Giengen / Thomas Grüninger Ein Jahr nach seiner Anstellung bei der Stadt kann Sebastian Vetter eine überaus positive Zwischenbilanz ziehen und erhält im Gemeinderat viel Zustimmung.

Seit ziemlich genau einem Jahr ist Sebastian Vetter als Wirtschaftsförderer bei der Stadt beschäftigt. In dieser Zeit wurden viele Initiativen angestoßen, um Giengen als Wirtschaftsstandort auszubauen und zu stärken. Erste Erfolge, die aus dem engen Austausch mit Gewerbetreibenden, Kammern oder auch Projektentwicklern resultieren, sind bereits zu verzeichnen.

Breit gefächert sind die Felder, auf denen Vetter als Wirtschaftsförderer tätig ist. In seinem Vortrag vor dem Gemeinderat betonte er vor allem die Wichtigkeit eines engen Kontakts mit den Betrieben vor Ort. Formate wie das Handwerkergespräch oder das Unternehmergespräch wurden wiederbelebt, neue Austauschebenen sollen geschaffen werden. Sowohl mit der Industrie- und Handelskammer als auch mit der Handwerkskammer sind gemeinsame Veranstaltungen geplant. Inzwischen habe die Stadt mit vier der größten Arbeitgeber Giengens Kooperationsvereinbarungen getroffen.

Erfolgsmodell Speeddating

Das Schlagwort Fachkräftemangel beschäftige die Gewerbetreibenden in Giengen je nach Branche sehr, erläuterte Vetter. In Zusammenarbeit mit dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit habe man deshalb unlängst ein Strategiepapier zur Fachkräftesicherung und Verbesserung der Arbeitsmarktzahlen erarbeitet.

In diesem Zusammenhang bezeichnete Vetter die aus der Not geborene Idee eines Speeddatings als Erfolgsmodell. So habe man auf einer ersten Veranstaltung „mindestens sechs Fachkräfte“ an neue Arbeitgeber vermitteln können. Bei einer Folgeveranstaltungen in Zusammenarbeit mit Landkreis, Agentur für Arbeit, IHK und Handwerkskammer sollen mindestens weitere zehn Arbeitsverhältnisse vermittelt worden sein.

Ein weiteres Ziel sei es, Existenzgründern Perspektiven in Giengen zu bieten. Im Bahnhof habe die Stadt Büros für Start-Ups einrichten können. Die Einrichtung habe man unter dem Titel „Gründerbahnhof Giengen“ beworben, im März dieses Jahres zogen die ersten beiden Start-Ups ein. Aktuell würden zudem Gespräche mit einem Start-Up über eine mögliche Erweiterung des Betriebs auf Giengener Gemarkung laufen.

Der flächendeckende Breitband-Ausbau bleibe ein erklärtes langfristiges Ziel, ebenso wie eine nachhaltige Entwicklung von Gewerbeflächen, wofür man ein entsprechendes Konzept erarbeitet habe. Insbesondere soll aber auch das innerstädtische Leben nachhaltig gestärkt werden. Durch die beschlossene Neugestaltung des Rathausplatzes und der Marktstraße werde die Aufenthaltsqualität im Zentrum signifikant verbessert, zeigte sich Vetter überzeugt. Durch entsprechendes Management sollen auch die Leerstände beseitigt werden. Mit Projektentwicklern werde versucht, Investoren für die Innenstadt zu begeistern. Weil städtische Einrichtungen wichtige Frequenzbringer für eine attraktive Innenstadt sind, sollen publikumsintensive Einrichtungen wie etwa Bibliothek oder Musikschule im Zentrum platziert werden.

Giengen soll in der Region als Standort positiv wahrgenommen werden, nannte der Wirtschaftsförderer ein weiteres Hauptziel. Deshalb sei auch eine starke Präsenz in regionalen und überregionalen Gremien und Vereinigungen vorgesehen.

Der Wirtschaftsförderung hatte auch Oberbürgermeister Dieter Henle von Anfang an großes Bedeutung beigemessen. Seit dessen Amtsantritt habe der OB bereits 39 Firmen in der Stadt besucht, erwähnte Vetter und betonte die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltungsspitze.

Auch im Gemeinderat herrschte Einvernehmen darüber, dass die Einrichtung eines Wirtschaftsförderers in Vollzeit eine sehr zielführende Entscheidung gewesen sei. So sagte etwa Gaby Streicher (SPD): „Es war wichtig, diese Stelle zu schaffen.“

Sie lobte das persönliche Engagement von Sebastian Vetter. Er, so hieß es in der anschließenden Aussprache im Gemeinderat, habe nicht nur Eingeschlafenes wieder aufgeweckt, sondern auch eine ganze Reihe neuer und vielversprechende Impulse angestoßen.

Eine ganze Reihe Auszeichnungen für die Stadt Giengen

Der enge Austausch, wirtschaftsfreundliche Strukturen und der direkte Draht zum Wirtschaftsförderer und Oberbürgermeister als Ansprechpartner wurden im Rahmen der Auditierung Giengens als „attraktiver Wirtschaftsstandort“ durch die IHK und die Handwerkskammer besonders hervorgehoben. Seit 30. April dieses Jahres darf Giengen offiziell (zunächst für drei Jahre) mit der Auszeichnung „Attraktiver Wirtschaftsstandort“ werben. Zudem ist die IHK-Auditierung als „Ausgezeichneter Wohnort für Fach- und Führungskräfte“ für Ende 2019 geplant.

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg zeichnete Giengen zudem als „Gründungsfreundliche Kommune“ aus. Grundlage für diese Entscheidung war, dass die Stadt gemeinsam mit anderen Großen Kreisstädten der Region Ostwürttemberg ein Konzept zur Entwicklung als Start-Up-Region erarbeitete. Mit diesem Konzept erhofft man sich zugleich bessere Chancen im Kampf gegen Metropolregionen.

Nominiert ist Giengen zudem für den „Großen Preis des Mittelstands“. Auch daran, so Wirtschaftsförderer Sebastian Vetter, sei zu erkennen, dass die Aktivitäten Giengens in der Wirtschaftswelt inzwischen verstärkt wahrgenommen werden.