Burgberg / Marc Hosinner In seinem Heimatort kennt sich kaum einer so gut aus wie er: Manfred Staudenecker liegt die Geschichte, aber auch die Zukunft Burgbergs am Herzen.

Eine Wäscherei, ein Fotofachgeschäft ein Autohaus, einen Zahnarzt: All das und noch viel mehr, eine stattliche Anzahl von Gasthäusern, 13 Lebensmittel- und Kolonialwarengeschäfte etwa – gab es einst in Burgberg. „Früher war es um die Infrastruktur im Ort besser bestellt, zumal alle von ihrem Geschäft leben konnten“, sagt Manfred Staudenecker. Und der muss es wissen.

Warum? Weil er sich intensiv mit der Thematik befasst hat und in vier Plänen die Infrastruktur in Burgberg darstellt: Beginnend mit einem historischen Ortsplan ab etwa 1840, einer zweiter fortführend von 1841 bis 1945, danach von 1946 bis 2017. Der letzte Plan hat den Stand vom Januar 2018. Abgeschlossen ist die Dokumentation noch nicht. Staudenecker ist immer noch auf der Suche nach alten Fotos von Geschäften und Anwesen. „Die Entwicklung ging in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter zurück“, so der 75-Jährige, der sich seinem Heimatort stark verbunden fühlt.

Frühes Interesse an der Politik

Staudenecker, der nach acht Jahren Volksschule eigentlich Grafiker werden wollte, bei Edelmann in Heidenheim dann aber den Beruf des Verpackungsmittelmechanikers erlernen musste, hatte schon in frühen Jahren Interesse an Politik und Geschichte. „Der Weg zur CDU wurde geprägt durch meine Aktivitäten in der Kirchengemeinde als Ministrant, Leiter der katholischen Jugend und als Mitglied des Kirchenchors“, erinnert sich Staudenecker, der zudem fand, dass die Junge Union viel zu bieten hatte.

„Die CDU in Burgberg war wichtig. Die Partei stand im Allgemeinen meiner Meinung nach in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg für eine friedliche Zukunft“, so der Vater von drei Töchtern und vier Enkelkindern, dessen Frau Maria ihn in seinem vielfältigen Engagement „immer voll unterstützte“.

Nicht nur die zweite Reihe

Sich nur in die zweite Reihe zu stellen und von der Arbeit anderer zu profitieren, war nicht unbedingt die Sache Staudeneckers: 15 Jahre war er Vorsitzender der CDU Burgberg, 17 Jahre Vorstandsmitglied für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Doch damit nicht genug: Auch der Gesang- und Theatervereinigung stand er eine Dekade vor und war dort 25 Jahre Jugendleiter. Oben drauf zählt Staudenecker noch langjährige Mitgliedschaften bei den Gartenfreunden, im Tennisclub und im Krankenpflegeverein auf.

Die Geschichte der Vereine fand vor diesem Hintergrund von jeher die Aufmerksamkeit Staudeneckers, was ihm beim Erstellen der Chroniken für die Gesang- und Theatervereinigung, den Tennisclub und den CDU-Ortsverband zugute kam. „Aus dieser Erfahrung heraus führte es zwangsläufig dazu, dass ich beim Jubiläumsbuch zum 800-jährigen Bestehen Burgbergs zum Mitinitiator wurde“, so der Rentner.

Ein anderes Kapitel wurde für Staudenecker durch den Historischen Mühlenverein aufgeschlagen, bei dessen Gründung er sich als Mitglied eingeschrieben hatte.

Dass aus dem Ansinnen, die Alte Mühle aus dem 14. Jahrhundert zu erhalten, eine derartige Erfolgsgeschichte werden würde, hatte er allerdings nicht gedacht. „Das war ein Verdienst von Günther Danzer und all denen, die ehrenamtlich viel Kraft und Schweiß investierten. Zudem war das auch ein Verdienst des damaligen Oberbürgermeisters Clemens Stahl“, sagt Staudenecker, den die Vergangenheit des Areals fasziniert und deswegen seit mehr als zehn Jahren den Museumsbesuchern den Reiz der Einrichtung als Gästeführer näher bringt.

Die Zukunft im Blick

Bei all der Begeisterung für die Historie verliert Staudenecker aber die Zukunft nicht aus den Augen: Er engagiert sich auch im Förderverein für die Bildungseinrichtung und sagt klipp und klar: „Die Schule muss am Ort bleiben. Aber wir sind da auf einem guten Weg.“

Auf seinem Wunschzettel steht zudem ein Bürgerhaus und die Sanierung des Ortskerns. Auch die Realisierung dieser Pläne sollte seiner Ansicht nach einmal zur Burgberger Historie gehören.

Den Dialekt erhalten

Staudenecker sammelt auch Wörter aus Burgberg. „Den Erhalt unseres Dialekts halte ich für wichtig“, sagt er. Er finde es interessant, wie viele Wörter sich etwa vom Jenischen – der Sondersprache von Händlern, der in früheren Zeiten viele Burgberger angehörten – in den schwäbischen Dialekt überliefert haben.

Zusammen mit seiner Frau Maria habe er mehr als 300 Wörter gesammelt, von denen eine stattliche Anzahl nur in Burgberg bekannt seien . Diese Wortsammlung müsse noch grammatikalisch und phonetisch aufgearbeitet werden.

Als Beispiel für Wörter, die sich aus dem Jenischen ins Schwäbische „eingeschlichen“ haben, nennt der Burgberger Staudenecker: Gwalma (rauchen), gschauba (ansehen), Giesche (Hut) oder Schbrade (Wanderstock).