Dettingen / Klaus-Dieter Kirschner Besonders gravierend werden diese Schäden an der Decke der Dettinger Peterskirche eingestuft. Darüber hat sich das Gebälk ziemlich abgesenkt und drückt auf das Mauerwerk.

Wer 250 Jahre auf dem Buckel hat, darf schon mal Falten haben. Auch die evangelischen Peterskirche in Dettingen ist davor nicht gefeit und braucht ein „Facelifting“. Mit einer halben Million Euro Baukosten rechnet der Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Albert Theilacker, „im schlimmsten Falle“. Frühestens 2020/21 dürften die Zimmerleute dem Gotteshaus aufs Dach steigen, das mit den Jahrzehnten aus den Fugen geraten, an verschiedenen Stellen abgesackt und sogar leicht windschief geworden ist. Ähnliche Schäden gab es auch in der Klosterkirche Königsbronn, in der Peterskirche Steinheim und in der Georgskirche zu Sontheim/Brenz.

Wenn im imposanten Dachstuhl in der Vergangenheit Reparaturen angefallen waren, war der Bauschutt nicht etwa aus dem Gebäude geschafft, sondern einst dorthin gekippt worden, wo das Dachgebälk auf dem aufstrebenden Mauerwerk, meist auf Fünfkantbalken, auflag. Flugschnee oder Kondenswasser sammelten sich in dem Schutt und ließen die Balken mächtig faulen. Bei einer Bauschau durch die Bauberatung beim Oberkirchenrat unter Federführung von Architektin Sylvia Grupp wurde das in Dettingen entdeckt und unter großen Mühen durch Gemeindemitglieder die reichlich feuchte Mischung aus Sand, Kies und Putz in mühsamer Arbeit entfernt.

Historische Aufnahmen bzw. Gemälde zeigen die Peterskirche mit einem Walmdach, an dessen östlicher Seite sich der schlanke wie hohe Kirchturm befand. Dieser stürzte anno 1835 aus nie geklärten Gründen ein. Die 1518 gegossene Herrenglocke kullerte den Kirchenberg unbeschädigt hinab.

Nicht mehr klären lässt sich auch, warum vier Jahre nach der 1769 erfolgten Kirchenweihe, also 1773, das Walmdach umgebaut wurde. Der Walm zum Turm hin, der von der mittelalterlichen Vorgängerkirche übrig geblieben war, wurde als Satteldach umgestaltet. Dabei aber, so Albert Theilacker, waren tragende Fünfkantbalken entfernt, der neue Giebel ohne Fachwerk hochgezogen worden. Auch wurde im Dachstuhl kein Stützverband gestellt, der zwingend gewesen wäre. Das Gebälk hatte also nicht die erforderliche Stabilität und „arbeitete“. Die konstruktiven Schäden führten zu Setzungen und leichten Verschiebungen.

Rissbildungen traten in den folgenden Jahrzehnten allenthalben auf. Doch die haben noch andere Gründe: Zwischen 1960 und 1978 wurde die Linienführung der Straßen in unmittelbarer Nähe zur Peterskirche verändert. Insgesamt kam es und kommt es zu Setzungen, die auch von den beiden Birken herrühren, die vor dem Kirchturm an der Gedenkstätte für die in den Kriegen gefallenen Bürger stehen und gerade in extrem trockenen Sommern dem Boden über Gebühr Feuchtigkeit entziehen. Sowohl im Kirchenschiff wie auch in der Sakristei und auch am Giebel der Ostfassade bilden sich Risse. Sie sind tief und werden teilweise immer breiter. Das bestätigten entsprechend gesetzte Putzmarken. Erste wurden bereits im März 1992 angebracht und sind längst gerissen. Der Spalt im Mauerwerk misst teils schon acht Millimeter.

Froh ist man in der Kirchengemeinde, dass nach der Erweiterung des Geläuts von drei auf vier Glocken und dem Austausch des stählernen Glockenstuhls durch einen aus Eichenholz im Jahre 2015 es zu keinen negativen Folgen für den Kirchturm gekommen ist. Theilacker: „Beim Glockenläuten verhält sich der 36 Meter hohe Turm ruhig.“ Also geht man davon aus, dass die vorhandenen Risse eben nicht dem Kirchturm anzulasten sind.

Nach einer abermaligen Bauschau im vergangenen Frühjahr rechnet man in Dettingen, dass die partielle Erneuerung des Dachstuhls einschließlich neuer Dacheindeckung mindestens 260 000 Euro kostet. Dazu kommen Bemühungen zur Beseitigung der Bauschäden in der Kirche. Die Decke im Schiff, die unter anderem die Auferstehung Christi zeigt, muss vor Aufnahme der Bauarbeiten entsprechend gesichert werden. Auch hier könnten sich noch akute Mängel herausstellen. Unterm Strich könnten „sich die Baukosten nach vorsichtigen Schätzungen auf 500 000 Euro belaufen“, sagt Theilacker und fügt hinzu: „Sollte der Kirchturm auch noch einen neuen Anstrich erhalten, wären das weitere 100 000 Euro.“

Nun ist die Peterskirche zwar ein eingetragenes Kulturdenkmal und das Landesdenkmalamt wird ein Wort mitreden, aber an Eigenmitteln müssten wohl rund 275 000 Euro zusammenkommen. Maximal wären Zuschüsse (Landeskirche, Kirchenbezirk, Denkmalamt und andere Institutionen) zwischen 35 und 45 Prozent drin.

Geburtstagsfest an Kirchweih

Am Kirchweihsonntag, 20. Oktober, feiern die Dettinger den 250. Geburtstag ihrer durch Joseph Dosenberger erbauten Peterskirche. Den um 9.30 Uhr beginnenden Festgottesdienst wird Pfarrer Manuel Ritsch leiten. Eigens zum Fest ist eine Jubiläumsschrift in Vorbereitung, die Anfang September von der Druckerei ausgeliefert wird.

Rund um das Jubiläum gibt es noch andere Veranstaltungen: Unterm Nussbaum bei Liselene Bosch steigt am Sonntag, 8. September, ab 14 Uhr eine große Party, bei der auch der Cafébus 300 vorfahren wird. Der Reinerlös kommt dem Baukonto zu.

Unter der musikalischen Leitung von Anja Schumacher beginnt am Samstag, 21.September, um 19.30 Uhr ein Festkonzert zum 250. Kirchengeburtstag. Der Eintritt ist zwar frei, um Spenden für die Kirchenrestaurierung wird gebeten. kdk