Das Einhorn kennt natürlich jeder. Das Fabeltier symbolisiert die Stadt Giengen nach außen. Es findet Verwendung, mal groß, mal klein, bei städtischen Veranstaltungen, auf dem Briefkopf, auf der Homepage, in den Broschüren, Flyern, Prospekten und auf den Visitenkarten, und nicht zu vergessen sogar auf dem Partnerschaftskuchen mit San Michele.

Aber: es gibt kein einheitliches Erscheinungsbild der Stadt Giengen, auch über das Einhorn hinaus. Das soll sich ändern. Im neudeutschen Sprachgebrauch spricht man hierbei von „Corporate Design“. Dies soll auch angesichts der rasend schnellen Entwicklungen im Print- und Onlinebereich an moderne Anforderungen angepasst und modernisiert werden. Giengen will sich nach außen zeitgemäß, professionell und frisch präsentieren, mit einem einheitlichen Erscheinungsbild. Die Stadt soll als „Marke“ erkennbar sein. „Das klappt noch nicht so richtig“, sagte Oberbürgermeister Dieter Henle.

Einiger Nachholbedarf

Nach Ansicht der Stadtverwaltung besteht also Nachholbedarf. Die bisherigen sehr uneinheitlichen Elemente des bestehenden Corporate Designs – im Wesentlichen das Giengener Logo mit Schriftzug – sind bereits in den 80er-Jahren erstellt worden und haben damit bereits einige Zeit auf dem Buckel. Auch gibt es keine verbindlich festgelegte Hausschrift in einem Gestaltungshandbuch. Detaillierte Vorgaben sind nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Bestimmte Vorlagen wurden mit den vorhandenen Elementen aufgebaut.

Nach Ansicht der Verwaltung besteht also dringender Nachholbedarf. Denn das Thema ist alles andere als neu. Bereits 2008 wurde seitens der Verwaltung im Gemeinderat darauf hingewirkt, dass sich die Stadt auf ein einheitliches Erscheinungsbild festlegt und das bis dahin bestehende Corporate Design überarbeitet wird. Die von der Hochschule für Gestaltung ausgearbeiteten Ansätze wurden allerdings nicht weiterentwickelt, das Thema liegt seither auf Eis.

Wettbewerb für Gestalter

Jetzt wird ein neuer Anlauf genommen, und zwar in Form eines Gestaltungswettbewerbs, an dem sich kleine wie große Büros beteiligen können. Hierbei sollen entweder die bestehenden Bausteine, also Giengener Logo, Schriftzug, Wappen aufgegriffen und weiterentwickelt werden, oder ein neues Logo mit Schriftzug entsteht ohne die Berücksichtigung bestehender Bausteine. Vorgabe hierbei ist lediglich, dass eine Orientierung an den historisch begründeten Stadtfarben Blau und Gelb erfolgt.

Das neue Corporate Design soll für die gesamte Stadtverwaltung und ihre Einrichtungen genutzt werden, und das aktualisierte Erscheinungsbild soll dann auch die Grundlage für eine neue Webseite der Stadt Giengen bilden.

Richtiger Zeitpunkt?

Im Gemeinderat wurde diese Vorgehensweise nicht einhellig begrüßt. Die Zustimmung erfolgte bei zwei Enthaltungen. Stadtrat Olaf Holzer (CDU) sagte, eigentlich müsste zunächst ein Markenkern entwickelt werden mit Aussagen zu „Wer sind wir? Wo stehen wir?“, um darauf ein Marketing aufzubauen. Die Frage sei, ob man nur ein neues Logo, oder dann doch tiefer einsteigen wolle. „Das Fundament muss passen“, so Holzers Ansicht. Projektleiter Bernd Kocian sagte, man habe auf einen solchen Markenbildungsprozess verzichtet. „Die Agenturen sollen sich mit Giengen beschäftigen“, sagte er. Man erwarte entsprechende Vorschläge. Wirtschaftsförderer Sebastian Vetter sagte, man habe sich bewusst für den kürzeren Weg entscheiden. Viele Bausteine seien bereits vorhanden, auf denen dann aufgebaut werden könne. „So ist es schneller und billiger“, sagte Vetter.

Werner Bader (CDU) fragte, ob dieses Thema tatsächlich zum jetzigen Zeitpunkt auf die Prioritätenliste gehöre. Er sehe aber ein, dass ein Corporate-Design-Handbuch sinnvoll sei, um später Ressourcen zu sparen. Allerdings sollte man ein Logo nicht aus der Luft greifen. „Man muss sich damit identifizieren können.“ Auch Elisabeth Diemer-Bosch (CDU) sagte, sie hätte das neue Logo „jetzt nicht gebraucht“, könne aber zustimmen, um ein Zeichen nach außen zu setzen. Rainer Baisch (Unabhängige/Grüne) sagte, die Vorgehensweise sei „effizient und zielführend“, und Christine Mack (SPD) stellte fest, der richtige Zeitpunkt für ein solches Thema sei eigentlich nie, also sei es auch jetzt okay. Sowieso sei vieles dabei „letztlich Geschmackssache“.

Entscheidung soll im Frühjahr fallen


Für den Gestaltungswettbewerb hat die Verwaltung folgenden Zeitplan festgelegt: Jetzt im November erfolgt die Ausschreibung mit Bewerbungsphase bis zum Jahresende; der eigentliche Gestaltungswettbewerb erfolgt im Januar und Februar. Abgabefrist für Wettbewerbsbeiträge ist der 21. Februar. Eine Fachjury wählt aus und präsentiert die Entwürfe im Verwaltungsausschuss zur Vorberatung und dann im Gemeinderat mit Beschlussfassung am 29. April. rei