Was für ein unterhaltsamer Abend – und dann noch für einen guten Zweck: „Das Sternenkässle freut sich“, meinte Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle namens seiner Frau Simone, die als Schirmherrin mitten unter den Schnaitheimer Harmonikaspielern als Musikantin saß. Der Handharmonika-Spielring und der Reservistenmusikzug 28 Ulm setzten beim Benefizkonzert in der Walter-Schmid-Halle musikalische Glanzlichter. Etwa 300 Zuhörerinnen und Zuhörer waren begeistert.

Interessante Kombination

Sie fühlten sich wohl bei diesem Wohltätigkeitsabend, zumal nach der Kritik am Rande des großen Konzerts der Stadtkapelle Giengen diesmal auch die Raumtemperatur stimmte. Es war eine interessante Kombination, die da geboten wurde, und sich sehr wohl ergänzte: Erst Akkordeonmusik und dann ein Militärorchester, das sich besonders auf Giengen vorbereitet hatte: Schließlich wohnt hier ein Gerhard Fetzer, der große Verdienste um die aktuelle Militärmusik in Deutschland als Arrangeur und Komponist hat und als Obergefreiter der Reserve meisterhaft nicht bloß Saxophon spielt.

Im Dienst einer guten Sache, nämlich der Geldsammlung fürs Sternenkässle, musizierte der Handharmonika-Spielring Schnaitheim in Giengen.
Im Dienst einer guten Sache, nämlich der Geldsammlung fürs Sternenkässle, musizierte der Handharmonika-Spielring Schnaitheim in Giengen.
© Foto: Klaus-Dieter Kirschner

Fetzer ist es zu danken, dass der vormalige Stadtkapellmeister in Giengen, Robert Schilling, nicht in Vergessenheit gerät. Er wirkte von 1908 bis 1938 in der Einhorn-Stadt und baute von dort in Ulm eine Militärkapelle auf, die man im weitesten Sinne als Vorläufer des jetzigen Reservisten-Orchesters bezeichnen kann. Schilling komponierte dafür den „Marsch des Landsturm-Infanterie-Regiments XIII“, den Gerhard Fetzer für heutige Musikinterpretation neu arrangiert hatte.

Vor wenigen Jahren gewann Fetzer gegen 100 Mitbewerber einen Kompositionswettbewerb der Bundeswehr, die für die Streitkräftebasis einen Erkennungsmarsch suchte. Beim Konzert erfreute ebenjener Marsch die Gäste.

Schnittstellen zwischen den Orchestern

Nun spielen die Militärmusiker als Werbeträger der Bundeswehr nicht bloß mit Pauken und Trompeten Märsche, sondern beherrschen bravourös auch andere Tonschöpfungen aus dem großen Bereich unterhaltsamer wie konzertanter Blasmusik. Und da ergaben sich Schnittstellen zum Handharmonika-Spielring, der einige Titel im Repertoire hatte, die auf dieselben Komponisten zurückgehen.

Die Ouvertüre übernahm unter Leitung von Karin Theilacker der Handharmonika-Spielring, der zwei Sätze aus der „Märchensinfonietta“ zu Gehör brachte. Weiterer Höhepunkt waren die drei Musketiere, die in unterschiedlichen Charakteren auch die Musikanten forderten. Viel Beifall verdiente sich Sylvia Richter als Solistin mit dem „Freiheitstango“. Da staunten die Zuhörer, mit welcher Fingerfertigkeit und Ausdrucksstärke die Musikerin – ohne Notenblatt – agierte.

Mal filigran, mal kräftig

Der zweite Teil des Abends gehörte dem Musikzug unter dem Dirigat von Robert Roth, Hauptfeldwebel der Reserve. Mal sehr filigran, mal kräftig mit vollem Orchesterklang wurde aufgespielt und dabei deutlich, dass eine ganze Anzahl vorzüglicher Solisten diesem Blasorchester angehören. Zum Auftakt erklang von Jean Bronquieres der „Marche des Soldats de Robert Bruce“. Es folgte von Iwai Naohiro das „Mame-Medley“ sowie der sehr melodisch gestaltete „Annies Dream“, den der Schweizer Militärmusikspezialist Christopf Walter einst aufs Notenpapier geschrieben hat. Für den Solisten Edwin Wöhrstein, der formidabel das Flügelhorn beherrscht, gab es Extra-Applaus.

Mächtig die Sporen gab der Reservistenmusikzug den Pferden bei Livingstons Bearbeitung der Bonanza-(Film-)Melodie. Erinnerungen wurden schließlich geweckt beim abschließenden „Von-der-Tann-Marsch“. Mit einem weiteren Traditionsmarsch und der Nationalhymne klang ein Abend voller musikalischer Leckerbissen aus.

Viel Lob für Gerhard Fetzer

Wirklich gut getan hat dem Giengener Gerhard Fetzer die Lobeshymne von Bürgermeister Dieter Henle zum Auftakt des Wohltätigkeitskonzerts in der Walter-Schmid-Halle. Der Obergefreite der Reserve ist ein Käpsele in der Blasmusikszene. Viele Jahre spielte er im Heeresmusikkorps Ulm. 35 Jahre war er in der Stadtkapelle Giengen aktiv. Einen Namen machte er sich vor allem als Komponist und als Arrangeur in der Blasmusikszene

Der Träger des Bundesverdienstkreuzes bemüht sich seit nunmehr 69 Jahren jeden Mittwoch hinauf auf den Balkon der Stadtkirche, um von dort mit einem Choralspiel die Giengener zu grüßen. Für die Sternenkässle-Aktion stellte Fetzer zum Verkauf Einhorn-Zinnanhänger zur Verfügung.

Giengen