Dettingen / hz Leserbrief zum Leitartikel „Meer in Atemnot“ vom 23. Oktober.

Dass „Nitrat und Phosphor in den Meeren nur aus überdüngten Böden stammt“ ... ist keinesfalls belegt. So wurde in den letzten zehn Jahren die Trinkwasserqualität des Bodensees erst nachhaltig verbessert, nachdem u. a. die allermeisten Kläranlagen und Abwasserleitungen der Zuflüsse repariert und auf den Stand der Technik gebracht wurden. Ich finde es bedauerlich, dass leitartikelschreibende Journalisten sich weltweit im Urlaub in fernen Ländern nicht die „lückenlos vorhandenen und vorbildlich funktionierenden Kläranlagen“ zeigen lassen.

Wenn heute Abwasserspezialisten von Unmengen Fremdwasser während Regenperioden durch beschädigte Abwasserleitungen klagen, sollte dem verantwortungsbewussten Wasserschützer klar sein, dass in Trockenzeiten jede Menge „ungeklärte Scheiße“ direkt und ohne Abbau im belebten Boden in den Grundwasserstrom entweicht.

Dies erfährt die Öffentlichkeit kaum – also dulden die LW sowie Gemeinde- u. Städtetag anscheinend erfolgreich keine Nestbeschmutzer.

Als ich als Bauernbub zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr mit Pferden im Winter wegen voller Jauchegrube „Brühe fahren“ musste, durfte diese nur auf tiefgründige Böden ausgebracht werden. Begründung – nur dort würden sich die Nährstoffe auch durch höhere Erträge sichtbar auswirken. Erst in den Landwirtschaftsschulen wurde vermittelt, dass je 50 cm mächtige Lehmschichten unter der Humusschicht der durchschnittliche Niederschlag eines Monats gespeichert werden könne.

Um die Dettinger Ziegelei und anderswo herum befanden/befinden sich überwiegend drei Meter dieser mächtigen Lehmschichten. Tatsächlich wurden/werden dort Wirtschaftsdünger in die Bodenlösung eingewaschen, gespeichert und während der folgenden Vegetationsperiode durch die Kapillarwirkung mit dem Wasser zu den Kulturpflanzenwurzeln hochgesogen – also Nährstoffkreisläufe während Trockenperioden. In dieser Pufferzone werden durch biochemische und physikalische Abläufe auch die allermeisten Schadstoffe abgebaut.

Leider werden fast überall nach wie vor besonders diese „mächtigen Ackerböden“ aus den unterschiedlichsten Gründen verbaut und versiegelt. Zukünftige Generationen werden sich darüber nicht nur wundern.

Ich bitte um Verständnis für die sehr harten Ausdrücke, der Kürze des Berichts geschuldet.

Hermann Delle, Dettingen