Man sieht es an den Wacholderheiden: Die Schäferei hat eine lange, lange Tradition in unserer Gegend. Die Arbeit aber ist hart geworden, die Bedingungen sind schwierig. Da wären etwa fehlende Pferchflächen, der Verlust von Winterweiden, zu heiße Sommer, die Folgen der Globalisierung und nicht zuletzt der niedrige Wollpreis.

Große Sorge: Höfesterben

Auch Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller kennt diese Sorgen der Schäfer. Seine schlimmste Befürchtung: dass noch mehr Höfe dichtmachen. „Mit jedem Schäfer, der aufgibt, droht unsere Kulturlandschaft verloren zu gehen“, sagt Untersteller. Denn wo keine Schafe mehr weiden, machen sich Büsche und Bäume breit. Die typischen Wacholderheiden sind dann Geschichte, Lebens- und Rückzugsräume für viele Tiere und Pflanzen gehen verloren.

Am Heidenheimer Landratsamt angesiedelt

Was also tun? Man müsse die Rahmenbedingungen für Schäfer verbessern, sagt Untersteller. Helfen soll dabei schon bald das landesweit erste Schäfereikompetenznetzwerk, das voraussichtlich ab dem 1. Januar 2021 unter dem Dach des Landschaftserhaltungsverbands am Heidenheimer Landratsamt angesiedelt sein wird. Betreut wird das neue Netzwerk von zwei eigens dafür eingestellten Mitarbeitern. In Zusammenarbeit mit Experten aus dem Landesschafzuchtverband, Schäfern und Vertretern verschiedener Ministerien sollen die beiden Lösungswege erarbeiten, mit denen die Situation der baden-württembergischen Schäfer verbessert werden kann.

Fördermöglichkeiten für Schäfer

Konkret bedeutet das zum Beispiel: Wie können Hemmnisse bei der Förderung abgebaut werden? Denn Fördermöglichkeiten für Schäfer gibt es schließlich. Oder aber: Wie gelingt es, die Infrastruktur (Ställe, Triebwege und Pferche) zu verbessern? Für derartige Projekte, die also aus der Arbeit des neuen Netzwerks hervorgehen, stellt das Land eine Summe von zwei Millionen Euro zur Verfügung. Profitieren sollen davon bzw. zumindest von den dabei erarbeiteten Erkenntnissen und Handlungsleitfäden Schäfer in ganz Baden-Württemberg.

„Ich bin froh, dass wir den Zuschlag bekommen haben“, freut sich Landrat Peter Polta. Und das sogar ganz ohne Bewerbungsstress: Die Landesregierung hatte ursprünglich Heidenheim und eine weitere Stadt, also zwei Standorte, ins Auge gefasst, sich letztlich aber nur für einen einzigen Standort entschieden. Minister Untersteller erklärt das mit dem großen Erfahrungsschatz, den der Heidenheimer Landschaftserhaltungsverband im Bereich Schäferei vorweisen kann.

Ein Jungschäfer im Team

Ob das neue Netzwerk eine Sache von Dauer ist, steht übrigens in den Sternen. Die beiden Stellen, von denen eine mit einem Jungschäfer besetzt wurde, sind zunächst einmal auf fünf Jahre befristet. Alles Weitere hängt wohl davon ab, wie die nächste Landesregierung mit dem Thema umgeht.

Alte Tradition – der letzte Schäferlauf in Heidenheim

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Alte Tradition ist Geschichte Kein Schäferlauf mehr in Heidenheim

Heidenheim

Noch zwölf Schäfereien sind geblieben


Im Kreis Heidenheim gibt es derzeit zwölf Schäfereien. Wie Vanessa Liebrich-Krismann vom Heidenheimer Landschaftserhaltungsverband beschreibt, liegt das Durchschnittsalter der Schäfer bei rund 56 Jahren. Wie es in einigen Jahren um die Betriebe in der Region bestellt sein wird, sei daher offen. Aktuell hätten vier der zwölf Schäfereien einen Nachfolger in Aussicht.

Einer dieser Glücklichen ist Schäfer Holger Banzhaf, der seinen Hof in Heldenfingen seit Juli gemeinsam mit Tochter Laura führt. Mit ihren 650 Mutterschafen und 45 Mutterziegen beweiden die beiden rund 160 Hektar Wacholderheide. „Allein von unseren Produkten könnten wir nicht leben“, ließ Holger Banzhaf am Montag beim Treffen mit Umweltminister Franz Untersteller wissen. Ohne Unterstützung durch den Staat gehe es nicht. lst