Giengen / Nadine Rau Einmal im Monat kommen Gäste im Mariensaal zusammen – die Themen gehen dabei nicht aus.

Herbert Kinauer war sieben Jahre alt, als er mit seiner Familie nach Deutschland flüchten musste. Geboren war er 120 Kilometer nördlich von Wien in Mähren, einem der drei historischen Länder Tschechiens, das unter Adolf Hitler ins Deutsche Reich integriert worden war. Von seiner Flucht und dem Brünner Todesmarsch erzählt der Obmann der Giengener Sudetendeutschen Landsmannschaft heute den Besuchern des Café Ogg im Mariensaal.

Das Café, das im vergangenen Frühjahr von der katholischen Kirche unter Robert Werner ins Leben gerufen worden war, erfreut sich steigender Beliebtheit. „Anfangs lief es schleppend, aber jetzt kommen immer mehr“, weiß Kati Walentin, die sich um die Gäste kümmert. Das liege mitunter auch daran, das es nach dem Kuchen immer um ein bestimmtes Thema geht, das mit Giengen zusammenhängt.

So ist Obmann Kinauer einer von vielen Gästen, der schon an der Oggenhauser Straße vorbeigeschaut hat. Vertreter der Naturfreunde oder des Roten Kreuzes waren auch schon da, die Pfadfinder oder das DLRG sind weitere Anwärter auf der Liste, die noch eingeladen werden sollen.

Heute erfahren die Gäste, dass es während der 60er Jahre neben der Kreisgruppe in Heidenheim fünf weitere Ortsgruppen der Sudetendeutschen gegeben habe. Heute sei nur noch die Giengener Ortsgruppe mit 49 Mitgliedern übrig. Diese erinnern sich gemeinsam zurück, halten etwa am 4. März immer eine Gedenkfeier ab – 1919 waren die Deutschen an diesem Tag für ihr Selbstbestimmungsrecht auf die Straße gegangen.