ANNIKA SINNL Für Otto stand sie vor der Kamera, für Smart ebenso: Jenny Jessen ist auf dem besten Weg ins Modelbusiness. Derzeit nimmt sie an einer Castingshow teil. Wie weit sie kommt? Die 16-jährige Giengenerin macht es spannend.

Sie liebt Fastfood, Schokolade – und High Heels. Wo Letzteres schon eher zum Model-Dasein passt, muss sich Jenny bei Ersterem mittlerweile ein wenig einschränken: Ja, sie achte auf eine gesunde Ernährung. „Ich muss“, sagt sie. Denn ihr Körper ist ihr Kapital. Seit sie an der Castingshow „Das perfekte Model“ teilnimmt, gilt das noch mehr.

Doch wie kam die junge Giengenerin eigentlich dazu, vor Kameras zu posieren? Was vor allem durch die Teilnahme an der Show nach perfekter Karriereplanung aussieht, nahm aus purem Zufall seinen Anfang: „Ich wurde mal auf der Straße angesprochen“, erzählt Jenny. Weil sie damals erst 13 Jahre alt war, hat sie noch gewartet. „Ein Jahr später habe ich mich dann gemeldet und so ging das dann los.“ Sie gesteht: „Von selbst wäre ich nie darauf gekommen.“

Fünf Wochen vom Unterricht befreit

Nach den ersten Fotos aber ging es Schlag auf Schlag: Jenny, die in Flensburg geboren ist, seit ihrem ersten Lebensjahr aber in Giengen lebt, bewarb sich bei Modelagenturen. Mit Erfolg. Mittlerweile wurde sie schon von namhaften Firmen gebucht. Otto zählt dazu, Bonprix und Smart ebenso.

In Zeiten von „Germanys next topmodel“ hat Jenny immer mal wieder daran gedacht, an einer Castingshow teilzunehmen. Bei „Das perfekte Model“ nun hat sie die Bewerbung gewagt. Und dass das neben der Schule kein leichtes Unterfangen sein wird, war klar.

Denn Jenny geht in die elfte Klasse des Hellenstein-Gymnasiums, fünf Wochen musste sie für die Dreharbeiten vom Unterricht befreit werden. München, Köln, New York – die Giengenerin kam herum. Die Klassenarbeiten hat sie vorgeschrieben. „Purer Stress“, wie sie heute sagt.

Trotz ihres jungen Alters: Heimweh hat Jenny nicht. „Ich mag es, weg zu sein“, erzählt die 16-Jährige, die für ihre Zukunft auch die Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat. Ob nun das Fußballspielen beim RSV Hohenmemmingen, Studienfahrt oder sonstige Schulausflüge – Jenny räumt ein: „Ja, ich muss auf Vieles verzichten.“ Doch auch wenn ein wenig Traurigkeit in der Stimme liegt, Jenny scheint zu wissen, wofür sie die Opfer bringt.

Mit dem Druck kann sie gut umgehen

Denn das Modeln scheint tatsächlich Jennys Traum zu sein: „Ich liebe es, vor der Kamera zu stehen.“ Modeln sei wie schauspielern, nur ohne Worte. Nebenbei missfallen ihr natürlich auch die hübschen Klamotten und Schuhe nicht, die man als Model tragen darf. „Ich mag das einfach“, sagt Jenny und ihr roter Schmollmund formt sich zu einem Lächeln.

Die Giengenerin ist die jüngste Teilnehmerin bei der Castingshow, die derzeit auf Vox läuft. Wie sie mit ihren 16 Jahren mit Niederlagen, Rückschlägen und eventuellen Neidern umgeht? „Der Druck ist groß. Aber ich kann eigentlich relativ gut damit umgehen.“ Manchmal aber setze ihr Kritik auch zu – vor allem, wenn sie gemein und persönlich wird.

Mit den Kandidatinnen der Show aber hat sich Jenny immer gut verstanden. So war es auch mit den Jurorinnen Eva Padberg und Karolina Kurkova. „Wir haben immer noch Kontakt, schreiben uns Mails“, erzählt Jenny. Immer noch Kontakt? Ja, die Sendung sei schon gedreht, lässt Jenny wissen. Nur noch das Finale stehe aus. Es wird live sein. Wann es stattfindet, weiß Jenny nicht. Und ob sie dabei sein wird, kann sie auch nicht verraten. So steht es im Vertrag.

Nichtsdestotrotz: Die Gerüchte, sie komme weit, halten sich wacker. Doch auch wenn es nichts werden sollte mit der Titeljagd, hat Jenny Pläne: „Ich werde wahrscheinlich die Schule aufhören.“ Wenn sie noch ein Jahr Praktikum mache, habe sie die Fachhochschulreife, das reiche ihr. „Ich muss die Chance jetzt einfach nutzen.“ Und dass eine solche besteht, merkt Jenny derzeit deutlich: „Seit die ersten Sendungen ausgestrahlt wurden, habe ich deutlich mehr Angebote bekommen“, erzählt sie.

Jennys Ziel: Singapur

Fest steht, dass es die junge Giengenerin in die weite Welt zieht: „Ich möchte nach Singapur. Dort werden europäische Gesichter gesucht. Ich will die Welt erobern.“ Dass ihre Freunde und vor allem ihre Familie das nicht gerne hören, ist klar. Überhaupt: Jennys Mutter war anfangs gar nicht begeistert von den Modelplänen ihrer Tochter. „Ich musste sie überreden, mir einen Reisepass machen zu lassen“, erzählt Jenny. Vor allem wegen der Schule habe ihre Mutter gezweifelt. Jetzt aber sei sie voller Stolz. Vermissen werde sie ihre Mutter sicherlich, wenn sie gen Morgenland zieht. Mehr aber halte sie nicht an ihrer Heimatstadt.

Was die Schokoladen- und Fastfoodgelüste betrifft: Jenny hat sich nun einen persönlichen Fitnesstrainer zugelegt. „Der triezt mich dann schon“, sagt sie. Die Qualen, die ihr die immer wiederkehrenden Situp-Einheiten bereiten, stehen ihr beim Aussprechen der Worte ins Gesicht geschrieben. Aber so kann sie sich wenigstens ab und an mal Pommes und Co. gönnen. Und das macht sie auch. Modelkarriere hin oder her.