Giengen / Maximilian Haller Ein Giengener Unternehmen verschreibt sich dem Kampf gegen die globale Erwärmung: Die „Carbonauten“ nutzen Biomasse, um den Klimawandel aufzuhalten.

In Zeiten von Windkraft- und Photovoltaikanlagen tut sich ein weiterer Vorreiter für saubere Energie hervor: Das Giengener Start-up-Unternehmen „Carbonauten“ stellt Biokohlenstoffe her. Was simpel klingt, könnte enormes Potenzial für die Zukunft des Planeten haben. „Es gibt ein CO2-Problem auf der Erde, aber noch keine weltweite technische Lösung dafür“, beschreibt „Carbonauten“-Geschäftsführer Torsten Becker die Situation.

Vielseitige Anwendung

Mit dem Konzept der „Carbonauten“ will er das ändern. Biomassen wie Sägespäne, Altholz, Wurzelstücke, aber auch Kakaoschalen, werden in den Maschinen des Unternehmens durch sechsstündige Verbrennung zu Biokohlenstoffen verarbeitet. Für die Biomassen werden auschließlich Reste verwendet. Diese stammen aus der Land- und Forstwirtschaft sowie aus der Holz-, Recycling- und Lebensmittelindustrie.

„Wegen uns fällt kein Baum“, versichert Becker. Nach rund sechs Stunden Pyrolyse in den zylinderähnlichen Behältern sind die Biokohlenstoffe fertig. In der Anwendung seien diese variabel: So können sie als Grundlage für Aktivkohle genutzt werden, welche unter anderem in Wasserfiltern zum Einsatz kommen. Auch als Zusatz für Tiernahrung können die Kohlenstoffe verwendet werden. Für die Tiere bedeute das bessere Gesundheit, weniger Abhängigkeit von Antibiotika und verringerte Methanausscheidung.

Energie als Nebenprodukt

Generell, so Becker, seien die Biokohlenstoffe in der Lage, die Folgen des Klimawandels bekämpfen. Als Biohilfsstoffe in der Agrarwirtschaft führen diese Kohlenstoff in die Böden zurück und verhelfen dadurch zu einem positiven Mikroklima für Pflanzen. „Unsere Produkte sind CO2-senkend oder CO2-neutral“, sagt Becker. Eine Tonne Biokohlenstoff fixiere demnach 3,6 Tonnen CO2.

Dafür sorgt auch der angenehme Nebeneffekt der pyrolytischen Karbonisierung: Als Nebenprodukt entsteht dabei unter anderem überschüssige Energie, die wiederum in das Betreiben der Maschinen gesteckt werden kann.

Torsten Becker sieht darin enorme Vorteile gegenüber anderen Formen von Energiegewinnung, wie beispielsweise Photovoltaikanlagen: „Wir brauchen weder Sonne, Wasser, noch Wind.“ Die Module halten dem „Carbonauten“-Geschäftsführer zudem mindestens 100 Jahre. „Ich glaube, dass das die umweltfreundlichste, erneuerbare Energie ist, die es gibt.“

Ein klassisches Start-up

Auch wenn die Idee hinter Biokohlenstoffen schon länger existiert, gibt es das Unternehmen noch nicht allzu lange: Die „Carbonauten“ haben sich im August 2017 gegründet. Neben dem Giengener Torsten Becker gehören Christoph Hiemer, Stephan Enge und Michael Sernatinger zum Team. „Wir sind im Prinzip ein virtuelles Unternehmen – ein klassisches Start-up“, erklärt Becker, ein wirkliches Büro gebe es nicht. Stattdessen laufe die Kommunikation zwischen den einzelnen „Carbonauten“ größtenteils über Videochat.

Ihren Erststandort hat das Unternehmen nördlich von Berlin in Eberswalde. Pro Jahr werden dort rund 4800 Tonnen Biomasse in 1600 Tonnen Kohlenstoff umgewandelt. Das Projekt erfreut sich laut Torsten Becker wachsender Beliebtheit. Gerade in Zeiten von CO2-Zertifikaten werde Nachhaltigkeit für viele Unternehmen ein zunehmend wichtigeres Thema.

Als Investor konnten die „Carbonauten“ bisher die Göppinger Entsorgungs- und Transportfirma ETG gewinnen. Bis 2025 will das Unternehmen weltweit mit 250 Mitarbeitern an 25 Standorten vertreten sein, mindestens 15 davon in Deutschland.

Am Anfang steht eine Idee

Ein Start-up ist ein junges, noch nicht etabliertes Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Neben einer guten Idee bedarf es bei einem Start-up-Unternehmen vor allem eines Geschäftsmodells sowie eines Businessplans.


Die Finanzierung ist häufig das, was Start-up-Unternehmen zu schaffen macht. Die wenigsten von ihnen verfügen über viel Startkapital und streben die frühzeitige Erweiterung ihres Unternehmens an.


Der durchschnittliche Gründer ist laut dem Bundesverband Deutsche Startups 35,2 Jahre alt. Pro Woche arbeiten Start-up-Gründer demnach durchschnittlich 56 Stunden. Der Anteil der Gründerinnen lag 2018 bei 15,1 Prozent.