Giengen / Marc Hosinner Erste Arbeiten sind jetzt erledigt, sodass am Donnerstag im historischen Gebäude Einweihung gefeiert werden konnte. Im zweiten Schritt soll Gastronomie im Erdgeschoss einziehen.

Das ging schnell: Nur knapp ein halbes Jahr hat es gedauert, eine neue Idee umzusetzen. Und zwar die eines Gründerzentrums im Giengener Bahnhof.

Ende September vergangenen Jahres waren der neue Eigentümer des altehrwürdigen Gebäudes, der bayerische Bauunternehmer Andreas Adldinger, und die Stadt Giengen mit dem Vorhaben, Gründern und Start-ups Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen und so ein Zentrum für Innovationen entstehen zu lassen, an die Öffentlichkeit gegangen.

Carbonauten und Coaching

Nun sind die ersten beiden Mieter eingezogen, mit denen gestern Einweihung gefeiert und mit einem Gläschen Sekt angestoßen wurde. Es handelt sich dabei einerseits um das Start-up-Unternehmen „Carbonauten“, das Biokohlenstoffe herstellt. „Es gibt ein CO2-Problem auf der Erde, aber noch keine weltweite technische Lösung dafür“, beschreibt „Carbonauten“-Geschäftsführer Torsten Becker die Situation. Mit dem Konzept der „Carbonauten“ will er das ändern. Biomassen wie Sägespäne, Altholz, Wurzelstücke, aber auch Kakaoschalen werden in den Maschinen des Unternehmens durch sechsstündige Verbrennung zu Biokohlenstoffen verarbeitet.

Die „Carbonauten“ haben sich im August 2017 gegründet. Seinen Erststandort hat das Unternehmen nördlich von Berlin in Eberswalde. Bis 2025 will das Unternehmen weltweit mit 250 Mitarbeitern an 25 Standorten vertreten sein.

Gründerzentrum passt zu Giengen

Den zweiten Mietvertrag schloss Adldinger mit Stefan Braith, der Beratung und Coaching anbietet. Braith bringt zweieinhalb Jahrzehnte Erfahrung im Bereich Personal mit und ist zertifizierter Businesscoach, der sich im vergangenen Jahr selbstständig gemacht hat. Braith lebt seit 13 Jahren in Giengen und bietet in seinem Büro in direkter Nachbarschaft zu den Gleisen Personalberatung, Management und Coaching. „Ich habe mir den Bahnhof deshalb ausgesucht, weil die Lage sehr zentral und für Kunden gut erreichbar ist“, so der neue Mieter, der auch Privatkunden betreut.

„Es ist sehr schön, was hier in den vergangenen Wochen entstanden ist“, so Oberbürgermeister Dieter Henle, der darauf verwies, dass das Gründerzentrum perfekt zu Giengen im Sinne einer Wohn- und Arbeitsstadt passe, die auch jungen Unternehmen die Möglichkeit bieten will, sich zu entfalten.

Erfreut zeigte sich das Stadtoberhaupt aber auch darüber, dass am Eingang des Bahnhofs eine Plakette angebracht werden konnte: Diese weist Giengen als gründerfreundliche Kommune aus. „Es ist eine Auszeichnung, mit so einem Prädikat werben zu können. Dies verdeutlicht uns umso mehr, dass wir bei diesem Thema auf dem richtigen Weg sind. Das Pflänzchen soll zu einem starken Baum im Wirtschaftsleben der Stadt werden“, sagte Henle, der auch die gute Zusammenarbeit mit dem Eigentümer des Bahnhofs hervorhob. Adldinger hatte diesen Ende 2017 der Deutschen Bahn abgekauft.

Gastronomie soll folgen

Adldinger selbst spielte diesen Ball gern zurück: „Es macht Spaß, sich hier zu engagieren. Die Rahmenbedingungen sind sehr gut“, so der Unternehmer, der sich selbst etwas erstaunt zeigte, wie schnell er die ersten Mieter gefunden hatte, wobei noch Platz für weitere Interessenten da sei. „Wir werden uns hier weiter engagieren“, so die Ankündigung Adldingers. In einem zweiten Schritt soll es Veränderungen in der Eingangshalle und damit dem Erdgeschoss geben. Dort stehen derzeit noch alte, blaue Fensterläden.

„Wir werden noch weitere Bauabschnitte tätigen. Im Erdgeschoss des Bahnhofs planen wir Gastronomie. Dieses Vorhaben werden wir in den nächsten Monaten angehen“, so Adldinger.