Es war vor fünf Jahren ein großer Tag, als der Heuchlinger Dorfladen im früheren Schulhaus Einweihung feierte. Eine Einkaufsmöglichkeit vor Ort gab es damals bereits seit 2014, seit der Schließung der Metzgerei Ziesel, nicht mehr. Mit dem Dorfladen kam Besserung, endlich hatten die rund 880 Einwohner wieder eine Anlaufstelle für Lebensmittel. Von einigen fahrenden Händlern abgesehen, hat sich daran bis heute nichts geändert: Wer nicht ins Auto steigen will, wird nur im Dorfladen fündig. Hat sich das einst aus der Not geborene Konzept bewährt? Anlässlich des fünften Geburtstags fünf Fragen an Geschäftsführer Horst Beck.

Beim Sortiment setzt man auf konventionelle und Bioprodukte.
Beim Sortiment setzt man auf konventionelle und Bioprodukte.
© Foto: Rudi Penk

Wie läuft es denn derzeit im Dorfladen?

„Aktuell sind wir auf dem Niveau von 2019“, sagt Horst Beck. Und das bedeutet: In Sachen Finanzen stimmt die Zielrichtung, es könnte aber noch ein klein wenig besser laufen. So wie 2020 zum Beispiel, als die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft, kurz UG, das Geschäftsjahr mit einem sehr guten Ergebnis abschließen konnte. „Das lag auch an Corona“, sagt Beck, der die Geschäftsführung des Dorfladens ehrenamtlich übernommen hat. Die Vermutung: Mit steigenden Infektionszahlen stieg besonders zu Beginn der Pandemie bei manchen auch die Angst vor dem Einkauf im großen Supermarkt. „Das hat uns den ein oder anderen zusätzlichen Kunden gebracht.“

Und dieses Hoch hat auch die restliche Pandemie-Zeit über angehalten?

„Es ist wieder abgeflacht über die vergangenen zwei Jahre“, sagt Beck. „Das spüren wir ein kleines bisschen.“ Trotzdem gehe man für das Jahr 2021 von einer schwarzen Null aus. „Das ist immer unsere Zielrichtung.“

Wer kauft denn überhaupt im Dorfladen ein?

Hier genügt im Grunde ein einziges Wort: querbeet. Von alt bis jung sei alles vertreten, sagt Beck, auch Familien. Letzteres freut den Geschäftsführer besonders, da dann oft nicht nur einige wenige Produkte über die Ladentheke gehen, sondern ein ordentlicher Einkauf. Besonders viele Kunden lockt der Heuchlinger Dorfladen übrigens am Samstagvormittag an, wenn sich viele fürs Frühstück eindecken wollen. Aber auch an den anderen Tagen ist einiges los. Beck spricht von durchschnittlich 70 bis 80 Kunden pro Tag, viele davon treue Stammkunden.

Auch als Treffpunkt gedacht: Sowohl vor als auch im Heuchlinger Dorfladen kann man es sich mit einer Tasse Kaffee gemütlich machen.
Auch als Treffpunkt gedacht: Sowohl vor als auch im Heuchlinger Dorfladen kann man es sich mit einer Tasse Kaffee gemütlich machen.
© Foto: Rudi Penk

Der Dorfladen war bei seiner Gründung auch als Treffpunkt gedacht – wird dieses Angebot angenommen?

„Wir haben ein paar Plätze im Laden und einige Außenplätze“, sagt Beck, der während des Gesprächs selbst bei einem Kaffee vor dem Laden sitzt. Das Angebot, sich dort zu treffen und auszutauschen, werde von den Heuchlingern auch durchaus angenommen. Mit dem Geburtstagsfest am Freitag soll die Möglichkeit aber noch einmal in Erinnerung gerufen werden. Horst Beck: Über neue Kunden freue man sich natürlich immer.

Gibt es Wünsche für die Zukunft?

„Es ist nach wie vor unser Ziel, regionale Produkte hoch zu halten und das Angebot auszubauen“, sagt Beck. Auch so soll das Interesse der Kunden geweckt und gehalten werden: Lupinenkaffee, Dinkelino (Reis aus Dinkel) und derlei Spezialitäten gebe es schließlich nicht überall zu kaufen. Aus finanzieller Sicht hofft das Team außerdem immer auf eine Umsatzsteigerung, um einen kleinen Puffer für die Zukunft anhäufen zu können. „So hätten wir etwas mehr Sicherheit“, sagt Horst Beck und weist auf den Mindestlohn hin. Er steigt im Oktober und bedeutet für den Heuchlinger Dorfladen Mehrausgaben in nicht unerheblicher Höhe. Alles in allem aber ist man positiv gestimmt: „Wir sind hoffnungsvoll, dass sich das Konzept auch weitere Jahre tragen wird.“

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So wird am Freitag, 16. September, gefeiert


Das Fest: Das fünfjährige Bestehen des Heuchlinger Dorfladens wird am Freitag, 16. September, ab 16 Uhr gefeiert. Wo? Natürlich im und um den Dorfladen. Gemeinsam mit Bürgern, Kunden und Unterstützern wird gegrillt. Gedankt werden soll bei dieser Gelegenheit auch den ehrenamtlichen Helfern, die das Team des Dorfladens erst kürzlich dabei unterstützt haben, drei in die Jahre gekommene Garagen zu erhalten. Zwei davon nutzt der Dorfladen, eine das DRK.

Die Entstehung: Der Dorfladen ist aus einer Bürgerinitiative heraus entstanden und wurde als haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft gegründet. Wer wollte, konnte sich in Form einer stillen Beteiligung in Höhe von je 150 Euro finanziell an der Gründung beteiligen. Wie Diese Möglichkeit besteht laut Geschäftsführer Horst Beck übrigens noch immer. Unterstützt wurde die Gemeinde bei den im alten Schulhaus nötigen Umbaumaßnahmen auch vom Land Baden-Württemberg. Im Rahmen des Leader-Förderprogramms flossen rund 50.000 Euro nach Heuchlingen.