Giengen / Marc Hosinner Auf der Nordseite soll im kommenden Herbst ein Rettungsweg errichtet werden. Das gesamte Sicherheitspaket kostet etwa 800 000 Euro.

Die Vorgaben des Brandschutzes verlangen auch Kommunen bei der Umsetzung der Vorschriften einiges ab: Nicht nur in der Walter-Schmid-Halle in Giengen musste in den vergangenen Jahren viel investiert werden. Geld in die Hand nehmen muss die Verwaltung auch dort, wo der Oberbürgermeister seinen Schreibtisch hat, wo die Bürger ihre Ausweise beantragen und wo der Gemeinderat sich zu Sitzungen trifft: im historischen Rathaus.

Wobei das Wort „historisch“ die Angelegenheit nicht einfacher macht, gilt das Gebäude doch als eingetragenes Kulturdenkmal, das den aktuellen Brandschutzanforderungen nicht mehr entspricht.

Der Brandschutz im Rathaus: Nicht zum ersten Mal hatte sich der Gemeinderat mit dieser Kombination zu beschäftigen. „Das Thema begleitet uns schon einige Jahre. Jetzt sind wir mit dem Denkmalamt einen bedeutenden Schritt weiter gekommen“, sagte der kommissarische Leiter des städtischen Gebäudemanagements, Jürgen Roth, in der jüngsten Sitzung. Bedeutet: Dem Gremium konnte ein Beschlussantrag vorgelegt werden.

Eine Außentreppe auf der Nordseite

Zum einen geht’s um die Errichtung einer Fluchttreppe. Mit etwa 2,5 Meter Abstand zur nördlichen Giebelfassade ist eine Außentreppe vorgesehen, die als Stahlkonstruktion errichtet wird und die Flucht über die einzelnen Stockwerke ermöglicht. „Das Gebäude soll im Brandfall so schnell als möglich leer werden“, so Roth.

Durch die Lage der Treppe würden die Gebäudekanten frei bleiben, so dass die Kubatur des Hauses klar erkennbar sei.

Zum andern muss auch im Innern des Rathauses nachgerüstet werden, was beispielsweise den Rettungsweg oder die Brandmeldeanlage betrifft. In der Summe belaufen sich die Kosten nach derzeitigem Stand auf etwa 800 000 Euro. Die Montage der Treppe ist für kommenden Herbst vorgesehen, die Arbeiten im Gebäude sollen bis Ende 2020 abgeschlossen sein.

Auflagen machen die Sache zu einer komplexen Angelegenheit

„Wir sprechen zwar über eine stolze Summe, es geht aber um das Thema Sicherheit. Das ist insgesamt eine gelungene Planung. Der Zeitraum der Ausführung fügt sich gut in die Arbeiten am neuen Rathausplatz ein“, so das Urteil von Oberbürgermeister Dieter Henle.

„Ich finde es bemerkenswert, dass mit dem Denkmalamt eine Einigung erzielt werden konnte. Viele Auflagen und Bestimmungen machen das Thema zu einer komplexen Angelegenheit. Jetzt liegt eine ansprechende Lösung vor, die hoffentlich nie gebraucht wird“, so die SPD-Fraktionsvorsitzende Gaby Streicher. „Der Spagat zwischen Denkmalschutz und Funktionalität ist geglückt“, sagte Dr. Erwin Kleemann (Unabhängige/Grüne) und die Fraktionsvorsitzende des CDU-Wählerblocks, Elisabeth Diemer-Bosch sagte zur Treppe: „Quadratisch, praktisch, gut. Es ist eine funktionale Lösung.“ Wilhelm Oszfolk (SPD) sagte: „Gut für die Kostenseite, dass das Rathaus im Sanierungsgebiet liegt.“

34 Jahre nach dem Brand neu aufgebaut

Die Geschichte des Giengener Rathauses geht zurück bis vor den Stadtbrand, laut Giengener Chronik wurde es im Jahr 1568 gebaut. Nach dem Stadtbrand 1634 wurde es 1668 wieder aufgebaut. 1738 wurde es erstmals renoviert und das Stadtschreibereigebäude repariert. Dabei erhielt das Rathaustürmlein eine neue kupferne Kuppel. Im Jahr 1840/41 wurde das Rathaus zweckmäßig erneuert. Ein weiterer Umbau wurde 1955 beendet. Zudem wurden der Sitzungsaal und einige Amtszimmer neu gestaltet. Ein großer Festakt schließlich beendete die seither letzten umfangreichen Umbauarbeiten 1985 mit einer offiziellen Schlüsselübergabe.