Frohe Weihnachten und liebe Grüße an alle Freunde und meine Familie daheim. Ich schreibe diese Worte gerade auf einem meiner vielen Flüge, die ich in den letzten Jahren genommen habe. Ich habe mittlerweile wahrscheinlich mehr Meilen gesammelt als alle Familienmitglieder zusammen, da ich in den vergangenen Jahren nahezu monatlich zwischen San Francisco, New York, London, Berlin und auch Giengen gependelt bin. Die ganze Geschichte meines Nomadenlebens fängt allerdings noch während meines Studiums an.

Masterstudium in den USA

2016 bin ich damals während meines Masterstudiums in die USA gegangen, um an der Stanford University in Palo Alto meinen Master zu Ende zu machen. Für mich waren damals das Silicon Valley und Kalifornien das große Ziel. Mein Traum war es, so nah wie möglich bei den großen Tech-Startups zu sein und eines Tages vielleicht mein eigenes Startup zu gründen. Für das hatte ich mich die ganzen Jahre im Studium angestrengt, nächtelang gelernt und mir selbst das Programmieren beigebracht.

Mathias Klenk beim Studium an der Stanford University.
Mathias Klenk beim Studium an der Stanford University.
© Foto: Klenk/privat

200 Mitarbeiter weltweit

Aus dem Traum wurde dann eines Tages Wirklichkeit. Nachdem ich meinen Master beendet hatte, fing ich 2017 zunächst einen Job als Software Engineer in San Francisco bei einem Cybersecurity-Startup an. Knapp ein Jahr später gründete ich dann mit meinem damaligen Mitbewohner und einem alten Freund aus München in unserem Wohnzimmer in San Francisco die Firma “Passbase”, die heute über 200 Mitarbeiter weltweit beschäftigt. Wir sammelten knapp 18 Millionen US-Dollar von Investoren ein und fingen an, die Firma “remote-first” aufzubauen, wobei wir zwei Büros in Berlin und New York haben. Unsere Mitarbeiter können allerdings überall arbeiten, solange es mit den Zeitzonen halbwegs passt. Für gemeinsame Events fliegen wir einen Teil der Mitarbeiter ein, um in Strategiewochen gemeinsam zu arbeiten.

Mathias Klenk mit Freunden in San Francisco.
Mathias Klenk mit Freunden in San Francisco.
© Foto: Klenk/privat

Seit der Gründung habe ich nun an mehreren Orten gelebt. Zunächst hatten wir die Firma in San Francisco gegründet, dann ging es sechs Monate in London weiter. Anschließend habe ich eine ganze Weile in New York gelebt. Um genauer zu sein knapp 2,5 Jahre – somit auch einen Großteil während der Covid-Pandemie. Und seit vergangenen Sommer lebe ich ein digitales Nomadenleben.

Selten länger als drei Wochen an einem Ort

Ich bin selten länger als 2 bis 3 Wochen an demselben Ort, suche mir die Locations meistens nach Wetter, Freunden oder coolen Events aus. Ich war beispielsweise in den vergangenen Wochen kurz in Berlin, bin dann wieder nach New York und war vor kurzem in Miami, wo ich mir die Kunstmesse Art Basel anschauen wollte.

Herbrechtingen/Opole

Während der Woche bin ich meistens sehr beschäftigt und arbeite von Co-Working-Spaces aus oder treffe Kunden, Investoren und Geschäftspartner an den jeweiligen Orten. An den Wochenenden unternehme ich meistens etwas mit Freunden oder lerne neue Leute kennen, die mir vorgestellt wurden, um die Orte näher zu erkunden.

Mathias Klenk auf seinem Grand-Canyon-Roadtrip.
Mathias Klenk auf seinem Grand-Canyon-Roadtrip.
© Foto: Klenk/privat

Wo ich nächsten Monat sein werde, weiß ich, um ehrlich zu sein, noch gar nicht. Aber ich wollte immer schon mal eine Weile in Lissabon verbringen. Vielleicht auch wieder ein paar Wochen Kalifornien oder doch schon früher nach Colorado zum Skifahren.

Dort treffe ich Anfang Februar ein paar Freunde. Das ist beispielsweise ein Grund, weiter zu reisen. Ich lasse mich meistens aber treiben und entscheide gerne spontan, wo es als nächstes hingeht. Häufig überzeugen mich Freunde, sie für ein paar Wochen zu besuchen – und wir arbeiten gemeinsam von dort.

Weihnachten daheim in Giengen

Mir ist bewusst, welches Privileg ich habe und ich kann es manchmal selbst nicht fassen, welches Glück ich habe, dass ich all die Orte und Städte sehen kann und meine eigene Firma mir es ermöglicht, das zu finanzieren.

Ich weiß auch noch nicht, wie lange ich das weiter machen möchte. Ich bin sicher, dass ich irgendwann wieder einen festen Wohnort suchen werde. Allerdings ist eines klar: Weihnachten wird immer daheim in Giengen verbracht.

Mehr über Menschen aus dem Landkreis Heidenheim, die im Ausland leben, gibt es bei Brücken in alle Welt zu lesen.