Gerstetten / HZ Ein Leserbrief zur Planung des Baugebiets „Östlich des Wasserturms“

Schon länger weckt das Gebiet um den Wasserturm Begehrlichkeiten, bereits seit über 20 Jahren ist immer wieder versucht worden, die Grünfläche mit parkähnlichem Charakter in attraktive Bauplätze zu verwandeln. Schon damals regte sich breiter Widerstand in der Bürgerschaft.

Im Oktober 2019 wurde nun die Öffentlichkeit über die erneute Planung eines Baugebietes informiert. Es wurde der Eindruck vermittelt, alle Bäume (also auch die Eschen) würden erhalten bleiben und der Ort würde lediglich etwas nach Osten wachsen.

Dies ist allerdings keineswegs die ganze Wahrheit: Lediglich ein paar Bäume entlang der Straße sollen zunächst stehen bleiben, von der parkähnlichen Grünfläche bleibt nur ein schmaler Streifen.

Zudem sollen drei große Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Bauwerke dieser Art gehören nicht an eine Ortsrandlage, sie würden das Ortsbild nachhaltig verändern. Zudem würden diese Gebäude beinahe am höchsten Punkt Gerstettens stehen und weithin sichtbar sein. Dort, wo heute der Blick weit über Felder, Wiesen und Wälder schweift werden bald hohe Mauern stehen. Bäume, die kleine, enge Grundstücke auf ihrer Südseite verschatten, werden über kurz oder lang weichen müssen.

Die öffentliche Sitzung des Gemeinderates dazu stellte sich keineswegs als angeregte Diskussion des Themas dar. Sie bestand weitgehend aus einer Präsentation der Bauvorhaben, anschließend gab es lediglich einige Nachfragen, Einwände wurden kaum vorgebracht, geschweige denn ausführlich diskutiert.

Die Lösung, die Mehrfamilienblocks um ein Vollgeschoss auf zwei plus Penthouse zu verringern und den am stärksten mit Schadstoffen belasteten Bauplatz eventuell nicht zu verkaufen, war sehr schnell bei der Hand. Es entstand der Eindruck, dass dies bereits im Vorfeld so vorgesehen war um die Gemeinderäte zur Zustimmung zu bewegen und die Diskussion zu beenden. Genauso ist es gekommen.

Mit nur einer mutigen Gegenstimme wurde die weitere Planung des Baugebiets vom Gemeinderat beschlossen.

Lieber Herr Polaschek, wir als Bürger dieser Gemeinde und Anwohner sind mit diesem Vorgehen nicht einverstanden. Ebenso lehnen wir die Art ab wie das Vorhaben kommuniziert wurde. Wir wollen von Anfang an umfassend informiert werden und nicht irgendwann zufällig erfahren, dass eigentlich etwas ganz anderes geplant ist.

Politik hat die Aufgabe, den Bürgern erforderliche Maßnahmen zu erklären, sie in Planungen einzubeziehen und nicht einfach über ihren Kopf hinweg zu entscheiden.

Wir verstehen sehr wohl, dass Bauland geschaffen werden muss und begrüßen ausdrücklich, wenn sich die Gemeinde bemüht, jungen Familien zu guten Konditionen ein eigenes Haus in schöner Lage zu ermöglichen. Große Wohnblocks werden in der Regel aber von großen Unternehmen erstellt und die entstandenen Wohnungen als Eigentumswohnungen zum höchsten erzielbaren Preis verkauft

Lieber Herr Polaschek, wir Bürger wünschen uns in diesem Zusammenhang kein beschleunigtes Planungsverfahren, sondern dass unsere Fragen und Einwände gehört werden. Dazu gehört, die Zerstörung des Parks und die Art der Bebauung nochmals ausführlich zu überdenken bevor Tatsachen geschaffen werden.

Christian Skala, Gerstetten