Seit Sonntag hat Gerstettens evangelische Kirchengemeinde einen neuen Pfarrer. Nach einer zehnmonatigen Vakatur wurde im Rahmen eines Investiturgottesdiensts auf der Wiese beim Gemeindehaus der 39-jährige Theologe Jürgen Bobzin feierlich auf sein neues Amt verpflichtet und von Heidenheims Dekan Gerd Häußler eingesegnet.

Jürgen Bobzin stammt aus Mähringen bei Tübingen, studierte nach dem Abitur in Leipzig, Heidelberg, Tübingen und Aarhus Theologie und kam nach Abschluss seiner Ausbildung über Bad Waldsee für drei Jahre nach Gerabronn. Den zuvor jüngsten Ort seines Wirkens fand er in Wildberg im nördlichen Schwarzwald.

Seit kurzem hat Bobzin sich im Pfarrhaus an der Böhmenstraße häuslich eingerichtet. In Gerstetten will er, so sein Bekenntnis, „ein Werkzeug in Gottes Hand“ sein und er forderte die Gemeinde auf, unbefangen auf ihn zuzukommen. Dies zumal er nach den Worten des Landessynodalen Dr. Harry Jungbauer in Gerstetten „Festland“ betrete: Die Pfarrstelle auf der Alb sei im Gegensatz zu der in Wildberg-Gültlingen durch keine Auflösungsabsichten bedroht.

Claudia Matzkovits, die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, vernahm es mit Freuden und hatte alles aufgeboten, um aus der Investitur ein großes Fest zu machen. Corona-bedingt traten die Akteure unter Zelten auf. Allen voran der zwölfköpfige Posaunenchor unter Leitung von Sebastian Jäger, die Band des CVJM mit ihren wohlklingenden Vokalbeiträgen und der Kirchenchor mit seiner Leiterin Tanja Albrecht.

Der Einsegnung in Gegenwart des 13-köpfigen Besetzungsgremiums, folgten die Zeugenworte. Zwei Studienfreunde, inzwischen gleichfalls eingesetzte Pfarrer, ließen mancherlei aus der gemeinsam erlebten Zeit lebendig werden. Ein „immer wieder neu aufbrechen“ begleite den Beruf eines Geistlichen, resümierte Claudia Matzkovits und hoffte, dass für Bobzin Gerstetten zu einer neuen Heimat werden möge.

Keine langweiligen Predigten

Lustiges hatte die Rektorin des Gerstetter Bildungszentrums, Eva Grech im Gepäck. Einer Umfrage unter den Gerstetter Realschüler zufolge wünscht man sich einen Religionslehrer, der gut reden könne und neben einem Vielerlei anderer belebender Vorschläge keinesfalls langweilige Predigten halte. Brot und Salz war das Begrüßungsgeschenk der Schule.

Pfarrer Rolf Wachter (Heuchlingen) hieß Bobzin im Kreis der Kollegen willkommen und Miriam Dörr gemahnte im Namen der katholischen Kirchengemeinde an Gemeinsamkeit und Ökumene. Dr. Jonathan Whitlock von der evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde empfahl Begegnungen im Geiste der Toleranz und Elisabeth Dauner erhoffte sich als Stellvertreterin des Bürgermeisters neue Impulse, zumal die Gemeinde mit dem geplanten Gesundheitszentrum an der Gartenstraße einen großen Schritt tun wolle.

In seiner Antrittspredigt befasste sich Bobzin mit dem Glauben und der Beharrlichkeit des Propheten Jona.

Stadt – nicht Dorf, Dorf – nicht Stadt


Eine Begebenheit zum Schmunzeln gab Dr. Jonathan Whitlock von der evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde in seiner Rede anlässlich der Amtseinsetzung des neuen Gerstetter Pfarrers Jürgen Bobzin zum Besten. Beim Amtsantritt in seiner früheren Gemeinde, so Whitlock, habe er diese als ein schmuckes ansehnliches Dorf gewürdigt. Flammenden Protest habe er daraufhin erfahren müssen. Schließlich sei man hier, wenn auch klein, eine wohlbestallte Stadt. Als er in Gerstetten seinen Dienst angetreten habe und die Albmetropole als stolze Stadt gewürdigt habe, sei er gleichfalls auf Protest gestoßen. Gerstetten sei ein Dorf und dabei bleibe es, sei er belehrt worden.