Ganz kurz sah es am Wochenende danach aus, als würde das Gerstetter Drachenfest vom Regen in die Traufe kommen, oder genauer: von der Pandemie in den Hagel. Nach zwei coronabedingt verschobenen Anläufen für die 25. Ausgabe der Veranstaltung mussten die Besucher des zweitägigen Festes auf der Rüblinger Heide am Samstag nämlich kurzzeitig in der Flughalle Schutz vor einem Hagelschauer suchen. Aber eben nur kurzzeitig. Und auch wenn die Veranstalter nach eigener Aussage aus 24 Festen bisher wesentlich besseres Wetter gewohnt waren, ist man im Drachensport eben von Grund auf flexibel.

Schnellen Ersatz organisiert

So wurden allseits beliebte und seit langem etablierte Programmpunkte wie der Massenstart der Fledermausdrachen oder die Rokkaku-Kämpfe am Samstag kurzerhand verschoben und Stück für Stück in einem der Schönwetterfenster nachgeholt. Und auch am Samstagabend hatte man schnell Ersatz für das aufgrund des Wetters ausgefallenen Ballonglühen organisiert. Erst mit einer Lichtershow in der Flughalle, bei der unter anderem gespenstisch leuchtende Drachen umherflogen, sowie auch bei einer Feuershow vor der Halle kamen nicht nur die kleinen Gäste auf ihre Kosten.

Weder Gäste noch Veranstalter ließen sich dabei von dem recht wechselhaften Wetter lange irritieren.
Weder Gäste noch Veranstalter ließen sich dabei von dem recht wechselhaften Wetter lange irritieren.
© Foto: Dennis Straub

Der Sonntag brachte ohnehin bessere Bedingungen mit sich, so ließen sich im Lauf des Tages noch einmal wesentlich mehr Besucherinnen und Besucher auf die Heide locken. Den Feldgottesdienst am Vormittag, den der Gerstetter Pfarrer Jürgen Bobzin gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeindereferentin Mirjam Dorr leitete, verschoben die Veranstalter noch sicherheitshalber in die Flughalle. Im weiteren Lauf des Tages blieb es aber trocken, sodass der zweite Massenstart der Fledermäuse und auch die zweite Runde der Rokkaku-Kämpfe wie geplant stattfinden konnten.

Wichtig fürs Vereinsleben

So zeigte sich Jonas Karger, Vorstandsmitglied des Flugsportvereins (FSV), am Sonntag hochzufrieden mit dem Verlauf des Festes. „Das Drachenfest ist ein zentraler Termin für uns, und auch wenn das Wetter nicht perfekt war, sind wir einfach froh, dass es wieder stattfinden konnte“, sagte Karger. Der FSV, der die Veranstaltung gemeinsam mit der Drachensport-Gruppe der Albflyer organisiert, übernimmt neben Location und Infrastruktur auch die komplette Bewirtung der Gäste. So stellt das Drachenfest nicht nur finanziell einen wichtigen Posten für den Verein dar. „Gerade für das Vereinsleben und das Miteinander unserer Aktiven sowie auch in der Gemeinde ist das ein sehr wichtiger Termin“, erklärt Karger.

Die Drachenpiloten hatten erneut zahlreiche kreative Ideen im Gepäck.
Die Drachenpiloten hatten erneut zahlreiche kreative Ideen im Gepäck.
© Foto: Dennis Straub

Buntstifte bemalen den Himmel

Gleiches gilt wohl auch für die eingeschworene Gemeinde der Drachensport-Fans. Bereits am Freitag waren erneut zahlreiche Gäste mit dem Camper aus ganz Süddeutschland angereist, um in Gerstetten die eigenen Drachen steigen zu lassen. Diese waren somit wieder in allen bekannten Varianten vertreten, vom bekannten Einleiner-Drachen, der auch für Kinder sehr gut geeignet ist, bis hin zu Lenkdrachen oder den sechseckigen Rokkaku-Kampfdrachen. Von windschnittig bis ausgefallen und schön lässt sich so einiges in Drachenform umsetzen. Neben den beliebten Fledermausdrachen waren am Samstag etwa eine ganze Reihe von fliegenden Buntstiften zu sehen, die mit flatternden bunten Bändern aus der Stiftspitze Striche an den Himmel zu malen schienen. Sogar ein passender Drachen in Form eines Spitzers war mit dabei.

Von Beginn an großer Andrang


Das Gerstetter Drachenfest geht auf einen zufälligen privaten Kontakt zwischen einem damaligen Vorstandsmitglied des FSV mit einem Mitglied der Albflyer zurück. Letztere waren damals bereits auf verschiedenen Drachenfesten in Süddeutschland unterwegs und auf der Suche nach einer geeigneten Location für eine eigene Veranstaltung. Dass der Besucherandrang jedoch gleich von Anfang an so groß war, hatte in den ersten Jahren sowohl die Albflyer, als auch die Mitglieder des FSV überrascht. „In den ersten Jahren wurden wir quasi überrannt, das hat wirklich keiner kommen sehen“, erinnert sich FSV-Vorstandsmitglied Rüdiger Benz.

So richtig erklären kann sich das auch Albflyer Martin Haug nicht. „Ich denke, die Leuten suchen eben genau solche Feste wie das unsere. Wir sind in erster Linie ein Familienfest, das heißt auch, dass es zum Beispiel keinen Eintritt kostet. Alles, was stattfindet, organisieren wir selbst und ohne eigens gebuchte Profis wie auf einigen anderen Festen.“ Vonseiten des FSV schlägt sich diese Mentalität auch in der Getränkekarte nieder: kein antialkoholisches Getränk darf mehr als eine Halbe Bier kosten.