Windräder? Solaranlagen? Wasserkraft oder Geothermie? Momentan dreht sich alles um die Frage, wie wir künftig an unsere Energie kommen sollen, ohne dabei den Planeten vollends zu zerstören. Das Thema beschäftigt die großen Gremien dieser Welt, die hochrangigen Politiker, sie sollte aber auch jeden einzelnen Bürger im Alltag begleiten.

Die passenden Voraussetzungen müssen in Zukunft die Kommunen bieten. Sie müssen sich überlegen, wie die staatlichen Klimaziele vor der eigenen Haustüre umgesetzt werden können, müssen Personal, Geld und Zeit dafür investieren. Und vor allen Dingen müssen sie auch wollen.

Für größere Städte wie Giengen ist es bereits gesetzlich vorgeschrieben, sich des Themas anzunehmen. Für kleinere Gemeinden trifft das (noch) nicht zu, manche sind in dieser Hinsicht aber schon weit in ihren Überlegungen, teilweise auch schon in der Umsetzung.

Um für die Zukunft Kräfte zu bündeln, haben sich jetzt acht Kommunen zusammengeschlossen, die wollen. Giengen und Oberkochen sind bei diesem Zusammenschluss die Zugpferde, mit im Boot sind außerdem Hermaringen, Waldstetten, Mögglingen, Böbingen, Essingen und Heubach. Mit anderen Gemeinden im Kreis Heidenheim werden laut Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle momentan Gespräche geführt, eventuell könnten sich weitere anschließen.

Der Zusammenschluss: Die acht Kommunen gründen eine Dienstleistungsgesellschaft mit dem Namen „N!Kom“ (steht für nachhaltige Kommunen). Das übergeordnete Ziel lautet, die Wärme- und Energieversorgung in den einzelnen Kommunen zu überdenken und neu zu gestalten. Geschäftsführer soll Tobias Koller werden, der auch den Giengener Stadtwerken sowie der Gesellschaft für Energie Ostalb vorsitzt, sich deshalb sowohl im Kreis Heidenheim als auch im Ostalbkreis gut auskennt. Koller vergleicht die Gesellschaft mit einem Start-up, in dem viele kreative Köpfe die „Energiewende denken können“, Lösungen entstehen sollen.

In einem Boot: Waldstettens Kämmerer Gerhard Seiler, Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle, Oberkochens Bürgermeister Peter Traub, Mögglingens Bürgermeister Adrian Schlenker und der designierte "N!Kom"-Geschäftsführer Tobias Koller.
In einem Boot: Waldstettens Kämmerer Gerhard Seiler, Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle, Oberkochens Bürgermeister Peter Traub, Mögglingens Bürgermeister Adrian Schlenker und der designierte „N!Kom“-Geschäftsführer Tobias Koller.
© Foto: Nadine Rau

Die Umsetzung: Wer sind diese kreativen Köpfe? Geschäftsführer Koller erhält im technischen Bereich Unterstützung durch Prof. Dr. Martina Hofmann, die an der Hochschule Aalen einen Lehrstuhl für Erneuerbare Energien inne hat. Zudem beschäftigt die Gesellschaft einen externen Berater, vom Land geförderte Fachleute für Klimaschutz- und Energiemanagement sowie weitere Mitarbeitende. OB Henle erklärt, dass sich die Gesellschaft genau wie eine einzelne Kommune auf Förderungen bewerben darf. Ebenfalls ein entscheidender Punkt in der Praxis: Die Kommunen wollen zwar eng zusammenarbeiten, jede für sich kann aber letztlich entscheiden, was sie bei sich vor Ort tatsächlich umsetzen will.

Die Finanzierung: 51 Prozent der Anteile liegen bei den Städten Giengen und Oberkochen. Die anderen sechs Kommunen halten zusammen 30 Prozent. Die restlichen 19 Prozent liegen vorerst ebenfalls bei Giengen und Oberkochen – immer mit dem Gedanken verbunden, dass künftig weitere Gemeinden mit einsteigen könnten. Giengen stellt für die Gesellschaft im Haushalt 2023 700.000 Euro bereit, in Summe soll die Gesellschaft zunächst mit einem Eigenkapital in Höhe von zwei Millionen Euro ausgestattet werden.

Der Zeitplan: Bis zum 1. Januar 2023 soll die Gründung erfolgen. In manchen Kommunen haben die Gemeinderäte bereits ihr Okay gegeben, in den noch fehlenden soll das zeitnah passieren. Orientieren wird sich das neue Bündnis an den Zielen des Landes: Bis 2030 möchte das Land seinen Ausstoß an Treibhausgasen im Vergleich zum Jahr 1990 um mindestens 65 Prozent senken, bis 2040 soll eine Netto-Treibhausgas-Neutralität, also „Klimaneutralität“ erreicht sein. Bis es konkrete Lösungen geben wird, erklärt Koller, wird viel Zeit ins Land gehen. Die Gesellschaft kann für den Moment nur ein erster Schritt sein, um Ideen zu erarbeiten.

Die Bereiche: Die Gesellschaft konzentriert sich vor allem auf eine intelligente Wärmeleitplanung. Einher gehen damit Planungen in den Bereichen Kommunikation, Wohnraum, Mobilität, außerdem bei der Beleuchtung, beim Wasser und bei Wärme. Momentan werden in Giengen Daten erhoben, um den Ist-Zustand festzustellen. Koller führe Gespräche mit einigen Firmen, unter anderem mit den Giengener Carbonauten, die bei der Produktion von Biokohlenstoffen als Nebenprodukt Energie herstellen.

Was sagen die Macher? „Wir sehen Energieversorgung und kommunalen Klimaschutz als Daseinsvorsorge. Ziel der Gesellschaft ist nicht Gewinnerzielung, sondern das Steuern der zugehörigen Transformationsprozesse“, so OB Henle. Koller betonte, dass es nicht nur um Konzepte gehe, sondern darum, wie die Energiewende tatsächlich umgesetzt werden könne. Waldstettens Kämmerer Gerhard Seiler erklärte, dass eine Kommune dieser Größenordnung (7200 Einwohner) alleine gar nicht ausreichend Fachkräfte stellen könnte, um bei diesem Thema voranzukommen.

Was sagen Giengens Stadträte? Dr. Erin Kleemann (Unabhängige/Grüne) will „wirklich Dampf reinbringen“ in die Wärmeleitplanung und wünscht sich eine hohe Transparenz. Oswald Satzger (CDU) kann sich mit dem Gedanken nicht anfreunden, eine solche Gesellschaft sei teuer und intransparent für den Gemeinderat, zudem sei damit in der konkreten Umsetzung noch nichts gemacht. Jörg Bayer (CDU) und Rainer Baisch (Unabhängige/Grüne) befürchten, dass ein Mitglied die anderen ausbremsen könnte. Werner Bader (CDU) hält eine weitere Kommune aus dem Kreis als Mitglied für sinnvoll. Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung segnete das Gremium die Gründung von Giengener Seite ab.