Giengen / Marc Hosinner Die Bildungseinrichtung in der Südstadt arbeitet mit Sportvereinen aus dem Landkreis zusammen – mit Erfolg, wie Vertreter der Pädagogischen Hochschule Weingarten jetzt bestätigten.

Reiten, Baseball, Tischtennis oder auch Bogenschießen: Sportarten, die im normalen Unterricht eigentlich nicht auf dem Stundenplan stehen. An der Bühlschule macht es das sogenannte Sportkarusell möglich. Im Herbst 2017 war der Startschuss für das Programm an der Bildungseinrichtung in der Südstadt gefallen. Dabei kooperiert die Schule mit Vereinen aus dem Landkreis. Als Arbeitsgemeinschaft ist das Sportkarussell Teil des Ganztages-Angebots. Jeder Verein deckt dabei drei Termine ab, dann ist der nächste an der Reihe. Begonnen wurde mit zehn Vereinen, im Herbst 2018 waren es schon 13.

Angeboten wurden die Arbeitsgemeinschaften bisher in der sechsten und siebten Klasse. Ziel war und ist es, die Sportarten in den Blickpunkt zu rücken, aber auch Vereinen die Möglichkeiten zu bieten, neue Mitglieder zu bekommen.

Das Zwischenfazit von Schule und Schülern fiel positiv aus. Diese eher subjektiven Wahrnehmungen wurden wissenschaftlich unterfüttert. Vertreter der Pädagogischen Hochschule Weingarten haben das Sportkarussell bewertet.

Was funktioniert? Was nicht? Diesen Fragen ging Prof. Stefan König mit seinen Mitarbeiterinnen Elke Weyermann und Julia Welschoff mittels Umfragen nach, deren Ergebnisse kürzlich in der Schule vorgestellt wurden. 44 Fragebögen waren an Schüler verschickt worden, hinzu kamen 13 Interviews mit Trainern unterschiedlicher Sportarten und Lehrern.

Einige Ergebnisse der Befragungen: Fast 90 Prozent der Schüler gaben an, in der Freizeit Sport zu treiben. Allerdings haben offenbar einige Schüler erst durch das Sportkarussell das Vereinswesen kennengelernt. Als Hinderungsgrund für das Beitreten in einen Verein war mehrfach angegeben worden, dass neben Zeit auch Geld fehle, und nicht immer klar sei, wie man zum Verein in anderen Orten gelangen soll. Insgesamt antworteten die Schüler mehrheitlich, dass sie erneut am Sportkarussell teilnehmen würden.

Bestandteil der Untersuchung, die von der DRLG finanziert wurde (siehe separater Bericht) war auch die Einschätzung der Schüler bezüglich ihrer Schwimmleistungen. Hier offenbarte sich jedoch ein Gegensatz zwischen Selbsteinschätzung und tatsächlichem Leistungsstand. Das Niveau der Schüler wurde als eher niedrig beschrieben. Es habe auch Nichtschwimmer gegeben.

Insgesamt habe sich, so die Bewertung der PH, durch das Sportkarussell die Motivation der Schüler für den Sportunterricht erhöht. Das Sportkarussell steigere zudem die Bewegung im Alltag. Die Schüler hätten erkannt, dass Bewegung wichtig ist, was sich wiederum auf die Gesundheit positiv auswirken könne. „Alles in allem sind das interessante und positive Erkenntnisse. Wir können von einem erfreulichen Ergebnis sprechen“, so Prof. König, der empfahl, die Kooperationen aufrecht zu halten und das Angebot auszubauen, weil es auch gute Möglichkeiten zur Integration biete.

„Auf alle Klassen können wir das nicht ausweiten. Dazu fehlen uns schlicht die finanziellen und personellen Ressourcen“, so der stellvertretende Schulleiter Tim Schlichenmaier. Rektorin Nicole Arndt sprach von „spannenden Ergebnissen“ und informierte, dass versucht werde, das Sportprogramm in Teilen auch auf die Klassenstufe fünf auszuweiten.

PH Weingarten als Programmbegleiter

Die Pädagogische Hochschule in Weingarten hat das Sportkarussell wissenschaftlich begleitet. Sportwissenschaftler Prof. Stefan König beschäftigt sich an der Hochschule unter anderem mit Studien zur Entwicklung motorischer, technischer und taktischer Fertigkeiten und Fähigkeiten. Er und seine Mitarbeiter hatten sich im Oktober des vergangenen Jahres in Giengen an die Arbeit gemacht und nun die Ergebnisse vorgestellt.

Finanziert wurde die Untersuchung von der DLRG, die selbst Teil des Sportkarussells ist. Vom Landesverband der DLRG wurden 7500 Euro zur Verfügung gestellt. moh