Die letzten Leserbriefe zur Corona-Diskussion lassen immer deutlicher folgende Fragen aufkommen: Ist die Bekämpfung der teuflischen Chimäre aus Totem und Lebendigem durch rein medizinische Maßnahmen möglich, durch impfen?

Ist es auch eine demokratische Aufgabe, durch Akzeptanz von angemessenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus auf Freiheitsrechte zu verzichten? Immer deutlicher wird, dass der Umgang mit Corona zur Glaubensfrage wird.

Wer glaubte, dass seine Impfung ihn nun unverletzlich mache und er sich über die anderen erhabener fühlt, hat versäumt, sich von Anfang an über die frei zugänglichen Medien (dank der Demokratie nicht zensiert!) zu informieren. Es war klar, dass es noch keinen erprobten Maßnahmenkatalog gibt, Folgeimpfungen notwendig werden, das Virus mutiert, die Problemlage sich ändert.

Jetzt zu behaupten, Politik und Wissenschaft hätten uns nur angelogen, betrogen, manipuliert, Panik verbreitet (bei notwendiger Kritik an der Handlungsstrategie!), könnte folgende Rückschlüsse auf die Verkünder solcher Aussagen zulassen:

1. Ich nutze das demokratische System für mich aus, lebe so angenehm wie sonst nirgends auf der Welt.

2. Wenn mich eine notwendige Maßnahme der demokratisch Verantwortlichen zur Krisenbewältigung einschränkt, erwarte ich, dass die Ursache schnell beseitigt wird, damit ich mich wieder frei entfalten kann.

3. Ich motze lautstark, akzeptiere keine gewählte Regierung, halte mich demonstrativ nicht an die Regeln, habe aber keine Alternativvorschläge.

4. Ich nehme in Kauf, dass ich mich selbst und andere gefährde, erwarte aber, dass ich vom hervorragenden Gesundheitssystem gefälligst versorgt werde.

Dies soll nicht heißen, dass sich jeder impfen lassen muss, aber, dass sich jeder – auch die Geimpften – rücksichtsvoll verhalten müssen.

Wer sich als 2G-ler als Affe verkleidet und sich im Faschingstrubel so benimmt ist kein rücksichtsvoller Demokrat mehr.

Wer grölend zwischen zigtausenden im Stadion euphorisierend den gesunden Menschenverstand ausschaltet, kann sich nicht auf Meinungsfreiheit berufen.

Wer anzweifelt, dass Krankenhäuser, Ärzte, Pfleger tatsächlich mit den allergrößten Problemen aufgrund hoher Infektionszahlen überlastet sind, hat sich erstens noch nie die Mühe gemacht, sich darüber zu informieren und verhöhnt deren Arbeit.

Wer transparenttragend Corona leugnet und vom Verfassungsgericht abgesegnete Einschränkungen mit Nazidiktatur vergleicht, hat in Sachen Demokratie nichts, aber auch gar nichts begriffen und deren Vorteile eigentlich nicht verdient.

Wer um Hilfe bittet, weil er durch die Maßnahmen um seine Existenz und seine Zukunft fürchtet, darf sich auf demokratisches Handeln verlassen, muss auf die Unterstützung durch staatliche Maßnahmen drängen und muss sie erhalten.

Was bleibt zu tun? Jeder überlegt in seiner Verantwortung für sich und für die anderen, wie man sich gegenseitig schützen kann. Wer sich nicht impfen und testen lässt, glaubt eben an die Wirksamkeit seiner Immunabwehr, muss aber deutlichere Einschränkungen in Kauf nehmen.

Oder aber auch aufgrund unumstößlicher ideologischer Sichtweisen härtere Konsequenzen ziehen. Wer der Medizin oder der Wissenschaft Vertrauen und Glauben schenkt, nutzt dies für sich zusätzlich aus, bleibt aber auch vorsichtig und nicht rücksichtslos aus falschem Verständnis der Impfwirksamkeit.

Diese Toleranz braucht es, um in der derzeitigen Krise wirksam zu agieren und den Zusammenhalt unserer demokratische Gesellschaft zu erhalten.

Peter Maier, Gerstetten