Giengen / Reinhard A. Richardon Hermann Schiele ist Mitglied der Giengener Fliegergruppe und will mit seinem selbst gebauten Flugzeug den Atlantik überqueren. Jetzt startete er seine Tour von Günzburg aus.

Wenn es einen einmal gepackt hat: Vor sieben Jahren hat sich Hermann Schiele, der Mitglied bei der Fliegergruppe Giengen ist, aus den USA einen Bausatz für ein Flugzeug geholt. Nachdem er in ungezählten Stunden eine Kunstflugmaschine zusammengebaut hatte, wurde nun auch die Nummer zwei fertig. Mit seiner neuen RV-8 von Van’s Aircraft wagt der Lufthansa-Flugkapitän jetzt in kleinen Etappen den Luftsprung über den Atlantik nach Kanada und in die Vereinigten Staaten.

Gestern startete der 57-Jährige aus Rammingen vom Günzburger Landeplatz aus zu seinem Flug auf den Spuren von Charles Lindbergh. Als Ausgleich zum Job als Jumbo-Kapitän mit Flügen in alle Welt – gerade kam er wieder aus Seoul zurück – begeisterte sich der erfahrene Pilot für dieses außergewöhnliche Hobby. Und wenn man schon einmal so viel Zeit und Herzblut in so ein Projekt gesteckt hat, will man natürlich auch seine Grenzen ausloten.

Über Island und Grönland

Hermann Schiele hüpft in vielen kleinen Etappen über Calais, Schottland, Island, zweimal Grönland und Quebec in Kanada auf den nordamerikanischen Kontinent. Lediglich 6 Meter und 40 Zentimeter ist die Maschine lang, exakt so breit wie ein Fußballtor (7,32 m) und 1,70 Meter hoch; mit dem 195-PS-Motor erreicht sie eine Reisegeschwindigkeit von etwa 300 km/h.

Bis zu 1800 Kilometer Reichweite

Mit einem Zusatztank sind 200 Liter Sprit in den Flügeln, und bei gedrosselter Leistung und einer Flughöhe zwischen 2000 und 3000 Metern sind Ziele in bis zu 1800 Kilometern Entfernung zu erreichen.

Die längste Etappe sind die 1200 Kilometer vom schottischen Wick zum isländischen Keflavik. Sie dauert gut viereinhalb Stunden. Hermann Schiele: „Ich musste im Vorfeld Ein- und Überfluggenehmigungen für Island, Kanada und die USA einholen und für Notfälle wie eine Wasserung habe ich einen Kälteschutzanzug und zwei Rettungsfloße sowie vier Notsender an Bord.“ Einmal über den Großen Teich geht es von Seattle an der Pazifikküste entlang nach San Francisco, über Florida und dann endlich zum eigentlichen Ziel des Unternehmens.

600 000 Gäste in Wisconsin

In Oshkosh im US-Staat Wisconsin findet im Juli das größte Treffen aller Luftfahrt-Enthusiasten statt. Über 15 000 Maschinen werden ausgestellt, gut 600 000 Gäste werden zu Flugshows und Ausstellungen erwartet. Etwa eineinhalb Jahre hat Schiele, nicht immer zur Begeisterung von Frau und Sohn, jede freie Minute in den Bau der RV-8 (den Bausatz ohne Motor und Navigation gibt es ab 40 000 Euro) in seiner Garage gesteckt; die „alte“ RV-7 steht derweil im Hangar.

Und warum macht man so etwas? „Weil ich das unbedingt einmal machen wollte!“, lacht der Pilot. Ende Juli wird er nach einem Flug um die halbe Welt wieder in Günzburg landen.

Der Flugbegeisterte und der „Große Teich“

Hermann Schiele hat mit 17 Jahren die ersten Segelflüge in Gerstetten mit Gerhard Kehrer absolviert, heute ist er mit 57 als Chefpilot in der ganzen Welt unterwegs.

Seinen Atlantikflug hat er gut vorbereitet und geplant, selbst auf eine Notwasserung ist er vorbereitet und hat Teile des Fliegers mit speziellem Schaumstoff ausgekleidet, damit die Maschine nicht sinkt. Die größte Gefahr sind allerdings größere Vögel. ri