Gussenstadt / Christine Weinschenk Der Musikverein Gussenstadt feiert am kommenden Samstag seinen 100. Geburtstag.

Eigentlich sorgen ja die Musikvereine dafür, dass andere in Feierlaune kommen. Am nächsten Samstag, 30. März, feiert sich der MV Gussenstadt allerdings selbst. Anlass ist sein 100. Geburtstag. Und weil das wirklich ein guter Grund zu feiern ist, wird im Juli noch eine dreitägige Sause folgen (siehe separater Beitrag).

Auf den Tag genau am 14. September 1919 wurde der Gussenstadter Musikverein gegründet. Der heutige Gerstetter Teilort war damals noch selbstständig, den Gesang- und Sportverein gab es bereits. Ebenso die Feuerwehr. „Der Wunsch nach Musik war im Dorf aber groß“, sagt Pressewart Klaus Scherer. Also nahmen sich Hans Tränkle, damals Lehrer in Gussenstadt, und der Genealoge Dr. Johann Georg Thierer der Sache an.

20 aktive (und 43 passive) Musiker waren im Handumdrehen gefunden. Die ersten Blasinstrumente wurden aus alten Heeresbeständen erworben und mussten zunächst repariert werden. Doch schon zu Ostern 1920 fand das erste Promenadenkonzert statt. Zunächst war es ein reiner Männerclub. Und es dauerte lange, bis auch Frauen im MV eine Rolle spielten. Erst im Jahr 1960, als die Jugendkapelle gegründet wurde, kamen Mädchen dazu. Heute hat der Verein 43 aktive Mitglieder – 16 davon sind weiblich. Das Durchschnittsalter liegt bei 30 Jahren, dabei sind die elf Musiker der Jugendkapelle allerdings eingerechnet. Das älteste Mitglied ist 56.

Einmal MV, immer MV?

Dass der Verein nicht unbedingt ein Nachwuchsproblem hat, zeigt sich auch am Vorsitzenden. Stefan Ruoff ist 33. Er bläst das Flügelhorn, ist seit gut 25 Jahren im MV aktiv und übernahm 2012 den Vorsitz. Einmal Musikverein, immer Musikverein? „Manche verlieren das Interesse oder ziehen weg, aber wir sind hängen geblieben“, sagt er lachend. Zu den Vereinstreuen gehört auch Pressewart Scherer. Er spielt seit fast 45 Jahren Klarinette. Über den Zulauf von Jugendlichen könne man sich momentan zwar nicht beklagen, ausruhen könne man sich darauf allerdings nicht, so Ruoff. „Die jungen Leute gehen auch in Gussenstadt heute nicht mehr automatisch in den Musikverein. Das ist kein Selbstläufer.“ Es gelte daher, aktiv und professionell um neue Mitglieder zu werben. „Jugendarbeit ist das A und O.“ Dass das kein reines Lippenbekenntnis ist, zeigt sich auch daran: 2013 wurde für die Jugend ein eigenes Musikerheim in Eigenleistung erbaut und eingeweiht.

Die aktive Kapelle spielt übrigens seit 1980 im ehemaligen Farrenstall. Im Farrenstall? „Darin wurden die Kühe früher dem Zuchtbullen zugeführt – bevor sich die künstliche Befruchtung durchgesetzt hat“, sagt Scherer lachend.

Was macht den MV Gussenstadt denn sonst noch besonders? „Zum Beispiel, dass wir den böhmisch-mährischen Stil spielen. Der ist etwas schwungvoller und im Landkreis nicht so weit verbreitet“, sagt Ruoff. Und man sei durchaus erfolgreich. Bei mehreren Wertungsspielen habe man höchste Auszeichnungen erhalten, zwei CDs seien bereits aufgenommen worden. „Wir haben einfach großen Spaß an der Musik und leben eine generationsübergreifende Kameradschaft“, sagt Ruoff. Na dann, auf die nächsten 100 Jahre!

Die Feierlichkeiten zum 100.

Der Festabend beginnt am Samstag, 30. März, um 19.30 Uhr in der Turn- und Festhalle in Gussenstadt. Unter der Leitung von Holger Vogel wird eine musikalische Reise durch die vergangenen 100 Jahre geboten. Weitere örtliche Vereine werden den Abend mitgestalten – auftreten wird etwa der gemischte Chor des Liederkranzes sowie die Männerturner und die Fitnessgruppe des TSV. Außerdem wird der Musikernachwuchs sein Können präsentieren.

Damit aber nicht genug. Vom 26. bis 28. Juli soll nochmals ordentlich gefeiert werden. Unter anderem geplant sind ein Blech-Friday, bei dem hochkarätige Blasmusikgruppen auftreten werden, eine Partynacht mit der Band „Allgäupower“ am Samstag nach dem Kinderfest sowie am 28. Juli das Kreismusikfest mit einem Festumzug durch den Ort und einem Bierzelt für bis zu 1600 Personen im Gewerbegebiet Eichholz, in dem auch ein Wertungsspiel stattfinden soll. chw