernteerfassung bevor. 2010 hatte die in Bad Wimpfen ansässige Firma den Giengener Standort der insolventen Landhandelsfirma Zirn gekauft.

In diesen Frühjahrswochen ist es noch recht ruhig an der Sundgaustraße. Den meisten Radau machen ein paar Spatzen, die sich in der neuen großen Getreidehalle ein paar Getreidekörner aufpicken. Die Halle ist derzeit weitgehend leer, aber das wird sich ebenso schnell ändern wie die in wenigen Wochen beginnende rege Betriebsamkeit. Dann nämlich wird seitens der Landwirte die neue Ernte angeliefert.

Im Juni 2010 war es, als die Firma Frießinger Mühle den Zirn-Standort an der Sundgaustraße aufkaufte. Für die Landwirte waren nach der Zirn-Insolvenz etliche Wochen Unsicherheit voraus gegangen, wussten sie bis dahin doch nicht, ob sie ihr geerntetes Getreide wie zuvor in Giengen anliefern konnten.

Diese Frage stellt sich jetzt, zwei Jahre später, nicht mehr. Es werden sämtliche Getreidearten erfasst, Schwerpunkt ist allerdings der Dinkel. Seit dem vergangenen Jahr steht die neue, große Lagerhalle an der Bahnlinie zur Verfügung, die eine Kapazität für 10 000 Tonnen Dinkel ausweist. Das Dinkelgeschäft war auch der Hauptgrund, in Giengen im Zuge der Rohstoffsicherung geschäftlich einzusteigen, erläutert Werner Köpf seitens der Firma Frießinger Mühle. Denn 90 Prozent des Dinkels hatte Frießinger bereits zuvor von der Landhandelsfirma Zirn bezogen. „Er weist eine gute Qualität auf, und das wollten wir uns erhalten.“

Der Standort wurde in großen Teilen umgestaltet: zum einen wurden baufällige Gebäude auf der Seite der Bahnhofstraße abgebrochen, des weiteren die dortige Siloanlage abgebaut. Dies wurde notwendig, weil die Firma Frießinger Mühle nicht in den Besitz des Grundstücks gelangen konnte. Die Silos wurden in ein afrikanisches Land verkauft.

Hauptinvestition war dann die neue Lagerhalle, heute das Kernstück des Standorts. 1500 Tonnen Getreide pro Tag können im Höchstfall in der Haupterntezeit angeliefert werden, was rund 300 Lieferungen entspricht. Damit diese Anlieferungen zügig abgewickelt werden können, wurde eine zweite Waage – die von der Bahnhofstraße – installiert und eine Art Rundverkehr eingerichtet. Die Folge: die langen Schlangen wartender Bauern mit ihren Anhängern an der Sundgaustraße, die früher durchaus Verkehrsprobleme bedeuteten, gehören der Vergangenheit an. Rund 500 Landwirte liefern in der Sundgaustraße an, das Einzugsgebiet reicht bis zu 25 Kilometer rund um Giengen. Zu Mehl verarbeitet wird das Getreide dann in Bad Wimpfen.

Kein Vergleich zu den Zeiten von Zirn, als dort im Getreidegeschäft und Landhandel weit über 100 Mitarbeiter tätig waren, ist heute die Zahl der Beschäftigten: nurmehr vier arbeiten in Vollzeit, verstärkt zur Haupterntezeit durch nach wie vor benötigten Ferienarbeiter. Ebenfalls vier sind es bei der in der Nachbarschaft ansässigen und früher zu Zirn gehörenden Firma, die mit Naturfüllstoffen handelt, also etwa Kirschkern- oder Dinkelspelzkissen.

Größere Investitionen sind am Giengener Standort nicht vorgesehen. Diese gibt es am Standort in Sontheim-Brenz an der ehemaligen Fetzermühle mit dem Einbau einer neuen Gosse und der Aufnahme der Kraftfutterproduktion. In diesem Jahr ist noch vorgesehen, die Brücke rückzubauen, die von der Sundgaustraße über die Bahngleise zu den Silos an der Bahnhofstraße führte – womit zu diesem ehemaligen nördlichen Standort keine Verbindung mehr besteht und dieser endgültig stillgelegt wäre.