Das Pflegezentrum Gerstetten, das der Evangelischen Heimstiftung aus Stuttgart gehört, baut an und wird dadurch um 25 Pflegeplätze und 14 betreute Wohnungen erweitert. Der Spatenstich in der Einrichtung an der Goethestraße fand am Dienstagnachmittag statt. Ab 2025 soll die Einrichtung 60 moderne Einzelzimmer für Pflegebedürftige in vier Wohngruppen sowie 14 betreute Wohnungen anbieten.

Das Pflegezentrum Gerstetten besteht seit 2007 und wurde von Beginn an von der Evangelischen Heimstiftung betrieben. Gebäude und Grundstück gehörten aber der Gemeinde Gerstetten. 2019 erwarb das Unternehmen die Einrichtung für 1,7 Millionen Euro von der Gemeinde, um sie dann konzeptionell und baulich weiterzuentwickeln. Eigentlich sollte mit dem Bau spätestens 2021 begonnen werden, aber die Corona-Pandemie hat auch hier den Zeitplan durcheinandergebracht. Zudem sei es aufgrund der schwierigen Situation in der Baubranche nicht einfach gewesen, einen Generalunternehmer für das Projekt zu finden, so Dr. Alexandra Heizereder, Pressesprecherin der Evangelischen Heimstiftung.

Bernhard Schneider dankt Mitarbeitenden

Nun nimmt der Träger 13 Millionen Euro in die Hand, der Bau soll bis Sommer 2025 fertiggestellt werden. „Die Einrichtung ist zu einem festen Bestandteil der Gemeinschaft vor Ort geworden“, erklärt Hauptgeschäftsführer Bernhard Schneider, „deshalb wollen wir sie frühzeitig erweitern und für die Zukunft qualifizieren.“ Er bedankte sich beim Spatenstich bei den Mitarbeitenden für die jahrelange hervorragende Arbeit – und warb zugleich für die Evangelische Heimstiftung als Arbeitgeber, da nach dem Umbau mehr Personal für die Einrichtung benötigt wird.

Für die Erweiterung der Gerstetter Einrichtung konnte sowohl das gleiche Architektenbüro also auch der gleiche Generalunternehmer wie beim Bau des Heims vor 15 Jahren gewonnen werden konnte. Architekt Matthäus Ott vom Büro Nething/Ott freute sich beim Spatenstich über die ungewöhnliche Chance, ein bereits abgeschlossenes Projekt weiterentwickeln zu dürfen. Auch die Zusammenarbeit mit der FK Systembau GmbH aus Münsingen kann man quasi wiederaufnehmen. „Das wird auch städtebaulich eine tolle Geschichte“, war sich Bürgermeister Roland Polaschek sicher. Er sei sehr froh über das Engagement der Evangelischen Heimstiftung, da die Gemeinde die Investition nicht mehr tragen konnte und wollte.

15 Zimmer gehören zu einer Wohngruppe

Derzeit hat die Einrichtung 35 Einzelzimmer mit eigenem Bad. Sie werden umfassend saniert, modernisiert und um 25 Einzelzimmer erweitert. Ab 2025 soll das Haus nach dem Wohngruppenkonzept der Evangelischen Heimstiftung betrieben werden. Dabei werden etwa jeweils 15 Einzelzimmer in sogenannte Wohngruppen zusammengefasst und durch eine Küche mit Aufenthalts- und Wohnbereich verbunden. Dadurch ist es möglich, die Bewohnerinnen und Bewohner an täglichen Aufgaben wie kochen, Tisch decken oder backen teilhaben zu lassen. Zusätzlich betreut werden die Menschen von ausgebildeten Alltagsbegleitungen.

Die Bauarbeiten erfolgen in vier Bauabschnitten bei laufendem Betrieb, wobei es durch die Erweiterung möglich ist, dass in den betroffenen Abschnitten jeweils keine Bewohnerinnen und Bewohner leben. Darin sieht Dr. Alexandra Heizereder, Pressesprecherin der Evangelischen Heimstiftung, auch die lange Bauzeit begründet: „Wir wollen die Unannehmlichkeiten für die Bewohner so gering wie möglich halten – das braucht Zeit.“

Bauen in vier Abschnitten

Zuerst entsteht im Süden des bisherigen Pflegeheims der dreistöckige Anbau entlang der Goethestraße, der über zwei Gänge mit dem Bestandsgebäude verbunden wird. Direkt nach der Fertigstellung des Rohbaus wird mit dem Rohbau des zweiten Anbaus auf der Nordseite begonnen.

Alfred Hägele, früherer Gemeindepfarrer von Gerstetten, übernahm das geistliche Wort in Vertretung von Pfarrer Jürgen Bobzin. Er führte die Bergpredigt an, in der Jesus davon spricht, man solle sein Haus auf Fels bauen, nicht auf Sand: „Auf der Alb dürfte es kein Problem sein, ein gutes Fundament zu errichten“, so Hägele. Für Musik beim Spatenstich, der an diesem milden Frühlingsnachmittag komplett im Freien stattfinden konnte, sorgte die Jugendgruppe des Musikvereins Gerstetten unter Leitung von Sebastian Jäger.

Was ist das Aladien-System?

Die 14 betreuten Wohnungen, die in Gerstetten entstehen, werden mit dem Aladien-System ausgestattet. Das Wort steht für „Alltagsunterstützende Systeme mit Dienstleistungen“ und wurde von der Evangelischen Heimstiftung für Menschen mit Unterstützungsbedarf entwickelt. Es wird über ein für Senioren optimiertes Tablet gesteuert, das zur Grundausstattung jeder Wohnung gehört. Je nach Bedarf können Leistungen hinzugefügt oder abgewählt werden. Die Betreuung übernehmen die Mobilen Dienste der Evangelischen Heimstiftung, die schon seit 2007 im Haus sind.

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