Heuchlingen / Christine Weinschenk Die Fertigstellung des Erweiterungsbaus ist für September 2020 geplant.

Gegraben wird schon seit ein paar Tagen. Am Freitag fand jetzt der offizielle Spatenstich für den Erweiterungsbau des Gardena-
Werks in Heuchlingen statt. Rund 15 Millionen Euro investiert das Gartenunternehmen aus Ulm in rund 5000 Quadratmeter zusätzliche Produktionsfläche, neue Maschinen, Automatisierung sowie eine neue Kantine (derzeit: 17 000 Quadratmeter Gebäudefläche). Die Fertigstellung ist für September 2020 geplant.

„Mit der Erweiterung setzen wir auf made in Germany“, sagte Wolfgang Engelhardt, verantwortlich für die weltweiten Produktionsstätten von Gardena. „Möglich gemacht haben das die Mitarbeiter – durch ihre Flexibilität, Einsatzbereitschaft und Kompetenz.“ Nur so könne man im Konkurrenzkampf mit China und Ost-Europa bestehen. „Die Erweiterung soll auch ein Signal sein. Bevor ein Unternehmen Deutschland verlässt, sollte man prüfen, ob es nicht vor Ort geht. Und oft geht es vor Ort.“

30 neue Arbeitsplätze

Mit 300 Mitarbeitern ist Gardena der größte Arbeitgeber in Heuchlingen. Durch den Ausbau des Standorts sollen etwa 30 neue Arbeitsplätze entstehen. In welchem Zeitraum, ist laut Werksleiter Michael Kieser, selbst aus Gerstetten, allerdings noch unklar. Aber: „Es ist uns wichtig, die Region zu stärken.“ Allerdings sei es derzeit gar nicht einfach, Fachkräfte zu finden. „Man muss sich anstrengen. Nur weil wir eine starke Marke sind und das Werk technisch auf dem neuesten Stand ist, gelingt es uns, für junge Leute noch attraktiv zu sein.“

In Heuchlingen werden täglich rund 1,5 Millionen Kunststoffteile für Bewässerungsprodukte hergestellt. Jährlich werden rund 13 500 Tonnen Kunststoff im Spritzgießverfahren verarbeitet und die Produkte teilweise zu fertigen Baugruppen montiert, etwa für Schlauchkupplungen oder Gartenbrausen. Die Geschäfte laufen offensichtlich gut. „Der Bedarf an Bewässerungsprodukten hat enorm zugenommen, wir verzeichnen zweistellige Wachstumsraten“, so Wolfgang Engelhardt. Mit der Erweiterung soll die Kapazität des Werks um zehn Prozent erhöht werden. „Wir arbeiten in Heuchlingen sieben Tage die Woche rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb“, erläuterte Werksleiter Michael Kieser. „Ohne die Erweiterung könnten wir die steigende Nachfrage nicht mehr bedienen.“ Zwischen 2015 und 2018 steigerte das Unternehmen seinen weltweiten Umsatz um 46 Prozent auf 663 Millionen Euro.

„Der heutige Tag ist auch für Gerstetten und den Teilort Heuchlingen wichtig“, so Gerstettens Bürgermeister Roland Polaschek. Es sei ein Glücksfall, dass das Unternehmen hier eingestiegen sei. Und mit der neuen Ortsumfahrung werde der Standort noch attraktiver.

Gardena und die IG Metall

Derzeit laufen Tarifverhandlungen in den baden-württembergischen Holz- und Kunststoffbetrieben. Die IG Metall fordert 5,5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate – und ein Extraplus für Auszubildende. Ende September fand im Werk in Heuchlingen ein erster Warnstreik statt und die Produktion stand für eine Stunde still. Noch gab es zwischen den Parteien keine Einigung. Die IG Metall hat für den 13. November zu einem bundesweiten Aktionstag aufgerufen. Weitere Warnstreiks, auch in Heuchlingen, sollen folgen.

Gardena ist ein in Europa führender Anbieter von Gartengeräten und in mehr als 80 Ländern vertreten. Der Standort Heuchlingen war das erste produzierende Werk des Herstellers. Gardena ist eine Marke der Husqvarna Group, dem weltweit größten Hersteller von Motorgeräten für Forstwirtschaft, Landschaftspflege und Garten. In Deutschland hat die Gruppe rund 1860 Mitarbeiter an den Standorten Ulm, Heuchlingen, Niederstotzingen und Laichingen. chw