Zur Advents- und Weihnachtszeit ein lieber und herzlicher Gruß aus Atlixco, Puebla in Mexiko. Ich grüße meine ganze und große Familie, Verwandtschaft, Freunde, meine Schulkameradinnen und -kameraden. Mit etlichen habe ich immer in all den Jahren Kontakt gehalten und es kamen etliche dazu, das freut mich sehr.

In Giengen habe ich einen sehr guten Freund, wir haben uns etwas Schönes einfallen lassen: wir tauschen Koch-und Backrezepte aus und schicken uns Fotos. Was da so alles auf den Teller kommt, das macht sehr viel Spaß.

In Corona-Zeiten wurde vieles anders. Freude muss man sich selbst suchen, das soziale und gesellschaftliche Leben wurde eingeschränkt, man lebt mit vielen Auflagen und Einschränkungen, Vorschriften. Abgesagt, so heißt das nun. Es gibt keine Veranstaltungen, sogar die Totentage, die für Mexiko sehr wichtig sind, wurden abgesagt, Friedhofsbesuche sind nicht erlaubt und wenn fünf Personen unterwegs sind, dann nur mit Erlaubnisschein. Die Blumen, Tagetes und Samtblumen, werden hier für ganz Mexiko angebaut, und gehen auf die Reise. Dieses Jahr aber nicht, die Blumenfelder wurden nicht abgeerntet, es ist ein riesiges Verlustgeschäft für unsere Region.

Im Oktober feierten wir Oktoberfest, wir waren 22 Leute und ein paar Jugendliche. Es war wunderschön und originell, die Damen im Dirndl, die Männer in Lederhosen und in voller Tracht. Es gab Weißwürste, extra aus Bayern eingeflogen, mit süßem Senf, und Bratwürste. Die ließen wir hier machen. Und dann Brezeln, die backten wir selber in der Backstube meiner Freundin. Das Fest fand einer Brauerei mit Biergarten hier in Atlixco statt. Die Frauen fuhren dann mit einem offenen Wagen durch Atlixco, bei Bier, Schnaps und Musik. Es war so lustig und wunderschön. Die Leute auf der Straße beklatschten uns und staunten. Die Männer besuchten in der Zeit die Brauerei.

Im Dezember bis einschließlich 6. Januar sind hier eigentlich die Wochen der „Villa Iluminada“. Beleuchtete Straßen und Gebäude, die Kathedrale, Zocalo (Hauptplatz in jeder Stadt) – alles erstrahlt so schön. Das ist ein Brauch seit zehn Jahren und wirklich wunderschön. Es macht viel Arbeit im Vorfeld, aber ist immer voller Erfolg. Auch das wird dieses Jahr nicht stattfinden, abgesagt. Dabei kommen einfach zu viele Menschen zusammen und die Stadt will kein Risiko eingehen.

Mexiko hat sehr viele Tote zu beklagen, das tut weh. Aus diesem Grunde gehen die Menschen sehr vernünftig, umsichtig und diszipliniert mit den Einschränkungen um. 2020, was ist die Botschaft? Ich stellte fest, dass die Menschen mehr aufeinander zugehen, ich selbst spreche mit Menschen, die ich gar nicht kenne, zum Beispiel an der Kasse im Supermarkt. Auch ich werde angesprochen, wenn ich in der Schlange am Geldautomat stehe. Ich denke schon, dass die Sensibilität für ein Miteinander gestärkt wurde. Wir brauchen uns.

Ich schicke herzliche und frohe Weihnachtsgrüße und hoffe und wünsche, dass das Jahr 2021 besser für uns alle wird. Frohe Weihnachten

Jedes Jahr berichtet die Redaktion im Rahmen von „Brücken in alle Welt“ über Menschen aus dem Kreis Heidenheim, die im Ausland leben. Hier lesen Sie alle Artikel.