Über Jahrzehnte hinweg waren zwei Menschen ganz sicher in Gerstetter Gemeinderatssitzungen zu finden – der Bürgermeister und Gerhard Krauß. Sein unermüdliches lokalpolitisches Interesse führte den Heldenfinger in den Rat, auch wenn die Tagesordnung einmal nichts allzu Aufregendes versprach. Unvergessen sein Ruf „Schultes, es isch sechse!“, wenn der Bürgermeister die Sitzung nicht auf die Minute pünktlich eröffnete.

Da konnte Krauß recht streng wirken, dass er aber eine gehörige Portion Humor besaß und beileibe nicht auf den Mund gefallen war, belegten seine Zwischenrufe, die man vielen krummgenommen hätte, nicht aber dem „Gere“, der die Geschicke der Gemeinde so lange begleitet hatte. Als er sich im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen aus dem Zuhörerraum verabschiedete, widmete ihm die HZ ein Porträt unter dem Titel „Der treueste Zuhörer“.

Mehr als 20 Jahre hatte er die Lokalpolitik auf diese Weise verfolgt, davor war Krauß 20 Jahre lang selbst Ratsmitglied gewesen. Im Ortschaftsrat diente er über fünf Wahlperioden hinweg. Für sein Engagement wurde er mit der Ehrennadel in Silber des Gemeindetages und mit der Gemeindeehrennadel in Gold ausgezeichnet.

Große Verdienste um die Kliffhalle

Besondere Verdienste hatte sich der gelernte Zimmermeister in seinem Heimatdorf beim Bau der Kliffhalle erworben. Dabei verstand er es nicht nur, in allen Bauphasen mit Sachverstand und Tatkraft mitzuwirken, er mobilisierte auch zahlreiche Mitstreiter, die beim Bau mit anpackten. Bis vor wenigen Jahren war er in der Halle auch noch als Hausmeister tätig.

Am vergangenen Montag ist Gerhard Krauß gestorben, einen Tag nach seinem 88. Geburtstag.