Giengen / Nadine Rau Weil die sozialen Netzwerke gefährlich sein können, wurden Achtklässler der Bühlschule ausgebildet. Sie sollen ihr Wissen an Fünftklässler weitergeben.

Respekt gegenüber den Lehrern zu zeigen ist das eine. Aber Respekt gegenüber anderen Schülern an den Tag zu legen? Da wird es schon heikel. Dennoch setzt das Medienzentrum des Landkreises gemeinsam mit der Bühlschule auf genau dieses Konzept – und zwar im Hinblick auf den Umgang mit Medien. Es geht um Laptops und um Handys, um Plattformen und Netzwerke wie What's App, Facebook und Instagram. Die Argumentation: 13- und 14-jährige Schüler aus der achten Klasse sind an dieser Entwicklung schlicht näher dran als erwachsene Lehrer.

Angesiedelt ist diese Idee der Weiterbildung beim Medienzentrum des Landkreises. „Bisher sah es in diesem Bereich noch mau aus. Die Kinder haben zwar ein Handy und daddeln damit herum, wissen aber nicht, was sie damit anfangen können“, so Jan von der Osten, Leiter des Medienzentrums. Hinzu kommt der wichtige Baustein der Suchtprävention.

Vergangenes Jahr ging es los

Bei ersten Besprechungen in Heidenheim war Raphael Süß, seit 2013 ausgelernter Schulsozialarbeiter an der Bühschule, mit dabei. Gemeinsam entschloss man sich dafür, ein Pilotprojekt an der Bühlschule umzusetzen: Die höherklassigen Schüler sollen die Jüngeren in Sachen Medien zur Seite stehen. Im vergangenen Schuljahr waren erstmals ausgebildete Medienagenten, wie sie offiziell heißen, in den fünften Klassen, um ihr Wissen weiterzugeben. Anfang Dezember geht es in die neuen Klassen.

„Es ist so gedacht, dass die Ansprechpartner von Beginn des Schuljahres an für die Jüngeren präsent sind. Im ersten Jahr ging das zeitlich wegen des späten Projektstarts nicht, in diesem Schuljahr aber schon“, sagt Süß. Der 30-Jährige hat in den Klassen nach Freiwilligen gefragt und ein Team aus acht Schülern zusammengestellt. „Das ist meine engagiere Truppe, manche von ihnen sind auch schon Streitschlichter und Sportmentoren“, lobt Süß.

Für die acht Kandidaten ging es für zwei Tage nach Heidenheim zur Ausbildung. Nachdem abgefragt worden war, welche Medien die Achtklässler selbst nutzen (Instagram ist am beliebtesten), konnten sie sich thematische Schwerpunkte aussuchen, in denen sie von Fachpersonal unterrichtet worden sind. Was ist denn am meisten hängengeblieben?

„Du bist, was du postest“, fällt der 13-jährigen Enza Napoli als erstes wieder ein. „Es ging um Urheberrechte und darum, was mit geposteten Bildern alles passieren kann“, ergänzt Ciprian Milian. Wie man Viren erkennen und sich diese einfangen könne sei ein weiterer wichtiger Punkt gewesen, außerdem wüssten sie jetzt alle, dass man in What's App nachsehen kann, wie viele Nachrichten man bereits verschickt hat. Selbst sehr komplexe Themen wie Strafrecht standen auf der Agenda.

Jetzt gilt es, all dieses Wissen an die Fünftklässler weiterzugeben. Im wenigen Tagen werden die Medienagenten dafür einen Tag mit den jüngeren Schülern verbringen, an denen ausnahmsweise das Handy mitgebracht werden darf. Denn eigentlich herrscht an der Bühlschule absolutes Handy-Verbot.

Eigentlich gilt ein Handy-Verbot

Aber machen Medienagenten auf dem Pausenhof dann überhaupt Sinn? „Ja, auf jeden Fall. Die Schüler dürfen ihr Handy trotzdem nutzen, wenn sie eine konkrete Frage an die Agenten haben. Da kann es zum Beispiel um blöde Kommentare oder um Mobbing gehen“, erklärt Schulsozialarbeiter Süß. Die Agenten freuen sich über ihre neue Aufgabe. „Es macht Spaß, den anderen zu zeigen, was man weiß“, sagt der 14-jährige Ciprian. Alle acht sind sich einig, dass diese Art der Bildung auch tatsächlich etwas hilft.

Allerdings gibt es noch ein Proble: Schon im ersten Jahr haben die Achtklässler feststellen müssen, dass es gar nicht so leicht ist, Fünftklässlern etwas beizubringen. „Manche sind frech, dann wird es schwierig“, erzählen sie. Im Großen und Ganzen habe es aber zumindest funktioniert. „Die Jungen müssen sich noch daran gewöhnen, dass Ältere sie unterrichten“, denkt Süß, der noch erklärt, dass die Medienbildung langfristig nicht erst in Klasse fünf, sondern bereits in den Klassen drei und vier beginnen soll.

Medienagenten: Wer hat's erfunden?

Das Medienzentrum setzt mit den ausgebildeten Agenten auf ein Konzept aus Biberach, um jüngere Schüler sicherer im Umgang mit Programmen aus der heutigen Zeit zu machen.

Dort nennt sich das Programm „Maus“, also Medienagenten für Unterstufenschüler. Bereits im Schuljahr 2011/12 wurde das Pilotprojekt ins Leben gerufen. Es hat sich bewährt und mit jedem weiteren Jahr kamen mehr Schulen dazu.

Beteiligt sind im Kreis neben dem Team des Medienzentrums der Suchtbeauftragte Peter Barth und das Referat Prävention der Polizei. Bei der Umsetzung sind an der betreffenden Schule ein Schulsozialarbeiter und ein Lehrer eingeschaltet. An der Bühlschule übernehmen diesen Part Schulsozialarbeiter Raphael Süß und Lehrer Wulf Saur. Bei der einen Pilotschule soll es aber auf lange Sicht nicht bleiben.

Weitere interessierte Schulen können sich über die Teilnahme bei Jan von der Osten vom Medienzentrum unter Tel. 07321.321-1652 informieren.