Wenn Michael Bückle in seinem Wald in der Sontberger „Wiedenhalde“ das Maßband um die stärkste seiner Weißtannen schlingt, kommt er auf eine Bundweite von über 3,20 Metern. Mit einer Höhe von geschätzten 45 Metern überragt die Tanne die Bäume in ihrer Umgebung um etliche Meter.

Revierförsterin Mareike Mezger schätzt den Rauminhalt des Giganten auf nahezu zehn Kubikmeter. Außerdem hat der Baumstamm ein altersbedingtes Wimmerholz entwickelt. Solange der Verkauf nicht geregelt ist, bleibt der Baum in der „Wiedenhalde“ stehen.

Für die Ostalb sind Weißtannen dieser Höhe und dieses Alters nicht gerade typisch. Um die 150 Jahre alten Riesen rankt sich eine Legende. Im Schwarzwald, so munkelt man, habe ein Förster einst einen Fehltritt getan und sei aufgrund dessen auf die Ostalb strafversetzt worden. In die „Verbannung“ mitgebracht habe er seine fundierten Kenntnisse im Umgang mit den Weißtannen und habe den schönen Baum in Erinnerung an seine Heimat in seinem Revier auf der Ostalb heimisch werden lassen.

Dokumentiert ist diese Geschichte nicht. Sie wird auch angezweifelt, denn Weißtannen dieses Kalibers gibt es auch anderswo. Ihr Dasein auf der Alb verdanke die Weißtanne der Politik, meint die Fachwelt.

Verbesserung durch Jagdfreigabe

Als Folge der französischen Revolution und deren weiteren Entwicklungen wurde das Jagdprivileg des Adels in ganz Deutschland aufgehoben und damit die Jagdausübung für jeden, der größere Grundstücke besaß, freigegeben. Weißtannensämlinge konnten wieder sprießen, denn „hinter jedem Busch“, so die Überlieferung, „saß nach 1860 ein Jäger“.

Für die Wildbahn bedeutete die freie Jagd das Ende. Verschiedene „letzte Hirsch“ wurden erlegt und mancher von ihnen in Bronze gegossen. Auch Rehe waren leicht zu kriegen und manches Wildschwein bezahlte den angestammten bäuerlichen Zorn mit dem Leben.

Wie manch andere Baumart atmeten vor allem die Weißtannen auf, zumal in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Waldweide der Stallhaltung gewichen war und der Wald heutiger Prägung eine Art Wiedergeburt erlebte. Die jungen Bäume brauchten den Verbiss fortan nicht mehr zu fürchten.

Die Weißtanne im Bückleschen Wald könnte als Veteran aus dieser Zeit eine der Zeugen sein. Genugtuung wurde mit ihr auch dem strafversetzten Schwarzwaldförster zuteil, sofern es ihn je gegeben hat.