Giengen / Thomas Grüninger 150 ehrenamtliche Helfer sorgten in der Stadtkirche bei der 13. Auflage der Vesperkirche für einen reibungslosen Ablauf. Täglich kamen über 200 Besucher.

Obwohl die Giengener Vesperkirche nunmehr schon zum 13. Mal stattfand, gibt’s noch alljährlich Besucher, die zum ersten Mal begrüßt werden können. Die kommen keineswegs nur aus der regionalen Umgebung, sondern auch von weit her. „Wir erleben es immer wieder, dass Menschen, die beispielsweise die Firma Steiff besuchen, zufällig in die Vesperkirche finden und dann mitteilen, dass sie so etwas aus ihrer Heimat gar nicht kennen“, berichtet Doris Müller, die zusammen mit Maria Konold-Pauli und Waltraud Hörsch seit Jahren die organisatorischen Fäden zieht.

In Giengen selbst hat sich die Vesperkirche indessen als feste Veranstaltung zum Anfang eines neuen Jahres längst etabliert. Vorfreude vor Beginn und Wehmut am letzten Veranstaltungstag sind emotionale Kennzeichen dieser ausschließlich ehrenamtlich getragenen Einrichtung, die sich keineswegs als „Armenspeisung“ versteht, sondern vielmehr als gesellschaftlichen Treffpunkt, bei dem Leib und Seele gleichermaßen auf ihre Kosten kommen.

Einsame Menschen kommen gern

Das gemeinsame Essen, gegenseitiges Kennenlernen, Musikbeiträge, mutmachende Impulse – all das sind Bindeglieder für Menschen unterschiedlicher Generationen, die drei Wochen lang die Mittagszeit miteinander verbringen können. „Gerade Personen, die einsam sind, kommen gerne“, sagt Maria Konold-Pauli.

Rund 150 freiwillige Helfer waren vonnöten, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Lücken, die der Organisationsplan zu Beginn noch aufwies, konnten im Laufe der Tage geschlossen werden. Jeder, der kam, wurde an den Tischen bedient, niemand musste hungrig die Stadtkirche verlassen.

Das Interesse war erneut groß. „Ab der zweiten Woche waren es täglich deutlich über 200 Besucher, des Öfteren fast 300“, berichtet Doris Müller. Dank eines „supertollen Küchenteams“ konnten auch die Spitzentage ohne große Probleme bewältigt werden. Für den Nachtisch waren über 300 Kuchen selbst gebacken worden, die allesamt sehr gefragt waren.

Auch Ausfälle, die krankheitsbedingt kurzfristig entstanden, wurden kompensiert. So mussten zwar ein paar Musikbeiträge getauscht werden, aber letztlich fehlte es an keinem einzigen Tag an Unterhaltung. Hier war die Palette breit gefächert: Sie reichte von der Zigeunermusik direkt an den Tischen bis hin zur Mandolinengruppe oder zum Kindergartenchor, der vor allem die Senioren erfreute. „Im Grunde waren das lauter Benefizkonzerte“, meint Doris Müller.

„Wir hatten diesmal aber auch sehr viele junge Familien zu Gast. Unsere Kinderbetreuung war gut beschäftigt“, fiel Maria Konold-Pauli auf. Nebenbei konnten auch Dienstleister wie das Diakonische Werk oder die Alltagshilfe ihre Angebote vorstellen.

Mitarbeiterfest zum Abschluss

Krankheitsbedingt musste Doris Müller diesmal ein paar Tage aussetzen. Für die gut aufeinander abgestimmten Mitarbeiter war auch dies kein Problem. „Für mich ist die Vesperkirche immer etwas Besonderes. Begegnungen spielen sich hier auf vielen Ebenen ab. Auch unter den Mitarbeitern wächst hier jedes Jahr etwas zusammen. Wer etwas investiert, erhält eben auch etwas zurück“, berichtet Doris Müller über eine wichtige jährliche Erfahrung.

Am kommenden Mittwoch um 19 Uhr treffen sich die Mitarbeiter zum Abschlussfest im Evangelischen Gemeindezentrum und dürfen sich dann auch einmal selbst bedienen lassen. Erfahrungsgemäß kämen da rund 100 Leute zusammen. Motivation genug also, um im kommenden Jahr Auflage Nummer 14 der Giengener Vesperkirche über die Bühne zu bringen.

Seit es die Giengener Vesperkirche gibt, ist Margret Hörger aus Hohenmemmingen als Helferin mit von der Partie. Auch mit 80 Jahren ist sie noch in vielen Bereichen ehrenamtlich aktiv.

Mit einem Gottesdienst wurde die 13. Auflage unter dem Motto „Sehen und gesehen werden“ eröffnet. Die ersten Besucher ließen nicht lange auf sich warten.

Umsatzsteuerpflicht für Giengen kein Problem

Einige Vesperkirchen, wie etwa jene im Ulmer Münster, haben offensichtlich damit zu kämpfen, wenn nun nach neuen europäischen Richtlinien auch Kirchen Umsatzsteuer zu entrichten hätten. Wenn man Geld verlange für Leistungen (also einen bestimmten Betrag erhebt fürs Essen) trete man in Konkurrenz zu gastronomischen Betrieben, lautet die Argumentation für die Neuregelung.

Manche Vesperkirchen, wie etwa in Stuttgart, verlangen deshalb fürs Essen keinen Betrag mehr, sondern setzen allein auf Spenden, um so die Umsatzsteuerpflicht zu umgehen.

In Giengen gestaltet sich die Sache anders. Hier wird für ein Essen ein Mindestbetrag von 1,50 Euro erhoben – und auf diesen Betrag fällt seit jeher eine Umsatzsteuer von sieben Prozent an, wie Hermann Brender, Finanzverwalter der Giengener Vesperkirche, auf Nachfrage sagte: „Bei uns läuft die Vesperkirche nicht als kirchliche Veranstaltung, sondern unter dem Dach des Fördervereins.“ Deshalb sei man in diesem Fall auch von einer Neuregelung, die kirchliche Veranstaltungen betrifft, gar nicht betroffen. „Wir zahlen schon immer Umsatzsteuer“, so Brender. tog