Was kommt wohl den meisten Menschen in den Kopf, wenn sie an Fasching denken? Bunte, schrille Kostümierungen, ausgelassenes Treiben und ein erhöhter Konsum von alkoholischen Getränken?

Mit diesem Image sehen sich viele Faschings-Vereinigungen konfrontiert, so auch die Panscherhexen aus Giengen, die aktuell wieder im Zirkus des Karnevals unterwegs sind. „Jetzt sind wir da“, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Panscherhexen, Verena Schaufelberger, lachend: Vergangene Woche wurde der Narrenbaum vor dem Giengener Rathaus aufgestellt.

Der Narrenbaum, so erklärt Schaufelberger, soll ein Herrschaftssymbol der Panscherhexen sein und deren Machtübernahme demonstrieren. Er werde dabei unmissverständlich mit klassischen Symbolen der Hexen verziert – mit Besen, Strohschuhen und Vereinswappen zum Beispiel. „Die Stimmung ist wirklich spitze, weil wir in den vergangenen zwei Jahren schlecht dran waren und wir als Verein nun aber wieder richtig Krawall machen können“, freut sich Schaufelberger.

Nicht nur im Winter aktiv

Aktuell stecken die Panscherhexen in einer nicht ganz gewöhnlichen Saison. Nicht nur, weil es nach den Entbehrungen der pandemiebedingten Auszeit wieder rund geht, sondern auch wegen der Vorarbeit, die die Mitglieder leisten mussten. Denn auch eine Narrenzunft löst sich nach Aschermittwoch nicht spontan auf. „Vor der Saison hatten wir krankheitsbedingt einige Ausfälle bei den Proben zu unserem Hexentanz“, erläutert Schaufelberger, ergänzt aber: „Wir konnten das durch das Engagement unserer Mitglieder gut ausgleichen.“

Es geht hoch hinaus: Ihren Hexentanz müssen die Panscherhexen vorab oft üben.
Es geht hoch hinaus: Ihren Hexentanz müssen die Panscherhexen vorab oft üben.
© Foto: Christian Thumm

Laut Schaufelberger sind die Panscherhexen genauso aufgebaut wie jeder andere Verein. Auch hier gebe es einen Vorsitzenden, einen Ausschuss, einen Schriftführer, hinzu komme ein siebenköpfiges Planungsteam. Ausgetauscht werde sich zusätzlich an Infoabenden, sodass jedes Mitglied aktiv mitgestalten könne.

Also doch nicht nur wildes Treiben? Dass der Verein mehr Arbeit leistet, als es auf den ersten Blick für Außenstehende ersichtlich ist, zeigt sich in den vielen Aktivitäten der Hexen in der narrenfreien Zeit. Die Vereinsarbeit konzentriert sich hier auf die Planung und Organisation der kommenden Saison. Beispielsweise sei lange darüber diskutiert worden, ob die traditionelle „Nacht der Hexen“ in der jetzigen Form noch zeitgemäß sei. Es sei über die Jahre zu beobachten gewesen, dass es immer weniger Interesse an der Veranstaltung gegeben habe. Daher hätten das Planungsteam und der gesamte Verein nach Alternativen gesucht.

Panscherfasching ist neu

Die Mitglieder kamen dabei zu dem Entschluss, die „Nacht der Hexen“ durch ein neues Konzept zu ersetzen, nämlich durch den Panscherfasching. Laut der stellvertretenden Vereinsvorsitzenden solle das neue Format generationsübergreifend für gute und ausgelassene Stimmung sorgen. „Ziel ist es, dass die 70-Jährigen mit den 20-Jährigen feiern können und der Verein so richtig aufleben kann“, sagt Schaufelberger.

Klarer Fall: Die Krawatte von OB Dieter Henle muss beim Rathaussturm abgeschnitten werden.
Klarer Fall: Die Krawatte von OB Dieter Henle muss beim Rathaussturm abgeschnitten werden.
© Foto: Stadt Giengen

Als ein weiterer Höhepunkt der Vereinsarbeit zählt die Hexentaufe. An diesem Tag werden neue Hexen offiziell in den „Zirkel“ aufgenommen und erhalten ihren charakteristischen Namen. Hintergrund sei laut Schaufelberger der, dass die Anwärterinnen und Anwärter in einer Art Praktikumsjahr in alle Bereiche und Aufgaben der Vereinsarbeit eingeführt werden sollen. „Zum Vereinsleben gehört eben auch der Verkauf von Würstchen bei Stadtfesten oder dem Weihnachtsmarkt, die Unterstützung von Veranstaltungen wie Halb Acht oder eben auch die Organisation der internen Prozesse.“ Heute bestehe der Verein aus rund 45 Mitgliedern aller Altersklassen.

OB Henles Versteck

Manch einen treibt es regelrecht in die Flucht, wenn die Panscherhexen vor der Tür stehen. Jedes Jahr steht das auch Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle bevor. Weil sich Henle immer geschickt verstecke, sei der Sturm aufs Rathaus laut Schaufelberger seit Jahren mit großer Anstrengung verbunden: „Selbst die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rathauses unterstützen uns nicht bei der Suche.“ Vielleicht haben die Panscherhexen in diesem Jahr mehr Erfolg.

Wann ziehen die Hexen durch Giengen?

Der Sturm aufs Giengener Rathaus der Panscherhexen fällt in diesem Jahr auf den Donnerstag, 16. Februar, ab 10 Uhr. Die neue Veranstaltung Panscherfasching in der Schranne folgt am nächsten Tag, am Freitag, 17. Februar.

Darüber hinaus stehen der Gruppe noch einige weitere Termine ins Haus, mit dabei sind sie etwa auch beim Sturm auf Heidenheim am Samstag, 28. Januar, außerdem beim Umzug in Ulm (auch am 28.) und beim Umzug in Dischingen am Sonntag, 19. Februar.

Fasching in der Region Heidenheim: Die Übersicht