Nach Ansicht von Werner Häcker (Gussenstadt) macht es keinen Sinn, eine baulich schon vorhandene Teilumgehungsstraße für Gerstetten dort enden zu lassen, wo sie von Gussenstadt her auf die Landesstraße von Steinheim nach Gerstetten einmündet und sie nicht eines Tages weiterzubauen. Leidenschaftlich argumentierte Häcker in der Versammlung des Regionalverbands Ostwürttemberg gegen die ehemalige Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp, die zuvor ihren Antrag seitens der Grünen auf Streichung einer ganzen Reihe von Umgehungsstraßen aus dem künftigen Regionalplan noch einmal präzisiert hatte.

Bei der Sitzung unter Vorsitz von Gerhard Kieninger im Kreishaus Aalen hatte Regionaldirektor Thomas Eble vor der entscheidenden Schlussabstimmung noch einmal begründet, warum man beim Entwurf des Regionalplans dessen Fortschreibung nicht gleich über das Jahr 2035 hinaus verlängern soll. In der 40-jährigen Geschichte des Regionalverbands sei dies nun der dritte Regionalplan. Dem jetzigen werde ein Umweltbericht hinzugefügt. Insgesamt gehe es diesmal um Wohnungsbereitstellung und Klimawandel ebenso wie um künftige Strategien und die Absicherung der Energieversorgung in Krisenzeiten.

Immer im Blick haben müsse man, dass Ostwürttemberg im Wettbewerb mit anderen Regionen stehe. Ein wenig stolz könne man darauf sein, „dass wir in der Region in der Vergangenheit mit unseren Überlegungen anderen Regionalplänen oftmals voraus gewesen sind. Mit dem neuen Planentwurf können wir auf Verunsicherungen flexibler reagieren.“

Mit überwältigender Mehrheit, bei nur zwei Gegenstimmen, segnete das Regionalparlament den Planentwurf 2035 ab und machte den Weg frei zur Anhörung durch die Träger öffentlicher Belange und durch interessierte Bürger.

Zunächst aber ging es in der Sitzung um Änderungsanträge, die mit Masse von der Fraktion der Grünen eingereicht wurden. Regionalrätin Margit Stumpp hatte dazu vorgetragen und unter anderem verlangt, die geplanten Umgehungsstraßen für Gerstetten, Gussenstadt und Söhnstetten aus dem Planwerk ebenso zu tilgen wie die Umfahrung Essingens, Ober- und Niederstotzingen und Hohenmemmingen. Ausführlich hatte dazu der Regionalverband schriftlich Stellung genommen und seine Position zum Festhalten an den Straßen begründet.

Auf der Söhnstetter Ortsdurchfahrt ist zu Stoßzeiten einiges los. Viele wünschen sich seit Jahren eine Umfahrung.
Auf der Söhnstetter Ortsdurchfahrt ist zu Stoßzeiten einiges los. Viele wünschen sich seit Jahren eine Umfahrung.
© Foto: Rudi Penk

Keine neuen Wünsche

Der Vorsitzende des Regionalverbands, Gerhard Kieninger (Niederstotzingen), hielt dagegen: Diese sechs gewünschten Umgehungsstraßen seien ja schon in den rechtskräftigen Flächennutzungsplänen der jeweiligen Gemeinden verankert. Insofern würden hier keine neuen Wünsche geweckt.

So könnte die Umfahrung bei Gerstetten und Gussenstadt aussehen.
So könnte die Umfahrung bei Gerstetten und Gussenstadt aussehen.
© Foto: Open Street Map, HZ

In der Sitzung sprach Werner Häcker darüber, dass die Umfahrung von Böhmenkirch im Bundesverkehrswegeplan als vorrangiger Bedarf stehe. Würden diese Pläne verwirklicht, würde sich der zunehmende Verkehr mit Ziel Autobahn vor Söhnstetten stark stauen. Eine Umgehungsstraße Gussenstadt und deren Fortsetzung in Gerstetten bis hinüber nach Heldenfingen könnten dieses Verkehrsaufkommen auffangen und Richtung Autobahn-Auffahrt Herbrechtingen kanalisieren.

„Die Bedingungen sind eher schlechter als besser geworden“, meldete sich Heidenheims früherer Oberbürgermeister Bernhard Ilg zu Wort und warb massiv für das Festhalten am Konzept, weil sonst „die Schwachpunkte und innerörtlichen Verkehrsbelastungen nicht aus der Welt geschafft werden können“. Bei der nachfolgenden Abstimmung gab es neun Nein-Stimmen, während die überwältigende Mehrheit des Plenums den Vorschlägen der Verwaltung folgte.

Gerstetten

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Bildung in ganzer Angebotsbreite


Keine sonderliche Diskussion gab es wegen des Antrags der Grünen, im Regionalplan 2035 das Bildungsangebot in der Region in seiner ganzen Bandbreite darzustellen. Also nicht bloß die Hochschullandschaft zu beschreiben, sondern auch das berufliche Bildungs- und Weiterbildungsangebot in Ostwürttemberg deutlich zu machen. Von Gleichwertigkeit der beruflichen und der akademischen Bildung war die Rede und auch der Hinweis auf den Fachkräftemangel. Seitens des Regionalverbands wurde unter anderem mit diesem Satz der Regionalplan-Entwurf ergänzt: „Hierzu ist ein Hochschulstandort mit universitären Einrichtungen in der Region zu entwickeln. Qualifizierte Forschungsinstitute sind anzusiedeln und die berufliche Aus- und Weiterbildung zur Bekämpfung des Fachkräftemangels ist zu stärken.“ Dem stimmte das Plenum einmütig zu.