2000 Romane, 3500 Kinderbücher, 1500 Fachbücher und 20 Zeitschriften und Abonnements bietet, sorgsamst geordnet, codiert und barrierefrei die neue Bibliothek an der Forststraße 18. Am Freitag wurde das Lesezentrum nach nur einjähriger Bauzeit unter dem „Stelzenbau“ des Bildungszentrums an der Forststraße feierlich seiner Bestimmung übergeben.

Neben 9000 Schriftstücken auf Papier gibt es unter dem Dach des neuen Zentrums auch Medienauswahl auf Knopfdruck, Arbeitsplätze in Nischen, DVDs, Hörbücher, Konsolenspiele, Tonies und das heiß begehrte W-Lan. Bürgermeister Roland Polaschek schloss sich einem Zitat Ciceros, des römischen Philosophen, an und sah in „einem Raum ohne Bücher einen Körper ohne Seele“. Wilhelm Busch, Hermann Hesse und Thaddäus Troll vermitteln in den in leuchtendem Weiß gehaltenen Räumlichkeiten sicherlich die ersehnte Seele, wie dies auch Podhajskys „Klassische Reitkunst“ oder die Betrachtungen über den „Sinn und Unsinn der Kleidung“ tun.

Für Polaschek war es in der Planungsphase ein großes Anliegen, „Schule und Bücherei zusammenzubringen“ und in dieser Kombination einen „Lern- und Begegnungsort mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen“. Kirsten Wieczorek von der Stuttgarter Fachstelle sei ihm hierbei eine wertvolle Beraterin gewesen. Architekt Dr. Heinz-Jörg Hüper habe die Vorstellungen umgesetzt, nachdem Förderzusagen von insgesamt 400 000 Euro vorgelegen hätten. Noch zu Lebzeiten, so Polaschek, habe der frühere Gemeinderat Hans-Ulrich Wachter dem Neubau eine Spende von 60 000 Euro zukommen lassen.

20 000 elektronische Medien

Die Bauleitung habe in den Händen des Ortsbauamts gelegen. Firmen, Handwerker und das hauseigene Team hätten löblich und termingerecht gearbeitet. Ergänzend stellte der Bürgermeister fest, dass neben der „Ostalb-Onleihe“ die Bibliothek eine Plattform für 20 000 elektronische Medien und den Filmfreunden 2000 Filme anbiete.

Landrat Peter Polta hatte die geringe Laufstrecke von 260 Metern zwischen der alten Bücherei an der Gartenstraße und der neuen an der Forststraße ins Verhältnis zu dem großen Schritt gesetzt, der erforderlich war, um die neue Einrichtung zu realisieren. Für ihn ist die Kombination Schule und Bibliothek unter einem Dach „eine runde Sache geworden“. Auch eine gute finanzielle Förderung habe man dank der Fürsprache von Frank Schied und des Landtagsabgeordneten Martin Grath hinbekommen. Was den Landrat nebenbei freute: Der weibliche Teil des Gemeinderats sei „heute in der Überzahl“.

„Wir brauchen Orte der Begegnung wie diesen“, meinte Martin Grath (Grüne). In den nordischen Ländern, so seine Erfahrung, seien Büchereien nicht nur zum Verleihen da, sie seien auch Orte des Austauschs und der Gesprächskultur.

Der Grundschulchor hatte eigens für die Eröffnungsfeier ein Lied getextet, in Noten gefasst und unter der Leitung von Alexander Germani mit frischer Selbstverständlichkeit vorgetragen. Mit demselben Elan ließ die Flötentrio-Bläserklasse 7 der Real- und Musikschule Händels Feuerwerksmusik erklingen. Thomas Neumann und Christian Bolkart begleiteten das Flötentrio.

Keine Schülerkette mit Büchern


Einen originellen Gag hatte sich die Grundschule zur Eröffnung der neuen Gerstetter Bibliothek im Schulzentrum an der Forststraße ausgedacht. Sie wollten auf der 260 Meter langen Strecke zwischen der alten und der neuen Bücherei eine Schülerkette bilden und sich dabei von Hand zu Hand etliche hundert Bücher reichen. Das letzte Buch sollte dann Bürgermeister Roland Polaschek feierlich in Empfang nehmen. Nachdem jedoch einige der Schüler kurz vorher aus den belasteten Epidemie-Gebieten Südtirols zurückgekehrt waren, musste Konrektorin Renate Fröhlich das Schauspiel schweren Herzens abblasen.