Gerstetten / Christine Weinschenk Benjamin Halbauer aus Gerstetten fertigt Messer selbst – und er hatte schon einen besonderen Kunden: den Spitzenkoch Vincent Klink.

Basteln, bauen, backen – Selbermachen liegt im Trend. Benjamin Halbauers Hobby ist dennoch ungewöhnlich: Er schmiedet Messer – Albknives hat er sie getauft. 2015 begann er damit in der Enge der elterlichen Garage. Vor etwa einem Jahr hat er erweitert, in Gerstetten ein Haus mit Nebengebäude gekauft und in diesem – einem ehemaligen Hühnerstall – auf 15 Quadratmetern seine neue Werkstatt eingerichtet. Ebenso erweitert hat er sein Portfolio. Alles begann mit Outdoor-Messern; jetzt fertigt er Küchenmesser. „Das ist in der Szene relativ selten“, erklärt der 34-Jährige.

Und weil handgemachte Küchenmesser offenbar noch Seltenheitswert haben, hat sich Halbauer im Laufe des vergangenen Jahres schon einen kleinen Kundenstamm aufgebaut. Monatlich erhält er konstant zwischen drei und vier Bestellungen – aus ganz Deutschland. Etwa sechs Stunden arbeitet er an einem Messer.

Youtube

Viele Aufträge mehr wären neben seinem Beruf als Zerspanungsmechaniker wohl nur schwer zu bewältigen. Dennoch: Aus dem Hobby wird mehr und mehr ein zweites berufliches Standbein. Und wenn es nach Halbauer geht, könnte das Messerschmieden ihm auch den ganzen Broterwerb sichern. Derzeit überlegt er, Schmiedekurse anzubieten, um sein erworbenes Wissen mit anderen zu teilen.

Schmiedehofen selbst gebaut

Dass Halbauer ein kreativer Bastler ist, lässt sich mit einem Blick in seine Werkstatt feststellen: Ein Stück einer ausgedienten Eisenbahnschiene hat er zum Amboss umfunktioniert, der Schmiedeofen aus einer Gasflasche ist ebenfalls Marke Eigenbau. „Was man selber machen kann, macht man eben selbst“, sagt er. „Sonst wär's ja langweilig.“ Auch das Schmieden hat er sich über Youtube-Videos selbst beigebracht.

Eigentlich war er damals nur auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für seinen Vater, schnell war er aber Feuer und Flamme für das Handwerk. „Das ist einfach ein guter Ausgleich, man kann kreativ sein und sich abreagieren.“

Überwiegend Männer, ein Prominenter

Und wer ist seine Kundschaft? Überwiegend Männer, so Halbauer. Darunter war auch ein echter Promi: der aus dem Fernsehen bekannte Spitzenkoch Vincent Klink. „Ich habe ihm eine E-Mail geschrieben und gefragt, ob er mal ein Messer von mir ausprobieren möchte. Er war gleich angetan und hat sich eines bestellt – mit extra kurzem Griff.“ Und dass Vincent Klink das Messer auch benutzt hat, davon konnte sich Halbauer mit eigenen Augen überzeugen. „Er hat mehrfach im Fernsehen damit gearbeitet. Das war ein riesiges Kompliment für meine Arbeit.“ Eine weitere Bestellung erhielt er von der Köchin Zora Klipp aus der Youtube-Kochshow „Koch ma!“.

Jedes Messer, das Halbauer fertigt, ist ein Unikat. Auch den hölzernen Messergriff – etwa aus Nussbaum oder Rose – stellt er selbst her. Und auf Wunsch auch Lederscheiden zur Aufbewahrung. Die Messer fertigt er aus Kohlenstoffstahl. Der hat zwar die Eigenheit, dass er oxidiert und eine gewisse Patina bildet, „aber das Material ist sehr scharf und stabil und viele mögen diese Optik“, so Halbauer. „Nass liegenlassen sollte man die Messer aber nicht zu häufig, sonst könnten sie rosten.“ In die Spülmaschine gehören seine Messer ohnehin nicht. „Nicht nur wegen des Stahls, auch wegen des Holzgriffs. Das wäre wirklich Frevel.“